09.11.2016, 07:43 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Durchsuchung auch in Niedersachsen Großrazzia gegen Osmanen Germania in sechs Bundesländern


dpa/ski/yjs Wiesbaden/Darmstadt. Mit einer großen Durchsuchungsaktion ist die Polizei in sechs Bundesländern gegen die rockerähnliche Gruppe der Osmanen vorgegangen. Gesucht wurde unter anderem nach Waffen. Drei Männer wurden festgenommen. Was wird ihnen vorgeworfen?

Mehr als 1000 Polizisten haben in sechs Bundesländern rund 50 Wohnungen, Gewerberäume und Büros im Rocker-Milieu durchsucht. Der Einsatz richtete sich gegen die Aktivitäten der rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania BC (BC steht für Boxclub), die als türkisch-nationalistisch gelten. Schwerpunkt war Hessen. Drei Männer wurden am Mittwoch festgenommen, zwei in Hessen und einer im Saarland, wie die Polizei in Saarbrücken bestätigte. Einzelheiten zu den Festnahmen gab es zunächst nicht.

Die Durchsuchungen fanden in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hamburg gegeben, teilten die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das Hessische Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden mit. In Niedersachsen beschränkte sich der Einsatz auf Steinfeld im Landkreis Vechta, bestätigte Christoph Schulte, Sprecher des Landeskriminalamtes Hessen, auf Nachfrage unserer Redaktion. Dort gründeten sich die Osmanen Germania dem LKA zufolge im April dieses Jahres.

LKA hüllt sich noch in Schweigen

In Dietzenbach im Kreis Offenbach wurden mehrere Objekte der Osmanen Germania durchsucht. In dem Ort haben die Osmanen ihr World Chapter. Gesucht wurde nach Waffen, Betäubungsmitteln, Munition, Schriftstücken und anderen Beweismitteln, die konkretere Hinweise auf illegale Geschäfte geben können. „Wir haben alle durchsuchten Objekte unter Kontrolle“, schrieb das hessische LKA auf Twitter. Was sichergestellt wurde, war zunächst unklar. „Wir sind noch am Sammeln und Eruieren“, sagte Schulte unserer Redaktion.

Das LKA geht davon aus, dass es in Hessen 70 bis 80 Osmanen gibt, die sogenannten Chaptern in Hanau, Frankfurt und dem World Chapter in Dietzenbach zuzuordnen sind. Die Osmanen Frankfurt haben sich nach einer früheren Einschätzung von Ermittlern im Streit um den türkisch-nationalistischen Kurs von den Osmanen Germania abgespalten.

Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) nannte die Aktion einen „sorgfältig geplanten Schlag gegen die Organisierte Kriminalität in der Bundesrepublik“. Von den Durchsuchungen solle eine klare Botschaft ausgehen: „Egal in welcher Kutte Kriminelle glauben, sich in unserem Land betätigen zu können, wir werden gemeinsam mit aller Härte des Rechtsstaats gegen sie vorgehen.“

LKA hat Gruppierung im Visier

Das LKA Hessen befürchtet schon seit Längerem, die Osmanen Germania könnten im Kampf um Einflussgebiete einen Rockerkrieg mit den Hells Angels anzetteln.

Einen Ableger der Osmanen Germania gibt es seit 2015 auch in Osnabrück. Das LKA Niedersachsen beobachtet die Gruppe. Dort sind die Mitglieder der Polizei zwar weitgehend bekannt. Als Gruppierung sei sie bislang aber noch nicht negativ aufgefallen, sagte die Polizei Osnabrück im April dieses Jahres unserer Redaktion.

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