26.11.2016, 17:20 Uhr

Die Stimmen zum 3:0 des VfL Atalan: Können froh sein, dass der VfL nicht so torgeil war…

„Lass dich drücken“: Kwasi Okyere Wriedt (Mitte) feiert mit Jules Reimerink (links) und Halil Savran. Foto: osnapix„Lass dich drücken“: Kwasi Okyere Wriedt (Mitte) feiert mit Jules Reimerink (links) und Halil Savran. Foto: osnapix 

Osnabrück. Ein VfL-Coach, der nicht abhebt, und ein Sportfreunde-Trainer, der maßlos enttäuscht ist. Dazu natürlich glückliche Spieler auf Osnabrücker Seite. Die Stimmen zum Spiel.

Ismail Atalan, Trainer der Sportfreunde Lotte: „Glückwunsch nach Osnabrück. Über 90 Minuten gesehen, war das ein verdienter Sieg. In der ersten Halbzeit haben wir nach vorne hin noch richtig gut gespielt, da hat uns nur das nötige Glück gefehlt. In der zweiten Halbzeit muss ich fast noch bei meiner Mannschaft entschuldigen, dass ich nicht die richtigen Worte und Maßnahmen in der Pause gefunden habe. Deswegen geht die zweite Halbzeit auf meine Kappe. Nach dem 3:0 war das Spiel gelaufen. Wir können froh sein, dass Osnabrück nicht solche Stürmer hat, die torgeil sind, sonst hätten sie vielleicht noch zwei oder drei Treffer gemacht. So, wie wir aus der Halbzeit gekommen sind, muss es ja an irgendjemanden gelegen haben – und das ist der Trainer. Nach dem 0:3 haben wir komplett aufgegeben – und das darf nicht passieren. Ich bin überzeugt, dass man auch ein 0:3 aufholen kann.“

Joe Enochs, Coach des VfL Osnabrück: „Ich denke, dass Ismail zu hart mit sich selber umgeht. Ich habe eine erste Halbzeit gesehen, in der beide Mannschaften alles getan haben, um Tore zu schießen. Der Gegner war komplett auf uns eingestellt. Die 2:0-Pausenführung war schon ein bisschen glücklich. Das 3:0 fiel genau in dem richtigen Moment. Danach haben wir kaum mehr Torchancen zugelassen. Ich bin stolz auf meine Mannschaft, weil wir gegen ein Lotter Team gespielt haben, das eine Superrolle in dieser Liga spielt und zurecht oben steht.“

Jules Reimerink, Vorlagengeber zum 1:0: „Wir sind sehr zufrieden. Wenn du 3:0 gewinnst, dann kannst du nur zufrieden sein. Es war ein intensives Derby mit vielen Zweikämpfen, die wir richtig gut angenommen haben. Es war ein sehr verdienter Sieg. Ich kenne Lotte noch aus der vergangenen Saison, als ich mit Viktoria Köln gegen sie gespielt habe. Es ist eine sehr respektlose Mannschaft, die tritt und redet. Deshalb wollte ich heute nur eins: Gewinnen. Sie reden und reden und reden. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem ich was machen musste. Da habe ich einen Spieler kurz am Ohr gezogen. Die Gelbe Karte war okay, aber es war nichts Schlimmes“

Kwasi Okyere Wriedt, Torschütze zum 1:0 und Vorleger beim 2:0: „Wenn man hier vor ausverkauftem Haus spielt und dann 3:0 gewinnt, ist das natürlich ein schönes Gefühl. Beim ersten Tor wurde ich gut von Jules bedient. Beim zweiten Tor hatte ich sehr viel Zeit. Halil stand am ersten Pfosten, da dachte ich, ich spiele ihn rein. Dann macht er ihn mit der Hacke richtig gut rein. In der zweiten Halbzeit hat Halil mich richtig gut bedient. Kurz vor meinem Abschluss ist der Ball noch ein bisschen gehoppelt, deshalb habe ich ihn nicht getroffen. Das ist schade, aber wenn man 3:0 führt, kann man das einigermaßen verkraften.“

Halil Savran, Torschütze zum 2:0 und Vorleger vor dem 3:0; den Ball drückte Lottes Nico Neidhart ins eigene Tor über die Linie: „Nach so einer Verletzung bin ich erst mal allen dankbar, meiner Familie, der medizinischen Abteilung und dem Trainerteam, dass ich so einen guten Heilungsverlauf hatte und schnell wieder auf dem Platz stehen konnte. Das war mein großes Ziel heute, wieder von Beginn an auf dem Platz zu stehen. Zum Glück hat’s geklappt. Ich bin dankbar für das Vertrauen und wollte alles geben, um dieses Vertrauen zurückzuzahlen. Das 3:0 hat heute den Deckel draufgemacht. Ein 2:0 ist ein unangenehmes Ergebnis, bei einem Anschlusstor wird es wieder brenzlig. Ich bin froh, dass wir das 3:0 gemacht und das Spiel souverän nach Hause gebracht haben. Lotte spielt eine gute Rolle in der Liga. Uns war klar, dass sie dagegenhalten. Das war zu erwarten. Mit den Toren haben wir eiskalt zugeschlagen. Natürlich guckt man nach einem Spieltag auf die Tabelle, aber sie hat noch keine Relevanz, weil es noch eng zugeht. Mit einem Sieg kann alles passieren. Mit einem kleinen Negativlauf rutscht man ein bisschen ab. Ich muss mir ansonsten heute sehr auf die Zunge beißen: Es ist unter der Woche viel geredet worden, aber nicht von unserer Seite. Heute hat man gesehen, dass die Wahrheit auf dem Platz liegt. Wir haben die passende Antwort gegeben auf jegliche Anstichelungen von anderer Seite. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Es gibt einige, die haben nicht mal 20 Drittligaspiele und haben mehr geredet, als Spieler von uns. Von daher bin ich froh, dass wir die richtige Antwort auf dem Platz gegeben haben.“

