03.07.2015, 18:17 Uhr zuletzt aktualisiert vor

VfL-Präsident im Interview Queckenstedt: Wir können nur im Team bestehen

Einige Baustellen sind abgeräumt, andere Aufgaben haben Präsident Hermann Queckenstedt und seine Mitstreiter im Führungsgremium des VfL Osnabrück noch vor der Brust. Archivfoto: Helmut KemmeEinige Baustellen sind abgeräumt, andere Aufgaben haben Präsident Hermann Queckenstedt und seine Mitstreiter im Führungsgremium des VfL Osnabrück noch vor der Brust. Archivfoto: Helmut Kemme

Osnabrück. Am Wochenende eröffnet der VfL Osnabrück die Saison 2015/16 mit einem Fan- und Familienfest. Präsident Hermann Queckenstedt geht mit einem guten Gefühl in die neue Spielzeit, nachdem mit der Vertragsverlängerung von Geschäftsführer Jürgen Wehlend eine Baustelle abgeräumt ist. Es gibt aber auch noch einiges zu tun. Queckenstedt freut sich dabei auch über Aktionen, die nicht vom Verein ausgehen, wie er im Interview erklärt.

Herr Queckenstedt, an diesem Samstag eröffnet der VfL Osnabrück offiziell die Saison 2015/16. Mit welchem Gefühl geht der Präsident in die neue Spielzeit?

Mit einem sehr guten. Ich glaube, dass wir die alte Saison als Präsidium gemessen an den Herausforderungen ganz gut abgeschlossen haben. Sportlich verlief sie in der Rückrunde eher enttäuschend. Wir sind aber grundsätzlich ganz gut aufgestellt. Und meine Fanseele sagt: Es ist schön, wenn man sich nicht immer an eine neue Mannschaft gewöhnen muss, sondern Konstanten hat.

Beim Fan- und Familienfest auf der Illoshöhe steht an diesem Samstag der Fußball im Mittelpunkt, aber die anderen Abteilungen sollen dabei nicht untergehen...

Die Gymnastikabteilung ist mit zwei Mitmachangeboten vertreten und gibt einen kleinen Einblick in ihre Arbeit, genau wie die Schwimmer. Es wird Talks mit den Verantwortlichen der Schwimmabteilung geben, die die Leistungsdichte vorstellen, aber es gibt darüber hinaus auch gesellschaftliche Anliegen: Wir bieten zum Beispiel bereits seit einiger Zeit Schwimmkurse für Muslimas unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Und mich als ehemaligen Schwimmer schmerzt sehr, dass viele Kinder heute nicht mehr schwimmen können. Da sind wir auch gesellschaftlich gefordert. An der Illoshöhe sitzen die Schwimmer zwar auf dem Trockenen, aber werden gleichwohl mit einem Team beim Handwerker-Cup starten.

Sie spielen Doppelpass mit der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim – ein Novum.

Die Idee wurde durch einen Zufall geboren: Der VfL hatte für sein Fan- und Familienfest den 5. Juli im Auge, aber nach Auskunft der Stadt war die Illoshöhe belegt. Weil unsere Fußball-Betriebssportgruppe des Generalvikariats zeitgleich zum Handwerker-Cup eingeladen wurde, haben wir gefragt: Warum getrennt unterwegs sein? Eine Zusammenlegung schafft Synergien. Beide hätten ein Rahmenprogramm organisiert, und sowohl die Handwerkskammer als auch der VfL engagieren sich in der Flüchtlingsarbeit – das passt zusammen. Am Ende soll ja auch ein bisschen Geld für drei Flüchtlingsprojekte übrig bleiben. Dafür haben wir ein rundum gelungenes Paket. Ich denke, die Anwesenheit der Profis ist für die Handwerker attraktiv, und wir können im Gegenzug für unsere lila-weißen Angebote werben.

Stichwort Handwerk: In den vergangenen Tagen sind beim VfL einige Baustellen abgeräumt worden. Am Montag wurde das neue Trikot vorgestellt. Wie findet der Präsident den neuen Dress?

Ich find’s klasse. Die Farbe ist nicht monoton, es hat eine gestalterische Linie. (Weiterlesen: So sehen die neuen Trikots aus)

Am Dienstag folgte die Vertragsverlängerung mit Geschäftsführer Jürgen Wehlend

Dieser Schritt war uns allen wichtig, sonst wäre die Entscheidung im Beirat nicht einstimmig gefallen. Wir können nur im Team bestehen, und in der gemeinsamen Arbeit mit Jürgen Wehlend ist ein enges Vertrauensverhältnis gewachsen. Das muss das Fundament für die weitere Arbeit sein.

Da können Sie sich in den anstehenden Sommerferien ja etwas zurücklehnen.

Ich muss mich wirklich ein bisschen zurücklehnen. Das erste Quartal war noch entspannter, aber das letzte Vierteljahr war mit den politischen Gesprächen sehr arbeitsintensiv. Als es in der heißen Phase um die Entschuldung ging, habe ich auch einen Urlaub gecancelt. Hinzu kommt, dass Uwe Brunn und ich viele Termine im Doppelpack besucht haben. Wir haben fast alle Terminanfragen, die an uns herangetragen wurden, wahrgenommen, um Vertrauen zu schaffen und mit den Akteuren und den Menschen im Gespräch zu bleiben. Vielleicht hätte der ein oder andere Termin auch alleine absolviert werden können, aber es ging uns auch um das Signal des Schulterschlusses.

