18.04.2017, 17:28 Uhr

Wrack aus dem 18. Jahrhundert Niederländer wollen Silberschatz im Ärmelkanal heben


Den Haag. Die niederländische Regierung plant die Bergung eines Segelschiff-Wracks aus dem 18. Jahrhundert. An Bord des Ostindienfahrers „De Rooswijk“ soll sich unter anderem auch eine Ladung Silber befinden.

„Ein Großteil unserer Geschichte liegt auf dem Meeresboden“, sagt der niederländische Archäologe Martijn Wanders: ,,Allein in den 200 Jahren, in denen die VOC aktiv war, sanken 250 Schiffe.“ Die VOC, das war die von 1602 bis 1799 bestehende „Vereenigde Oostindische Compagnie“ – eine Aktiengesellschaft, die die Niederlande durch ihren Handel mit Ostasien reich machte. Eines ihrer Schiffe, die „De Rooswijk“, sank 1740 vor der britischen Küste im Ärmelkanal, kurz nachdem sie von der niederländischen Watteninsel Texel kommend und voll beladen mit Silber und anderen Kostbarkeiten ausgelaufen war. Ihr Ziel: Indonesien, damals niederländische Kolonie. Dort sollte die „De Rooswijk“‘ für die VOC hochbegehrte Waren – vor allem Gewürze, chinesisches Porzellan und Seide – laden und nach Europa verschiffen.

Untergang mit 350 Opfern

Beim Untergang kamen alle 350 Menschen an Bord ums Leben. Das Wrack des VOC-Schiffes wurde 1996 entdeckt, Eigentümer ist der niederländische Staat. Im Jahr 2005 gab der niederländische Staat schon einmal seine Zustimmung, um einen kleinen Teil der Ladung aus dem Wrack zu bergen. Der Großteil der Ladung, darunter viel Silber, liegt aber noch immer auf dem Meeresboden vor der englischen Stadt Dover.

Die niederländische Kultusministerin Jet Bussemaker, die im Haager Kabinett für das kulturelle Erbe des Landes verantwortlich ist, will nun die gesamte Ladung und das Wrack bergen lassen. „Wenn wir die Ladung aus der ,De Rooswijk‘ bergen, dann gibt uns diese einen einzigartigen Blick in unsere Geschichte“, sagt sie. „Die archäologischen Informationen, die wir aus dem Wrack holen können, werden uns neue Informationen geben, um diese Epoche unserer Geschichte besser deuten und verstehen zu können“, so die Ministerin.

Alltagsgegenstände und Edelmetall

„Wir hoffen, dass wir noch Kleidungsstücke, Seile, Küchengeräte und viele andere Dinge im Wrack finden, die relativ gut erhalten sind“, hofft auch Archäologe Wanders. Er hat das Wrack während einer Tauchexpedition schon mit eigenen Augen gesehen und meint, es sei sehr gut erhalten, weil es weitgehend mit Sand bedeckt ist. Außerdem: Die „De Rooswijk“ liegt nur in einer Tiefe von 20 Metern. Das dürfte die Bergung des Schiffswracks und seiner Ladung erleichtern. Dank moderner Technologien könne auch festgestellt werden, woher das Silber stammt. „Wurde es in kleinen Silberminen irgendwo in Europa gewonnen, oder kam das Silber aus Silberminen in Südamerika? So können wir den Silberhandel im 18. Jahrhundert aufklären“,‘ meint Wanders.

Studenten dokumentieren Bergung

Die Bergung wird schätzungsweise zwei Millionen Euro kosten und soll zwischen Juli und Oktober dieses Jahres stattfinden. Studenten von sechs Universitäten – vier niederländische, eine britische und eine dänische – sowie ein internationales Forscherteam sollen die Bergung wissenschaftlich begleiten. Die Studenten sollen die Bergung mit Videoaufnahmen dokumentieren. Auch sollen die Fundstücke öffentlich ausgestellt werden.

Die „De Rooswijk“ war 1737 im Auftrag der VOC in Amsterdam gebaut worden. Sie hatte bereits eine Hin- und Rückreise nach Indonesien absolviert, bevor sie 1740 sank. Warum? Auch das muss noch geklärt werden.


0 Kommentare