27.09.2016, 15:26 Uhr

Ab 1. Januar 2017 Australien bittet jobbende Rucksacktouristen zur Kasse

Australien bittet jobbende Rucksacktouristen mit einem 19-Prozent-Steuersatz zur Kasse. Foto: imago/JOKERAustralien bittet jobbende Rucksacktouristen mit einem 19-Prozent-Steuersatz zur Kasse. Foto: imago/JOKER

Sydney/Perth. Australiens Regierung wollte die Einkünfte von jobbenden Rucksacktouristen mit mehr als 30 Prozent besteuern. Nach Widerstand von allen Seiten knickte die Politik ein. Der Backpacker-Steuersatz soll nun 19 Prozent betragen.

Sie pflücken Obst, arbeiten in der Gastronomie oder auf Schaffarmen: Zehntausende junge Menschen sind jedes Jahr mit dem Rucksack auf dem roten Kontinent unterwegs und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs durch. Ein geplanter Einkommenssteuersatz von 32,5 Prozent hätte dem ein jähes Ende bereiten können. Doch auch der am Dienstag beschlossene abgespeckte Steuersatz von 19 Prozent garantiert nicht, dass Backpacker weiterhin zum Jobben nach Australien reisen werden.

Léa (24) aus Frankfurt ist seit drei Wochen im westaustralischen Moora und arbeitet in einem Hotel. Dort verdient sie etwa 20 Australische Dollar (13,60 Euro) brutto die Stunde. In anderen Jobs gibt es weit weniger. Sie glaubt, dass sie trotz der Backpacker-Steuer von 19 Prozent gut durchkommen wird. „Klar, keine Steuern wären immer noch besser.“

Pläne sahen 32,5 Prozent vor

Im vergangenen Jahr hatte die Regierung erste Pläne für eine „Backpacker-Steuer“ vorgestellt. Sie hätte ursprünglich im Juli 2016 in Kraft treten sollen. Die Einkünfte von Besuchern mit einem Visum für Arbeitsferien - „Work and Travel“ genannt - sollten mit 32,5 Prozent besteuert werden. Sofort regte sich vor allem bei den Landwirten heftiger Widerstand. Sie sind in der Erntezeit von Zeitarbeitern abhängig und fürchten, dass die Rucksacktouristen wegbleiben. Bereits nach Bekanntwerden der Pläne sanken die Anfragen, wie Landwirte sagen.

Nach langem Hin und Her gab die Regierung nach und beschloss einen Kompromiss: Der unterste Steuersatz liegt bei 19 Prozent und gilt bei Backpackern jetzt für Jahreseinkommen bis 37 000 Dollar (25 207 Euro). In Kraft treten soll das Gesetz am 1. Januar 2017. Die arbeitenden Touristen seien ein wichtiger Teil der milliardenschweren Tourismusindustrie und eine wichtige Quelle für Arbeitskräfte, sagt Finanzminister Scott Morrison. „Aber gleichzeitig sollten arbeitende Urlauber auch faire Steuern auf ihr Einkommen zahlen.“

25000 Reisende aus Deutschland

Die Work-and-Travel-Visa gibt es für Menschen unter 31, die bis zu einem Jahr in Australien bleiben können. In der Saison 2014/15 gab Australien insgesamt 226 812 solcher Visa aus. Nach Angaben der Einwanderungsbehörde gingen rund 25 000 an Reisende aus Deutschland. In Australien sind Einkünfte von bis zu 18 200 Dollar eigentlich steuerfrei und waren das bislang auch für Backpacker. Der Großteil der Rucksacktouristen blieb unter dieser Schwelle und zahlte damit auch keine Steuern. Diese Freigrenze fällt nun weg.

Etwa 40 000 der 75 000 Menschen, die im Obst- und Gemüseanbau arbeiten, seien Rucksacktouristen, sagt Jordan Brooke-Barnett, Sprecher des Verbandes für Gemüse-und Kartoffelbauern, AusVeg. Ein Steuersatz von 32,5 hätte die jobbenden Urlauber in Scharen verjagt, hatte Brent Finlay, Präsident des Landwirte-Verbands, im Vorfeld erklärt. Die Tourismusministerin von Queensland, Kate Jones, hatte vor dem Entscheid gefordert, die Steuer müsse ganz weg, sie schade dem Fremdenverkehr.

Australien jetzt noch teurer

Die neuen Steuerregeln könnten durchaus abschreckend auf Rucksacktouristen wirken, meint Léa. Sie selbst wäre aber auch gekommen, wenn die 19-Prozent-Regel schon in Kraft gewesen wäre. „Die Erfahrungen, die man sammelt, sind unbezahlbar, sogar schon nach drei Wochen.“ Bei 30 Prozent wäre sie nicht so sicher, obwohl Australien dann noch ihr großer Traum gewesen wäre. „Ob man nach 30 Prozent Steuern dann noch genug zum Leben hat, ist die Frage.“ Und die 19 Prozent? Aus Léas Sicht vor allem ärgerlich bei Jobs mit schlechteren Konditionen - wo man zum Beispiel 400 Dollar die Woche plus Unterkunft und Mahlzeit bekomme und dann aber 40 Stunden arbeiten müsse.

Ähnlich sieht es die 22-jährige Johanna. Sie ist vor kurzem von ihrem Arbeitsurlaub nach Deutschland zurückgekehrt. Sie wolle noch einmal nach Australien, wegen der Steuern werde sie aber länger dafür sparen müssen. Zudem seien die Jobs nicht immer toll. „Der Arbeitgeber bezahlt nicht mehr, nur weil man Steuern zahlen muss. Australien ist teuer.“


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