Nur zurücklehnen wird dennoch nicht gehen. Nach der Verlängerung mit Jürgen Wehlend drängt sich die Frage auf: Wie geht es mit dem Sportlichen Leiter Lothar Gans weiter, dessen Vertrag zum Jahresende ausläuft?

Diese Frage sollte der Geschäftsführer beantworten, der hier federführend ist.

Es gibt außerdem noch einige Punkte – Satzungsfragen – aus der letzten Mitgliederversammlung, die abgearbeitet werden müssen. Wie geht es da voran?

Wir haben eine Kommission eingesetzt, die die Satzung auf der Basis der letztes Mal vertagten Änderungsanträge noch einmal durchleuchtet. Hier sind alle Abteilungen vertreten, die Diskussionen sind sehr konstruktiv. Im November wird es die Jahreshauptversammlung stattfinden. Wir sind froh, dass die Antragsteller aus den Reihen der Mitglieder keine Notwendigkeit gesehen haben, mit zusätzlichem Aufwand eine zusätzliche Mitgliedersammlung einzuberufen. Im November wird die Kommission Änderungsanträge vorlegen, die im Konsens entstanden sind, aber wohl auch einige, bei denen dieser nicht erzielt werden kann. Das gehört zur Demokratie. Wichtig ist, dass diese Punkte oben auf der Tagesordnung stehen.

Wo sehen Sie mittelfristig noch Baustellen?

Wir hatten Initiativen wie Fantalk und Schulpatenschaften angekündigt. Wegen der aktuellen Herausforderungen ließen sich diese noch nicht umsetzen, wobei sich bereits die ersten Schulen gemeldet haben. Jetzt kommen wir hoffentlich in ruhigeres Fahrwasser und können auch diese Themen voranbringen. Bei den Patenschaften geht es um einen interaktiven Austausch zwischen dem VfL und den Schülern, der den Rückhalt in der Region fördern dürfte.

Zurück zum Sportlichen: Die A-Junioren haben den Aufstieg verpasst, die B-Junioren spielen wieder in der Bundesliga, die C-Junioren können noch in die Regionalliga aufsteigen – gute Aussichten für die kommende Saison?

Mein persönlicher Höhepunkt der Rückserie war der Sieg der B-Junioren im Finale des Niedersachsenpokals in Barsinghausen. Ich habe einige Spiele der A- und B-Junioren gesehen, im Nachwuchs wird hervorragende Arbeit geleistet - und da beziehe ich die U21 gerne mit ein. Die Mannschaften spielen attraktiven Fußball. Das weckt natürlich Hoffnungen auf ein Wiedersehen mit dem ein oder anderen Spieler in der ersten Mannschaft. Wenn wir diese Hoffnung nicht hätten, bräuchten wir kein Nachwuchsleistungszentrum. (Weiterlesen: VfL-Nachwuchs begeistert - jetzt erst recht)

Bei der Zusammenstellung des Profi-Kaders ist zu spüren: Eigene Talente sollten einen größeren Stellenwert bekommen. Für diesen Samstag ist die Illoshöhe nicht durch Zufall als Veranstaltungsort gewählt worden.

An einem Tag der offenen Tür wie dem Fan- und Familienfest geht es darum, einen Einblick in unsere Arbeit zu geben. Es ist der Traum vieler Jungen, Fußballprofi zu werden oder zu gucken, wie man das werden kann. Addy Menga ist ein gutes Beispiel für einen Spieler, der beim VfL groß geworden ist, dann in die Fußballwelt hinausgezogen und nun zurück ist. Das Trainerteam des Nachwuchsleistungszentrums lässt sich über die Schulter schauen, wobei wir eines der Mitmachangebote für Kinder wegen der gnadenlosen Hitze absagen mussten.

Das Stadion steht erstmals in knapp vier Wochen im Fokus: Dann steht das erste Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers an. Gefällt Ihnen der Spielplan, der am Donnerstag veröffentlicht wurde ?

Aue ist ein interessanter Auftaktgegner, auch auswärts. Weil wir ohnehin einige Urlaubstage in Sachsen verbringen wollen, werde ich mir das Spiel sicher im Erzgebirge anschauen. Und an das letzte Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers habe ich beste Erinnerungen. Als erster Heimspielgegner dürften sie sich als sehr attraktiv erweisen.

Die Vorfreude auf die Saison wächst auch bei den Fans langsam wieder an. Im Internet-Netzwerk Facebook gibt es bereits die Aktion „Volle Hütte im ersten Heimspiel“.

Das finde ich klasse: als Zeichen für die breite Identifikation mit dem Verein. Der VfL lebt, und es müssen nicht alle Aktionen vom Verein ausgehen. Bei allem, was uns hilft – sportlich und in Sachen Ansehen des VfL – sind wir froh über Unterstützung und erleichtert, dass Lila-Weiß von einer so breiten Basis getragen wird.


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