24.12.2014, 06:39 Uhr

Betten, Lampen, Autoteile Osnabrücker ist Powerseller bei Ebay


Osnabrück. Der Paketdienst fährt dreimal am Tag vor. Die Vorweihnachtszeit bedeutet für die Osnabrücker David Ackermann und Hermann Tiben Hochsaison. Gut 3600 Pakete versenden sie jeden Tag: Beim Internet-Auktionshaus Ebay sind sie einer der größten Anbieter. Auch auf dem Marktplatz des Versandhauses Amazon läuft das Geschäft nicht schlecht. Hinter Shops wie „(easy)bay“ und „Luxpro Germany“ steht die H.T. Trade Service GmbH & Co. KG mit Sitz in einem Osnabrücker Gewerbegebiet.

Auf rund 15 Millionen Euro beläuft sich der Umsatz, den Ackermann und Tiben in diesem Jahr mit dem Verkauf von LED-Lampen, Autozubehör und Möbeln erzielen wollen. Sie zählen sich selbst zu den 30 größten Anbietern bei Ebay, Powerseller genannt. Gerade erst haben sie das Paket für ihren millionsten Kunden versendet – ein Cloppenburger kaufte LED-Weihnachtsbeleuchtung.

Den Anfang machte Tiben vor sieben Jahren. Damals importierte er Mittelarmlehnen aus den Niederlanden und verkaufte sie bei Ebay. Als die Preise in dem Auktionshaus spürbar fielen, fuhr er selbst nach China, um die Armlehnen, Radkappen und erste Büromöbel direkt vom Hersteller zu importieren.

Das Sortiment ist gewachsen. Im Lager befinden sich mehr als eine Million Artikel. Allein von einem Typ einer LED-Leuchte seien es mehr als 100.000 Stück, erzählt Ackermann. Der Handel mit Möbeln wie Betten, Schränken und Kommoden nehme deutlich zu. „Wenn es preislich interessant ist, kaufen die Kunden auch, wenn sie nur ein Foto gesehen haben“, sagt Geschäftsführer Tiben. „Notfalls kann der Kunde es immer noch zurückschicken.“ Das sei bei jedem zwanzigsten Paket der Fall – im Vergleich zu Modehändlern, bei denen jede zweite Lieferung eine Retoure ist, ist das relativ wenig.

Etwa 20 Mitarbeiter gehören zur Stammbelegschaft – in der Zeit vor Weihnachten kommen Saisonkräfte hinzu. Gut drei- bis viermal im Jahr fliegt der Chef nach China, um nach neuer Ware Ausschau zu halten. Allein für eine Million US-Dollar kauft der Geschäftsführer in Fabriken der Osnabrücker Partnerstadt Hefei ein, unter anderem Betten. Gut läuft dabei „alles mit LED“, sagt er – auch die Schlafmöbel gibt es selbstredend beleuchtet.

Transparenter Markt

Der Markt sei relativ transparent, erzählt Tiben. Je nach Produkt gebe es bei Ebay ein gutes Dutzend bedeutender Konkurrenten. Per Mausklick hat er das Angebot seiner Wettbewerber im Blick, sieht deren Preise und Absatzmengen. Umgekehrt wüssten die Konkurrenten genau, wo die Osnabrücker ihre Ware herbekommen. „Da muss man sich durchsetzen mit einem schnellen Versand und gutem Kundenservice.“ In den vergangenen zwölf Monaten waren 99,6 Prozent aller Bewertungen für den Händler positiv.

Etwa 60 Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Osnabrücker bei Ebay. Für „günstige Schnapper“, sagt Tiben, bleibe es die wichtigste Verkaufsplattform. Wachstum erziele das Unternehmen jedoch auf dem Amazon-Marktplatz, wo inzwischen jeder vierte Euro umgesetzt wird. Der Rest verteilt sich auf den eigenen Onlineshop und Großkunden.

Dass sich professionelle Ebay-Händler nach und nach weitere Vertriebswege suchen, ist eine Entwicklung, die auch die Berliner Ebay-Expertin Marion von Kuczkowski beobachtet hat. In mehreren Büchern hat sie die Geschäftsmodelle der Powerseller analysiert. Rund 560 erreichten in Deutschland einen Jahresumsatz von 1,8 Millionen Euro oder verkauften mindestens 60.000 Artikel. Wer es bei Ebay an die Grenze von zehn Millionen Euro bringe, gehöre zur absoluten Spitzengruppe, sagt sie.

Unterdessen wird es im Lager des Osnabrücker Händlers langsam eng. Seit 2013 sitzt die Firma an der Eversburger Straße. Büros und Lager erstrecken sich auf der Rückseite des evangelischen Kirchenamts auf 5000 Quadratmeter Fläche. Im Lager stapeln sich braune Pappkartons bis unters Dach. „Auch hier sind wir bald wieder zu klein“, sagt Tiben. Zuvor war er mit seiner Firma schon in Hasbergen, Bad Iburg und einem anderen Standort in Osnabrück.


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