08.10.2014, 16:21 Uhr

Ab 36000 Euro ist man dabei Wann ist man eigentlich reich?

Wieviel Geld steht zur freien Verfügung? Danach richtet sich die Einstufung als reich oder sehr reich. Foto: dpaWieviel Geld steht zur freien Verfügung? Danach richtet sich die Einstufung als reich oder sehr reich. Foto: dpa

Osnabrück. In Deutschland gibt es immer mehr Reiche. Und wer den Sprung nach oben einmal geschafft hat, der muss immer weniger fürchten, beim Einkommen wieder in die Mittelschicht abzusteigen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) in der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Siftung.

Demnach galten 1991 noch 5,6 Prozent aller Menschen in Deutschland wegen ihres verfügbaren Haushaltseinkommens als reich oder sehr reich. 2011 (neuere Daten liegen nicht vor) waren es 8,1 Prozent.

Aber wer ist eigentlich reich? Wer sofort an Topmanager, Banker oder Spitzensportler denkt, liegt falsch. Stattdessen haben Wissenschaftler eine vergleichsweise niedrige Schwelle definiert. Reich ist danach, wer in einem Haushalt lebt, der das Doppelte und mehr des mittleren verfügbaren Jahreseinkommens hat. Dieses beträgt laut WSI rund 18000 Euro pro Person.

Für Alleinstehende gilt folglich: Reich ist, wer netto, nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben und nach Anrechnung von staatlichen oder privaten Transfers, mindestens knapp 36000 Euro im Jahr als verfügbares Einkommen hat. Als sehr reich wird bezeichnet, wer mindestens dreimal so viel wie üblich hat. Die Untergrenze für einen Alleinstehenden liegt hier bei knapp 54000 Euro. In Mehrpersonenhaushalten werden die Grenzen nach Erwachsenen und Kindern gewichtet und sind entsprechend höher. In jedem Fall gehe es um eine „gehobene Lebenslage, mit der zahlreiche privilegierte Lebensbedingungen verbunden sind“, so WSI-Forscherin Dorothee Spannagel.

Die Gruppe der sehr Reichen ist der Untersuchung zufolge deutlich gewachsen: von 0,9 Prozent aller Personen im Jahr 1991 auf 1,9 Prozent im Jahr 2011. Zugleich haben die sehr Reichen ihre mittleren Einkommen preisbereinigt um rund 20 Prozent steigern können. Die Reichen erzielten ein Plus von fünf Prozent. Das mittlere Einkommen der Menschen unterhalb der Reichtumsgrenze stieg um vier Prozent.

Die Entwicklung ist der Studie zufolge vor allem auf stark unterschiedliche Kapitaleinkommen zurückzuführen: „Da Menschen mit hohen Einkommen sehr häufig auch größere Vermögen besitzen, profitieren sie in besonderem Maße von Zinsen, Dividenden oder Mieteinnahmen.“ Gerade während der 2000er-Jahre hätten sich Kapitaleinkommen deutlich stärker entwickelt als Lohneinkommen. Und durch die pauschale Abgeltungssteuer würden sie niedriger besteuert als Arbeitseinkommen.

Bei den sehr Reichen stammten dem WSI zufolge im Jahr 2011 rund 24 Prozent des Einkommens aus Vermögen, bei den Reichen waren es noch 12 Prozent. Unter Menschen mit mittleren Einkommen machen die Vermögenserträge dagegen nur acht Prozent aus, bei ärmeren lediglich vier Prozent.


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