21.02.2016, 17:06 Uhr

Massiver Verstoß gegen Pyro-Verbot Vermummte Chaoten zündeln in der Osnabrücker Fankurve


hp/jka Osnabrück. Ein massiver Verstoß gegen das Verbot von Pyrotechnik in der Ostkurve wird dem VfL Osnabrück eine hohe Geldstrafe bescheren. Der Verein unterstützt die Ermittlungen der Polizei gegen vermummte Chaoten, die vor dem Anpfiff der Partie gegen den 1. FC Magdeburg etwa 40 bengalische Fackeln entzündeten.

Begonnen hatte alles mit einer beeindruckenden Choreo: Auf 600 Quadratmetern Stoff, die die gesamte Ostkurve bedeckten, feierte sich die Fangruppe Inferno, deren etwa 40 Mitglieder sich als unabhängiger Nachwuchs der Ultra-Gruppierung Violet Crew verstehen. Seit zehn Jahren gibt es die Gruppe, die monatelang an der Abbildung der Kurvenszene gearbeitet hat.

Bis kurz vor dem Anpfiff lief alles, wie beim VfL beantragt und mit den Sicherheitskräften besprochen. Dann vermummten sich einige unter der großen Blockfahne und zündeten etwa 40 bengalische Feuer; Rauchschwaden zogen durch die Kurve. Kurz danach – das Spiel lief – ertönten Sprechchöre: „Pyrotechnik ist kein Verbrechen.“

Die Aktion war für alle erkennbar ein Teil der Choreo, den die Nachwuchs-Ultras verschwiegen hatten. Auch beim städtischen Fanprojekt, in dessen Räumen die gigantische Stoffmalerei entstand, wusste man laut Leiter Michael Aschmann nichts von der Pyro-Aktion. „Unsere Räume stehen allen offen, das sind autarke Gruppen. Den Eindruck, dass die Pyros zu der Choereo gehörten, kann man tatsächlich haben. Wir wussten davon nichts und unterstützen das auch nicht, so lange es illegal ist.“

Für die Ultras gehört Pyrotechnik zur Fankultur, allen aktuellen und grundsätzlichen Sicherheitsbedenken zum Trotz. In der Osnatel-Arena hatte es seit fünf Jahren keine Zündelei mehr gegeben – bis nun am Samstag die größte illegale Pyro-Aktion in der Geschichte der Bremer Brücke ablief.

„Für uns ist das ein Rückschlag in unserem Bemühen um eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Fanszene“, sagte VfL- Geschäftsführer Jürgen Wehlend. Man habe die Fans in den letzten Wochen bei der Realisierung unterstützt; ein Statiker sei eingeschaltet, ein Antrag beim Bauordnungsamt gestellt und bezahlt worden. Das stellt Sozialarbeiter Aschmann anders dar: „Es ist den Fans bei der Realisierung der Choreo wahrlich nicht leicht gemacht worden. Immer wieder kamen neue Anforderungen und Vorgaben. Am Ende musste sogar eine Haftungs-Übernahme unterschrieben werden.“

Am Morgen des Spiels, so Wehlend, sei wegen der besonderen Brandgefahr durch die Stoffmenge eindringlich darauf hingewiesen worden, nicht zu zündeln: „Wir haben darauf vertraut, dass es dabei bleibt, und sind enttäuscht worden“. Vor allem für den Fanbeauftragten René Kemna, der sich „mit Herzblut und großem Engagement“ im Verein für die Choreo eingesetzt habe, sei das besonders bitter. Wehlend rechnet damit, dass bereits am Montag der Anhörungs-Fragebogen des DFB-Kontrollausschusses eintrifft. Der VfL werde alles tun, um die Täter zu ermitteln: „Kollektivstrafen lehnen wir nach wie vor ab, doch hier ist eine Rote Linie überschritten worden. Unsere Null-Toleranz-Politik in Sachen Pyro gilt unverändert.“

„Sehr erschrocken“ registrierten Einsatzleiter Alexander Meyer und die Polizei die Pyrotechnik in der Ostkurve. „Verein, Feuerwehr und Bauamt haben ziemlich viel unternommen, dass diese Choreo stattfinden kann“, sagte er. Im Vorfeld seien nicht nur die baulichen Voraussetzungen geschaffen, sondern die riesigen aufgezogenen Stoffbahnen auch mit einem Imprägniermittel behandelt worden, so dass sie als schwer entflammbar klassifiziert werden konnten. Gleichwohl seien die großen Stoffmengen eine nicht zu unterschätzende Brandlast gewesen. Seitens der Sicherheitskräfte habe es daher die Anweisung gegeben, dass „auf keinen Fall Pyrotechnik entzündet werden darf“.

„Aus unserer Sicht ist es unverantwortlich und an Dreistigkeit kaum zu überbieten, dass dennoch gezündelt wurde“, sagte Meyer, „dass die Fans einem so in den Rücken fallen, ist schon heftig.“ Aufgrund der guten Erfahrungen bei Heimspielen hätten die Anhänger bei ihren Fanutensilien bislang großen Freiraum gehabt. „Wir werden uns abstimmen, wie wir jetzt damit umgehen“, kündigte Meyer an.

Die Polizei ermittelt wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz. Weil sich die Täter unter einer Blockfahne vermummten und später auch wieder unter der Deckung der Fahne umzogen, werde es nicht ganz einfach, sie zu ermitteln, sagte Meyer. Gleichwohl werden – wie nach dem Feuerzeugwurf aus dem DFB-Pokalspiel gegen Leipzig – Videobilder ausgewertet, die Hinweise auf die Täter geben könnten. Auch bei einem Magdeburger, der eine Leuchtfackel entzündete und auf das Spielfeld warf, setzt die Polizei auf die Aufzeichnungen. Meyer zeigte sich zuversichtlich, dass der Täter mithilfe der szenekundigen Kollegen in Magdeburg ermittelt werden könne.

Die Bilder der Videoanlage lösten nach dem Spiel auch noch einen Einsatz in der Ostkurve aus: Polizisten beobachteten, wie Fans die Überreste der abgebrannten Pyrotechnik in einem Karton verstauten. „Sie wollten keine Spuren hinterlassen“, sagt Meyer. Die Polizisten schlossen den Ausgang der Ostkurve und stellten den Karton sicher. Der Inhalt könne möglicherweise nicht nur Fingerabdrücke liefern, sondern bringe auch Erkenntnisse, welche Stoffe abgebrannt wurden und ob sie grundsätzlich zugelassen sind.


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