09.07.2014, 06:30 Uhr

Stallbauer Hölscher+Leuschner Schweinemast: Trend geht zur Großgruppenhaltung


Emsbüren. Das Herzstück des Stalls und Marc Leuschners ganzer Stolz ist die Sortierschleuse: Sie misst jedes Schwein per Laser, dann errechnet ein Computer das Gewicht des Tieres. Befindet er es für kräftig, wird es zum Normalfuttertrog geleitet. Ist es schwach, kommt es in den Fressbereich mit dem energiereicheren Futter – alles vollautomatisch. „So verdrängen die Starken beim Fressen nicht die Schwachen“, sagt Marc Leuschner, einer der beiden Geschäftsführer des Emsbürener Stallbauunternehmens Hölscher+Leuschner (H+L).

Die Schleuse „Optisort“ ist nicht das Einzige, womit sich der 90-Mitarbeiter-Betrieb nach Leuschners Darstellung vom Wettbewerb abhebt. Auch die Wände seien etwas Besonderes: Statt aus Stein und Mörtel besteht der H+L-Stall aus einem Stahlgerüst und Wänden aus sechs Zentimeter dicken Sandwich-Elementen. „Das war – das ist nach wie vor revolutionär in der Branche“, sagt der 41-Jährige, der das Unternehmen in zweiter Generation mit seinem Kompagnon Richard Hölscher führt. Mit solchen Wänden verringere sich die Aufbauzeit eines Stalls auf drei Monate.

Die getrennten Fressbereiche, dazu eine ausgeklügelte Lüftungs- und Fütterungstechnik und schließlich die „intelligente Großgruppenhaltung“ – alles diene dem Wohle der Schweine, sagt Leuschner. „Den Tieren muss es gut gehen im Stall.“ In einem Werbekatalog des Unternehmens steht ein wichtiger Grund: „Hohe Schlachterlöse, mehr Gewinn“.

Der immer intensiver in der Öffentlichkeit geführten Debatte über artgerechte Tierhaltung kann Leuschner auch Gutes abgewinnen, „weil wir schon lange so denken“ , wie er sagt. In seinen Planungen bedeutet das unter anderem: Statt konventioneller Buchten mit je 15 Tieren konzipiert H+L Ställe mit großen Liegebereichen. In deren Mitte befindet sich ein Beschäftigungsparcours mit Scheuerbalken, Mineral-Lecksteinen, Kaustäben und Raufen, aus denen die Tiere Heu zupfen können. Das Kalkül: Stress, den die Schweine dort abbauen, lassen sie nicht an ihren Artgenossen aus – etwa durch das Beißen der Ringelschwänze, das durch alarmierende Berichte von Tierschützern bekannt wurde.

Statt auf Gitterrosten stehen die Schweine in H+L-Ställen auf patentierten „Comfifloor“-Kunststoffböden aus eigener Entwicklung. Auch das verringere Stress, so Leuschner.

Bei solchen, im eigenen Versuchsbetrieb erprobten Konzepten bewährt sich, dass H+L keiner der Platzhirsche der Branche ist und Innovationen schnell in den Markt bringen kann. Der vergleichsweise kleine, 1966 gegründete Familienbetrieb mit elf Millionen Euro Jahresumsatz konkurriert mit Schwergewichten wie etwa Big Dutchman in Vechta (Jahresumsatz 732 Millionen Euro) und sieht sich selbst mit seinen zehn bis 15 verkauften Ställen pro Jahr als Nischenanbieter.

In Deutschland werden weniger Ställe gebaut als noch vor einigen Jahren, aber Leuschner sieht in den immer strengeren Genehmigungsbedingungen einen Wettbewerbsvorteil für sich. Zudem nimmt er ausländische Märkte wie die Niederlande, Polen, Spanien und Japan in den Blick.

In ihrer zweiten Produktsparte dürfte es kein Konkurrent unter den Stallbauern mit den Emsbürenern aufnehmen können: H+L schafft „einen Ort zum Träumen in Ihrem Garten“, wie auf der Website zu lesen ist. Unter der Marke Woga produziert Hölscher+Leuschner idyllisch anmutende Gartenpavillons.

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