26.05.2014, 22:57 Uhr

Crowdfunding VfL Osnabrück: Bangen bis zur letzten Sekunde

Kritischer Blick in die Unterlagen: Jürgen Wehlend. Foto: Helmut KemmeKritischer Blick in die Unterlagen: Jürgen Wehlend. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Die Uhr tickte seit Wochen, am Dienstag läuft sie ab: Wenn VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend um 12 Uhr den Stand des Treuhandkontos prüft, erfährt er die Höhe der Restsumme, die der VfL bis 15.30 Uhr zur Deckung der Liquiditätsreserve von 960000 Euro beim DFB hinterlegen muss. Einschließlich weiterer geforderter Sicherheiten – auch für den Trikotsponsor.

Bis Montagmittag zeichneten Fans und Gönner Lizenz-Darlehen über 516723 Euro – nutzen kann der VfL Osnabrück aber nur den Betrag, der bis heute um 12 Uhr auf dem Treuhandkonto eingebucht ist. Am späten Montagabend stand diese Summe bei 274449 Euro – 69 Prozent des Crowdfunding-Ziels. Grund dafür dürften kaum Rücktritte von Darlehnsgebern sein, eher Zwänge des Zahlungsverkehrs – welche sich auch heute wohl nicht komplett ausräumen lassen.

Maßgeblich sind hier Gepflogenheiten des Zahlungsverkehrs und EU-Dienstleistungsrichtlinien . Wer am Dienstag bis 12 Uhr noch Geld überweisen will, das pünktlich ankommen soll, muss kostenpflichtige Wege nutzen: die Express-Überweisung oder die Bareinzahlung direkt in einer Filiale der Hypo-Vereinsbank, bei der das Treuhandkonto liegt. Eine Belohnung winkt – der VfL lost einen der 1383 Investoren aus, der mit Begleitung ins Wintertrainingslager der Profis reisen darf.

„Ich tippe, dass bis zum Mittag auch auf dem Konto die 400000 Euro definitiv erreicht werden“, sagt Nikdad Nasseh. Der Vorstand der Crowdrange AG bezeichnet die Sammelaktion als „sensationell und einem starken Bekenntnis der Menschen zum VfL“. „Wir haben selbst Berechnungen angestellt und planen nun für die Lizenz mit einem Crowd-Betrag zwischen 300000 und 400000 Euro“, sagte VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend am späten Montagabend. Der DFB habe hier inzwischen signalisiert, dieses Geld auf jeden Fall für die Liquiditätsreserve anzuerkennen. „Auch das mussten wir erst klären bei diesem neuen Instrument - was wir aber in guten Gesprächen leisten konnten“, so Wehlend.

Zuvor hatte ein Termin den nächsten gejagt: Wehlend hatte mit potenziellen externen Partnern verhandelt – intern wurden Handlungsalternativen diskutiert. Angesichts des Stresses weiß der Geschäftsführer, dass es, „aus heutiger Sicht beurteilt, besser gewesen wäre, früher mit dem Crowdfunding anzufangen.“ Warum das nicht geklappt hat, erklärt er so: „Wir hatten Finanzierungs-Alternativen, bei denen sich erst spät konkretisiert hat, dass diese derzeit noch nicht umsetzbar sind. Dazu mussten wir die völlig neue Finanzierungsform erst durchdenken und wasserdicht machen.“ Zudem hänge der positive Verlauf des Fundings auch mit der Platzierung in der heißen Phase der Verhandlungen zur Lizenz zusammen – was auch die Gespräche mit potenziellen Partnern und größeren Darlehnsgebern positiv befeuert hätte. „Eine Wechselwirkung“, erklärte Wehlend.

Die Hoffnungen, noch vor dem Abgabetermin beim DFB einen Trikotsponsor präsentieren zu können, zerschlugen sich gestern. „Wir hatten vier Gespräche. Zwei potenzielle Partner haben leider definitiv abgesagt, mit zwei weiteren hatten wir absolut positive Gespräche. Hier verhandeln wir – genau wie mit einem weiteren Interessenten – nach der Lizenzierung weiter“, sagte Wehlend. Wie der fehlende Vertrag ersetzt sowie die restliche Lücke der Liquiditätsreserve beim DFB geschlossen werden soll, wollte der VfL-Geschäftsführer gestern Abend noch nicht erläutern. „Wir sind aber absolut im Plan und haben das im Griff. Das Team hat einen guten Job gemacht“, sagte Wehlend. Die entscheidende und erforderliche Unterschrift unter die Verlängerung der Zins- und Tilgungsaussetzung für mehrere Darlehn bei der Sparkasse, die durch Bürgschaften von Stadt, Landkreis und Bundesland abgesichert werden, solle heute Vormittag erfolgen. Ansonsten seien alle vorliegenden Vertragswerke und Sicherheiten von einer Wirtschaftsprüferkanzlei aus Dortmund positiv gegengecheckt worden.

Definitiv vorliegen würden zudem die Vereinbarungen zu Testspielen gegen vier Bundesligisten in der kommenden Saison: Zu den bereits bekannten Partien gegen Schalke 04, Fortuna Düsseldorf, Hannover 96 und Borussia Dortmund gesellt sich eine weitere gegen den SC Paderborn. „Die Partie gegen den BVB wird ziemlich sicher in der Woche vor dem Saisonstart der Dritten Liga stattfinden“, so Wehlend.

Im letzten Jahr erfolgte die Zeichnung des entscheidenden Vertrages drei Stunden vor der Deadline – alle Zeichen deuten darauf hin, dass in diesem Jahr mindestens ebenso lange gerungen wird.


Aktueller Stand beim VfL-Crowdfunding

6 Kommentare