24.05.2010, 15:22 Uhr zuletzt aktualisiert vor

30 Millionen Paar Schuhe im Jahr

Schuhe Marke Sansibar: Mit Assoziationen zur Urlauberinsel Sylt versucht der Händler HR Group bei den Verbrauchern zu punkten. WerksfotoSchuhe Marke Sansibar: Mit Assoziationen zur Urlauberinsel Sylt versucht der Händler HR Group bei den Verbrauchern zu punkten. Werksfoto

Lange hat dieses Unternehmen trotz seiner Größe im Verborgenen existiert. Als Handelspartner der SB-Warenhausketten ging die schon damals fast 100 Jahre alte Osnabrücker Hamm-Gruppe mit Tochterfirmen wie terra non-food oder Schuh Stop seit den 1970er-Jahren auf Wachstumskurs. Die damalige „Erschließung neuartiger Distributionswege“ habe das Unternehmen groß gemacht, sagt der heutige Vorstandschef der HR Group, Matthias Händle.

Händle hat in die Familie des Firmengründers Wilhelm Hamm eingeheiratet, sein Schwiegervater ist Dieter Hamm, der gemeinsam mit seinen verstorbenen Bruder Werner Hamm die strategische Weiterentwicklung vom klassischen Großhändler zum internationalen Schuhhandelsunternehmen vorangetrieben hat. Der jetzige Chef besitzt fünf Prozent der Anteile an der HR Group, die Familie Hamm 45 und der ehemalige Finanzvorstand des Einzelhandelskonzerns Metro, Siegfried Kaske, die restlichen 50 Prozent. Diese Beteiligung rührt daher, dass die frühere Metro-Tochter RENO mit Sitz im pfälzischen Thaleischweiler nach erfolglosen Sanierungsversuchen durch den Handelsriesen vor etwa zehn Jahren größtenteils an Kaske abgegeben worden war.

„Hoch defizitär“ sei das Geschäft von RENO gewesen, als die Hamm-Gruppe es 2000 übernommen habe, sagt Matthias Händle. Doch durch eine strategische Neuausrichtung auf Markenschuhe habe der ehemalige Versandhändler und jetzige Filialist schnell wieder schwarze Zahlen erreicht. Und beim Erwerb von Markenlizenzen zeigt sich das Management der HR Group, unter deren Dach sich RENO seit 2005 befindet, durchaus erfinderisch.

Beispiel Sansibar: Diese neue Marke im HR-Sortiment stehe für das klassische Sansibar-Lebensgefühl – „alles kann, nichts muss“, sagt Händle. Dem Inhaber des gleichnamigen Strandrestaurants auf Sylt, unter dessen Logo etwa die Deutsche Bahn in ihren Zugrestaurants Wein anbietet, habe die HR Group die Rechte zur Vermarktung von Schuhen mit eben diesem Logo abgekauft, so der Vorstandschef. Auch für seine sonstigen Marken Bama, Mercedes und Young Spirit brauche das Osnabrücker Unternehmen keine Lizenzgebühren zu zahlen, weil es über alle Rechte verfüge. Der HR-Marke Young Spirit verhalf eine Partnerschaft mit dem Fußball-Bundesligisten Werder Bremen bundesweit zu großer Bekanntheit.

Mit ihrer Markenstrategie betreibt die HR-Einzelhandelstochter RENO europaweit 712 Filialen, davon rund 500 in Deutschland. Der Trend geht zu großflächigen Verkaufshäusern in Shopping-Centern oder Innenstadtlagen wie zuletzt in Ingolstadt, wo eine ehemalige H&M-Filiale mit 1700 Quadratmetern Verkaufsfläche in ein Schuh-Kaufhaus mit zahlreichen Marken-Abteilungen verwandelt wurde. Auf der anderen Seite ist die HR-Group in ihrem Systemgeschäft an 1330 Standorten mit Schuh-Abteilungen in SB-Warenhäusern oder zum Beispiel in Filialen der Bekleidungskette Adler vertreten.

2009 konnte die HR Group ihren Umsatz im deutschen Schuheinzelhandel (RENO) um fünf Prozent steigern, während der Markt insgesamt um fast drei Prozent schrumpfte. Im Ausland nahmen die Einzelhandelserlöse trotz eines Rückzugs vom türkischen Markt um zwei Prozent zu. Den Gesamtumsatz des vergangenen Jahres beziffert das Unternehmen mit 650 Millionen Euro – zu den 3,4 Milliarden des Schuh-Discounters Deichmann aus Essen besteht noch reichlich Abstand. Doch vom Billigheimer-Image, das auch der Kette RENO lange anhaftete, hat man sich unter Führung der HR Group endgültig verabschiedet.

Die Firmengruppe liefert aus Sicht vonOsnabrücks Oberbürgermeister Boris Pistorius den Beweis dafür, „dass der Wirtschaftsraum Osnabrück ein bedeutendes Zentrum auch für Unternehmen ist, die ihre Produkte und Dienstleistungen im europäischen Markt und darüber hinaus anbieten und deren Qualität in vielen Ländern anerkannt wird. Für Osnabrück sei es somit „von großer Bedeutung, dass die HR Group zum besonderen wirtschaftlichen Potenzial der Stadt und der Region beiträgt“.


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