Christian Groß, VfL-Mittelfeldspieler: „Es war ein unheimliches Kampfspiel. Das wussten wir aber. Es ist ein Spiel wie gegen Münster. Da geht es darum, die Zweikämpfe anzunehmen und gegenzuhalten damit den Gegner auch zu beeindrucken. Wir haben uns in der Woche schon gesagt, dass wir es nur gewinnen, wenn wir es schaffen, die Zweikämpfe anzunehmen, einen Schritt schneller und auch ein Stück weit ekliger zu sein und geil darauf, den Ball zu gewinnen. Das haben wir gut umgesetzt und ich bin einfach glücklich, dass es uns mit diesem Publikum im Rücken gelungen ist, das Spiel zu gewinnen. Lotte hat in der ersten Halbzeit super gespielt und gut dagegen gehalten. Wir wussten auch, dass sie eine gute Qualität haben. Sie stehen ja nicht umsonst da oben. Wir haben uns mit den Toren für den Aufwand belohnt und sind dann auch noch richtig gut aus der Kabine gekommen. In der Pause haben wir uns gesagt, das Spiel geht wieder bei 0:0 los. Wir wollten unbedingt noch ein Tor machen, um Lotte nicht mehr rankommen zu lassen. Es war unheimlich wichtig, dass wir mit den ersten Chancen schon in Führung gegangen sind. Das ist das, was ein Spiel entscheiden kann. So haben wir die Fans in den Rücken bekommen. Das haben wir heute gut gemacht. Mit dem 2:0 war es in der zweiten Halbzeit natürlich auch einfacher.“

Bastian Schulz, Mittelfeldspieler des VfL: „Am Anfang war es schwierig für uns. Wir mussten viel investieren. Nach der Führung haben wir es dann gut heruntergespielt. Aber man hat auch heute gesehen: Wir müssen für jeden Sieg immer an unsere Grenzen gehen. Den Sieg werden wir heute genießen. Wir tun trotzdem gut daran, weiter auf dem Teppich zu bleiben.“

Nico Neidhart, Rechtsverteidiger der Sportfreunde: „Wenn du dir so viel vornimmst und dann mit 0:3 auf den Sack kriegst, ist die Enttäuschung natürlich riesig. Bei meinem Eigentor legt Savran den Ball an Fernandez vorbei. Ich versuche ihn noch zu retten, treffe den Ball aber nicht voll. Er wäre aber auch so ins Tor gegangen.“

Gerrit Nauber, Lotte-Kapitän: „Wir hatten heute ungewohnt viele Abspielfehler – schon in der ersten Halbzeit. Wir haben die entscheidenden Zweikämpfe verloren und sind ebenso schwer in die zweiten Bälle gekommen. Als der VfL mit dem 1:0 Sicherheit gewann, wurde es schwer für uns. Nach dem 0:2 zur Pause sind wir mit Schwung zurückgekommen. Es war dann zunächst wieder ein offenes Spiel. Doch dann bekommen wir das 0:3, das der Genickbruch für uns war. Danach konnten wir sogar 0:4 und 0:5 verlieren. Wenn nach vorne nichts mehr geht, müssen wir dennoch als Mannschaft geschlossen bleiben und vernünftig verteidigen. Darüber wird zu reden sein. Ich bin stocksauer.“

Alexander Langlitz, Lotter Rechtsverteidiger: „In der ersten Halbzeit waren wir eigentlich richtig gut drauf, doch bekommen bei insgesamt drei VfL-Chancen zwei Gegentore – was die Effektivität des VfL an diesem Nachmittag zeigt. Wir haben es in Rückstand weiter versucht, doch uns hat dabei der Glaube gefehlt. Wir hätten in der zweiten Halbzeit weiter aus unserer Ordnung ruhiger spielen müssen. Wir haben zwar noch versucht, das 1:3 zu machen, doch keine Durchschlagskraft mehr entwickelt. Wir können am Ende froh sein, nicht höher verloren zu haben.“

André Dej, Mittelfeldspieler der Sportfreunde: „Bis zum 0:1 war es ganz gut von uns. Auch nach dem Rückstand haben wir noch fünf Minuten okay weitergespielt. Unsere Normalform haben wir aber nicht mehr erreicht. Wir haben alle 50:50-Bälle verloren, die falschen Entscheidungen getroffen. Nach dem 0:3 fehlte jedes Aufbäumen. Wir hatten uns so viel vorgenommen – und müssen am Ende noch froh sein, dass es beim 0:3 geblieben ist. Jetzt gilt es: Mund abwischen und es nächste Woche gegen den MSV Duisburg besser machen.“


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