31.07.2015, 13:58 Uhr

Audi in Werlte, RWE in Ibbenbüren Grüne Energie: „Power to Gas“ noch lange nicht wirtschaftlich

Power-to-Gas-Anlage von RWE in Ibbenbüren. Foto: RWEPower-to-Gas-Anlage von RWE in Ibbenbüren. Foto: RWE

Werlte/Ibbenbüren. Wohin mit dem Strom aus Windparks aus Solaranlagen, wenn weniger davon gebraucht als erzeugt wird? Unternehmen haben begonnen, mithilfe solchen Stroms Gas herzustellen. Der Vorteil: Gas lässt sich als Energieträger speichern. Eine neue Studie aus dem Emsland zeigt aber: Von einem wirtschaftlichen Betrieb ist die „Power-to-Gas“ (PtG)-Technologie noch weit entfernt.

PtG-Anlagen könnten zwar dafür sorgen, dass der umstrittene Ausbau der Stromnetze in Deutschland kleiner ausfalle als bisher geplant, schreiben die Autoren der Studie „Nutzen der Power-to-Gas-Technolgie“, die auf Untersuchungen in Verteilnetzen des Emslands basiert. Potenzial für PtG-Energie sehen die Forscher auch im Einsatz als Treibstoff für Fahrzeuge. Doch dazu müssten die Investitionskosten „deutlich reduziert“, die Lebensdauer der Anlagen erhöht und die Technologie weiter entwickelt werden. Hinter der Studie stehen der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW), die Bergische Universität Wuppertal und die RWTH Aachen.

Audi produziert Gas für Autos

Einige der rund 20 Pilotprojekte in Deutschland sind im Nordwesten angesiedelt: Im emsländischen Werlte läuft eine der ersten und größten PtG-Anlagen Deutschlands, sie produziert Gas für Audi. Der Autohersteller gewinnt mithilfe von Strom aus Windkraftanlagen und CO2 aus einer Biogasanlage Methan, das ins Erdgasnetz eingespeist und als Treibstoff für die gasbetriebenen Audis A3 der Serie g-tron verkauft wird.

In Ibbenbüren westlich von Osnabrück nimmt der Energiekonzern RWE am 17. August seine erste PtG-Anlage in Betrieb. Sie soll - ebenfalls mithilfe von Windstrom - in einer Elektrolyse-Anlage Wasserstoff erzeugen. RWE will diesen dem Erdgas in seinem Gasverteilnetz beimengen, das somit indirekt als Speicher für Winenergie dienen soll. Ein Teil des Wasserstoffs soll auch in ein nahes Blockheizkraftwerk fließen. Ibbenbüren habe man für das Projekt ausgewählt, weil es eine geeignete Gasdruckregelstation biete und ein hoher Erdgas-Durchlauf dort die Beimischung von Wasserstoff zulasse, sagt eine RWE-Sprecherin in Osnabrück.

Belastung durch EEG-Umlage

Der Haken an der PtG-Technologie: Sie ist aufwändig und teuer. Der von Gewinneinbrüchen geplagte Energieriese RWE macht zum Investitionsaufwand in Ibbenbüren keine Angaben. Audi versucht noch, den Wirkungsgrad seiner Anlage in Werlte zu erhöhen. Erschwerend kommt dort hinzu: Das Projekt ist nicht von der EEG-Umlage befreit. Bisher sind alle Versuche des Unternehmens gescheitert, eine Änderung zu erwirken.

Auch bei RWE sind die Ambitionen verhalten. Bisher gehe es bei dem Ibbenbürener Projekt lediglich darum, die Technologie zu erproben und zu verbessern, sagt die Unternehmenssprecherin.


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