30.11.2016, 08:30 Uhr

Klaas und Tigges-Zwillinge im Gespräch Azubi Fußballprofi: Drei A-Junioren im Profikader des VfL Osnabrück

Drei Talente auf dem richtigen Weg: Stürmer Steffen Tigges, Torwart Leon Tigges und Mittelfeldspieler Sebastian Klaas werden von Alexander Ukrow (links, Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums), A-Junioren-Trainer Daniel Thioune und Chefcoach Joe Enochs gefordert und gefördert. Foto: Helmut KemmeDrei Talente auf dem richtigen Weg: Stürmer Steffen Tigges, Torwart Leon Tigges und Mittelfeldspieler Sebastian Klaas werden von Alexander Ukrow (links, Leiter des Nachwuchs-Leistungszentrums), A-Junioren-Trainer Daniel Thioune und Chefcoach Joe Enochs gefordert und gefördert. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück . Drei Jugendspieler gehören offiziell zum Profikader des Fußball-Drittligisten des VfL Osnabrück. Wir trafen Sebastian Klaas sowie Steffen und Leon Tigges zu einem Gespräch über ihr Leben zwischen Schule und Training, zwischen Alltag und Profitraum.

Früher waren junge Fußballer manchmal so wie die Lümmel aus der letzten Bank, jetzt sitzen hier drei 18-jährige Musterschüler in der ersten Reihe – zumindest machen sie diesen Eindruck. Sympathisch, pragmatisch, ruhig; das gilt für dieses Trio, auf das der VfL große Stücke hält. Deshalb bekam Sebastian Klaas vor wenigen Wochen einen Profivertrag bis zum 30. Juni 2019, auch die Tigges-Brüder sollen in Kürze über 2018 hinaus an den Verein gebunden werden.

Das Training bei den Profis, an dem sie sooft wie möglich teilnehmen, gibt ihnen einen Motivationskick und einen Leistungsschub. „Man ist ganz anders gefordert, kann sich gegen stärkere Spieler beweisen und viel lernen“, sagt Klaas. Steffen Tigges, der Stürmer, der bereits in der letzten Saison zu seinem Drittliga-Debüt kam, hat es selbst erlebt: „Man merkt, dass der Weg nach oben kurz sein kann.“

Der Aufwand ist hoch, doch sie betreiben ihn bewusst und lächelnd. Viermal in der Woche wird regulär trainiert, am Wochenende die Spiele in der A-Junioren-Bundesliga, dazu die Einheiten bei den Profis und die Sonderschichten mit dem Perspektivkader.

Dort werden die 13 Top-Talente aus der U17, U19 und U21 zusätzlich geschult. Technik- und Athletiktraining, Sportpsychologie, Ernährungs-Tipps – auch das gehört zur Ausbildung eines Fußballprofis. Sie werden von den Trainern des Profiteams betreut, von den Physiotherapeuten behandelt und haben Zugang zum Teampsychologen, Teambetreuer Julius Ohnesorge koordiniert ihre Termine und hält Kontakt zur Schule.

„Die Distanz zu den Profis ist auf ein Minimum geschrumpft“, sagt Daniel Thioune. Der Ex-Profi und Fußballlehrer trainiert die A-Junioren und steht – ebenso wie Alexander Ukrow als sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums – in engem Kontakt mit Chefcoach Joe Enochs, der seinen gesamten Stab jeden Montag zu großen Runde bittet. Dann tauschen sich die Trainer aus über die Entwicklung der Talente, koordinieren die Termine und leiten Maßnahmen ein.

Enochs, bis zu seiner Beförderung für die A-Junioren verantwortlich, schaut sich so viele Nachwuchsspiele wie möglich an. Ein Mosaikstein, der die gewachsene Wertschätzung der Profiabteilung für den Nachwuchs unterstreicht. Die Berufung für den Perspektivkader ist ein Anreiz; nicht zuletzt, seit die Youngster vor einigen Wochen in einem seriösen Testspiel den Profis ein 3:3 abrangen. „Jeder will sich in einem solchen Spiel zeigen“, schwärmt Klaas, „alle wichtigen Leute schauen zu, es geht gegen die Profis…“

Sooft es der Stundenplan zulässt, trainieren die drei „oben“ mit, wie es im internen Jargon heißt. Andere Perspektivspieler werden zum Training eingeladen. „Das ist Belohnung, Anerkennung und Förderung“, sagt Ex-Profi Ukrow. Die Zeiten, als Nachwuchsspieler eher wahllos und kurzfristig zum Profitraining bestellt wurden, um den Kader aufzufüllen, sind vorbei.

„Wir haben das Gefühl, dass wir eine echte Chance bekommen“, bringt es Steffen Tigges auf den Punkt. „Die Profis nehmen uns super auf und geben Tipps, aber sie schenken uns nichts“, fasst Leon Tigges zusammen.

Auch in der Schule gibt es nichts geschenkt, doch die Unterstützung ist da – wenn Leistung, Noten und Engagement stimmen. „Das ist wichtig nicht nur für uns, sondern auch für die Schule und die Eltern“, sagt Steffen Tigges. Versäumte Unterrichtsstunden müssen durch Ausgleichsleistungen kompensiert werden, dann kann auch mal aus dem Trainingslager im Hotel eine Klausur mitgeschrieben werden. Einfacher ist es für die 19 VfL-Talente von der U11 bis zur U19, die von der Partnerschaft mit der Fußball-Eliteschule am Schulzentrum Sonnenhügel profitieren.

Sebastian Klaas, Steffen Tigges und Leon Tigges gehören zur gar nicht mehr so neuen Generation, die den Job Fußballprofil regelrecht wie einen Ausbildungsberuf erlernt. Sie haben schon etwas erreicht, aber noch eine weite Strecke vor sich. Über den beruflichen Weg nach dem Abitur machen sie sich zwar Gedanken, doch der Fußball steht im Mittelpunkt. Und in einem Jahr?

Sebastian Klaas sagt ganz ruhig: „Es kann durch die Decke gehen, wenn man im richtigen Moment ein bisschen Glück hat und den Ball in den Winkel setzt.“ Kurze Pause. „Aber man kann sich verletzen und landet im Krankenhaus.“ So sind sie, die Azubis „Fußballprofi“ 2016.


Drei Talente

Sebastian Klaas stammt vom SV Brochterbeck und spielte für den ISV Ibbenbüren, ehe er zusammen mit einigen Mitspielern mit 13 zum VfL wechselte. Der Mittelfeldspieler ist Kapitän der A-Junioren. Er besucht die 12. Klasse des Wirtschaftsgymnasiums Ibbenbüren. Steffen Tigges spielte bis zur U14 für den TuS Glane und die Kreisauswahl. Dann schloss er sich dem VfL an – zusammen mit Bruder Leon Tigges. Der Stürmer und der Torwart sind zweieiige Zwillinge, sehen sich also nicht besonders ähnlich. Die beiden besuchen das Gymnasium in Bad Iburg, gehen 2017 ins Abitur.

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