20.04.2017, 21:46 Uhr

Fragen und Antworten zur Vertragsverlängerung VfL-Trainer Enochs: Drei Jahre sind die perfekte Zeit

Osnabrück. Etwas überraschend hatte sich Jürgen Wehlend auf die Pressekonferenz des VfL Osnabrück am Donnerstag geschlichen. Es gab „eine wichtige Neuigkeit“, die der Geschäftsführer lächelnd verkündete. Der Vertrag von Trainer Joe Enochs beim Fußball-Drittligisten wurde verlängert.

Wie lauten die Details? Ende der Saison wäre der Vertrag von Enochs ausgelaufen, der neue Kontrakt gilt weitere drei Jahre bis zum 30. Juni 2020 und gilt für die 2. und 3. Liga. Zu den genauen Konditionen wurde nichts bekannt. Der 45-Jährige hatte die Profis im August 2015 von Maik Walpurgis übernommen.

Wieso jetzt? Diese Frage ist nicht ohne Brisanz, denn mehrfach wurden Verein und Trainer auf die Zukunft angesprochen. Stets hieß es, man wolle den Weg gemeinsam weitergehen. Doch Handfestes gab es erst jetzt. Nun teilte Enochs selbst mit, dass es bereits seit September Gespräche gegeben hatte. „Im November/Dezember stand fest, wir wollen gemeinsam weitermachen“, so der Trainer. Er habe seine Unterschrift hinausgezögert, weil er sich an seinen Zielen messen lassen wollte. Eines sei das Erreichen des DFB-Pokals gewesen. Die Teilnahme schaffte der Verein mit dem 2:0 gegen Arminia Hannover im Halbfinale des Landespokals am Mittwoch.

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Was waren die weiteren Ziele – und wurden sie erreicht? Enochs betonte, dass er sich an seinen Zielen messen lassen wolle und benannte diese. „Wir wollten die Jugend stärker in den Trainings- und Spielbetrieb integrieren“, nannte er das zweite Ziel nach dem Einzug in den DFB-Pokal. Das ist gelungen. Die besten Beispiele saßen am Donnerstag neben ihm. Steffen Tigges (elf Drittliga-Spiele) und Sebastian Klaas (gegen Aalen im Kader) feierten kürzlich ihren ersten Einsatz in der U-19-Nationalmannschaft. Mit Kwasi Okyiere Wriedt (22), Nazim Sangaré (22) und Anthony Syhre (22) machten drei junge Spieler große Schritte, ebenso Torhüter Marius Gersbeck (21). Ahmet Arslan (23) und Bashkim Renneke (24) stehen noch etwas nach. Dennoch: Das Konzept, ein Mix aus Jugend und Erfahrung, wird gelebt.

Hier geht es zum Video – VfL-Trainer Enochs: „Lasse mich an meinen Ergebnissen messen“

„Außerdem wollten wir auf und neben dem Platz besser auftreten“, so Enochs weiter. Um hier ein klares „Ziel erreicht“ zu erhalten, war der VfL vor allem in der Rückrunde zu inkonstant. Sicher, bei Spielen wie den Niederlagen gegen Bremens U23 oder in Großaspach stimmte die Einstellung, doch es fehlten auch Ideen und Konsequenz. Auch die langen Verletzungen von Leistungsträgern wie Halil Savran, Christian Groß und Syhre trugen dazu bei, dass es in der Rückrunde einen Abwärtstrend gab, der von einigen Fans kritisch beäugt wird.

Auch weil somit das letzte Ziel noch in Reichweite ist, aber zwischenzeitlich wackelte: „Wir wollen bis zum Ende oben mitspielen“, sagte Enochs und betonte: „Wenn wir gegen Aalen gewinnen, dann wird es interessant.“ Noch fünf Spieltage sind es. Der VfL (49) ist Sechster, liegt drei Punkte hinter dem Tabellendritten Kiel (52) und vier hinter dem Zweiten Regensburg (53). Das Ziel könnte erreicht werden – mit einer Mannschaft, der nicht viele das zugetraut hatten. Allerdings auch, weil die Liga ausgeglichen ist wie lange nicht.

Wieso drei Jahre? Dazu sagte Wehlend: „Jeder Verein, der einen Plan und eine Strategie hat, bindet seinen Trainer langfristig.“ Die Basis der Zusammenarbeit stimme. „Wir wissen, was wir an ihm haben. Joe passt zu uns und zum VfL.“ Er betonte aber auch: „Wir wissen, dass noch Luft nach oben ist.“ Das sieht auch Enochs so: „Wir wissen, dass wir uns noch entwickeln können, und ich weiß, dass ich mich noch weiterentwickeln kann. Drei Jahre sind die perfekte Zeit für mich und den VfL, das zu tun.“

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Das sieht auch der Sportliche Leiter Lothar Gans so: „Wir haben eine junge Mannschaft und einen jungen Trainer, die in einer stetigen Entwicklung sind“, sagte er. Die Grundlage dafür ist gegeben. „Wir sind in der Kaderplanung weit wie nie, ein Großteil bleibt und wir werden uns punktuell verstärken“, hofft Enochs auf den nächsten Entwicklungsschritt.

Auch deshalb entschloss sich der VfL zu einer langfristigen Lösung, obwohl in einigen Köpfen noch der Rechtsstreit mit Enochs’ Vorgänger Walpurgis über die Auflösung seines langfristig laufenden Vertrages sein dürfte. Doch die Beziehung Enochs/VfL ist eine andere. Wehlend betonte: „Joe hat etwas, was man für Geld nicht kaufen kann: Herzblut für den Verein.“

Was ist mit der Personalie Sportdirektor? Enochs hat einen Vertrag bis 2020, Wehlend bis 2018 und Gans? Der Sportliche Leiter ist nur bis 30. Juni 2017 noch vertraglich an den VfL gebunden. Dass der 64-Jährige dann aber seinen Posten räumt, ist unwahrscheinlich. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass er weitermacht – die Frage ist nur: Mit einem möglichen Nachfolger zur Einarbeitung an der Seite oder alleine?


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