19.04.2017, 20:53 Uhr

Halbfinale im Niedersachsenpokal 2:0 gegen Arminia Hannover: VfL Osnabrück für DFB-Pokal qualifiziert


jka/bekr Osnabrück. Es war das erwartete Geduldsspiel gegen einen sehr defensiv eingestellten Gegner, und das Ergebnis hätte deutlicher ausfallen müssen, aber unter dem Strich stimmte der Ertrag: Fußball-Drittligist VfL Osnabrück hat das Halbfinale des niedersächsischen Landespokals gegen Oberligist Arminia Hannover mit 2:0 gewonnen und sich damit für die erste Runde des DFB-Pokals in der Saison 2017/18 qualifiziert.

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„Heute das Ticket für die nächste Runde lösen!“ hatten sich die Fans in ihrer Choreografie vor dem Anpfiff für die Fahrt im „Pokalexpress“ gewünscht. Dafür stellte VfL-Trainer Joe Enochs im Vergleich zum ernüchternden 1:1 in der 3. Liga beim FSV Frankfurt auf drei Positionen um: Marc Heider kehrte auf die rechte Mittelfeldseite zurück und übernahm den Platz von Nazim Sangaré. Im Angriff startete Addy Menga als zweite Spitze neben Kwasi Okyere Wriedt auf. Auf der Sechserposition durfte Ahmet Arslan beginnen, während Anthony Syhre auf der Bank Platz nahm. Für den erkrankten Ersatztorwart Frank Lehmann (Virusinfektion) war Leon Tigges in den Kader gerückt.

Der VfL und das „wichtigste Spiel der Saison“

Wie erwartet, suchte der Neunte der Oberliga Niedersachsen sein Glück erst einmal in der Defensive und ließ den VfL anlaufen. Das gelang den Lila-Weißen bis zum Strafraum, aber die ersten Flanken fanden keinen Abnehmer. Zwei Konterchancen der Arminia wurden in der Anfangsphase frühzeitig unterbunden. So sorgte Addy Menga für die erste richtige Torchance, als er ein flaches Zuspiel von Jules Reimerink aus der Drehung einige Meter über das Gästetor schoss (11.). Noch größer war kurz darauf die Möglichkeit, als Menga eine Flanke von Marc Heider im Fünfmeterraum nicht richtig traf und ein Pflichttor verpasste (13.).

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Die große Mehrzahl der 3041 Zuschauer, denen der Torschrei im Hals stecken geblieben war, spürte, dass der lila-weiße Pokalexpress akustischen Anschub brauchte, und der VfL rollte weiter aufs Tor der Hannoveraner an: Christian Groß‘ 16-Meter-Schuss wurde von einem Arminen noch abgefälscht und trudelte knapp neben den Pfosten (20.). Ahmet Arslan verzog freistehend vom Elfmeterpunkt nach schnell vorgetragenem Angriff über Konstantin Engel und Heider (24.). Längst wäre die Führung fällig gewesen. Umso lauter war das Raunen, als Dominic Vilches-Bermudez den ersten Arminia-Abschluss gar nicht allzu weit am langen Pfosten vorbeischlenzte (25.).

Chancen im Minutentakt ungenutzt

Wriedt traf nur das Außennetz (27.), Reimerinks Kopfball war eine leichte Aufgabe für Gästetorwart Bastian Fielsch (28.), Menga blieb ein möglicher Foulelfmeter versagt (29.), bei Sotirios Panagiotidis‘ Block im Strafraum gegen Groß’ Schuss reklamierten die Osnabrücker vergeblich Handspiel (30.), kurzum: An Chancen mangelte es nicht. Der VfL schaffte es jedoch nicht, seine Überlegenheit in Tore umzusetzen. Stattdessen hatte die Arminia plötzlich die Führung auf dem Fuß, aber Leutrim Kabashi verzog nach der ersten Ecke der Gäste von der Strafraumkante (33.). Es blieb in der Folge ein Geduldsspiel für den VfL, der zwar weiter deutlich feldüberlegen war und nach vorne spielte, aber nicht mehr so gut die Räume fand und zu statisch agierte, um die Hannoveraner zu überraschen. Torlos ging es in die Pause.

Reimerink bricht den Bann

Nach dem Seitenwechsel änderte sich nichts Grundlegendes: Der VfL diktierte weiter das Spiel, strapazierte aber mit Ungenauigkeiten die Geduld der Zuschauer und kam nicht zum Abschluss. Arslans Vorstoß in den Strafraum zog zurecht keinen Elfmeterpfiff nach sich (57.), beim Schubser gegen Menga nach Flanke von Tobias Willers fiel die Bewertung des ausgebliebenen Pfiffs nicht ganz so eindeutig aus (58.). Ein Strafstoß hätte den Bann brechen können. Das übernahm Reimerink: Groß‘ Schuss lenkte Arminia-Keeper Fielsch zur Seite ab, wo Reimerink freistand. Ganz ohne Drama wollte es der Niederländer aber anscheinend nicht machen: Sein erster Versuch sprang vom Innenpfosten heraus, den zweiten Versuch versenkte er dann mit aller Entschlossenheit zum 1:0 (64.). Unnötig war, dass der VfL kurz nach dem Treffer der Arminia einen Konter erlaubte, den Marcel Appiah nur unter Druck klären konnte – der Pressschlag flog am Winkel des VfL-Tores vorbei (67.). Willers verpasste die Vorentscheidung, als ihm der Ball nach Vorlage von Menga aus kurzer Distanz über den Fuß rutschte und am langen Pfosten vorbei ins Toraus ging (68.). Reimerinks gechippte Hereingabe von der Grundlinie war zu lässig, um Gefahr zu bringen, und segelte hinter der Latte ins Aus (74.). Sangaré verzettelte sich am Strafraumeck (79.), Arslan verzog aus 16 Metern (82.) genau wie später Bashkim Renneke aus spitzem Winkel (87.). So mussten die Lila-Weißen und ihre Fans latent weiter zittern, auch wenn die Hannoveraner in der gesamten zweiten Halbzeit keinen ernsthaften eigenen Abschluss aufs VfL-Tor brachten.

Arslan sorgt für die späte Entscheidung

Groß war deshalb der Jubel, als Arslans Freistoß aus 17 Metern an der Mauer vorbei flach zum 2:0 im Tor einschlug (90.) – und der VfL den Startplatz im DFB-Pokal endgültig sicher hatte. Vom „Europapokal“, den die Fans mit einem Augenzwinkern schon besangen, ist der VfL indes noch weit entfernt. Und am Samstag geht es gegen den VfR Aalen schon zuhause im Ligaalltag weiter: Ein Wettbewerb, in dem der VfL ebenfalls noch etwas erreichen kann, wenn er den Schwung aus dem Pokalspiel mitnimmt – und seine Chancen etwas konsequenter nutzt.


NFV-Pokal, Halbfinale: VfL Osnarbück – Arminia Hannover 2:0 (0:0)

VfL Osnarbück: 21 Gersbeck – 5 Engel, 4 Appiah, 24 Willers, 6 Dercho – 25 Groß, 14 Arslan – 20 Heider, 15 Reimerink (78. 7 Renneke) – 11 Wriedt (75. 30 Sangaré) , 13 Menga (87. 19 St. Tigges)

Auf der Bank: Leon Tigges (TW), 3 Syhre, 23 Hohnstedt, 27 Falkenberg.

Es fehlten: Savran (Knorpelschaden), Kristo (Sprunggelenk), Rüzgar (Leistenprobleme), Lehmann (Virusinfektion).

Arminia Hannover: 22 Fielsch – 21 Soumah, 5 Panagiotidis, 15 Gos, 2 Vilches-Bermudez – 6 Schröder (73. 24 Jankir) – 23 Neubert, 17 Kabashi, 8 Petrov, 4 Rüdiger (86. 20 Wagner) – 10 Saade (69. 9 Gust).

Tore: 1:0 Reimerink (65., Nachschuss nach einem Treffer an den Pfosten), 2:0 Arslan (90., direkt verwandelter Freistoß.

Gelb: –/89. Vilches-Bermudez.

Zuschauer: 3041.

Schiedsrichter: Axel Martin (Schiffdorf).

Nächstes Spiel: Samstag (22. April, 14 Uhr) gegen den VfR Aalen.

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