27.04.2016, 15:17 Uhr

Seit einem Jahr verschwunden Vermisst: Polizei veröffentlicht neue Bilder von Inga


ski/dpa Stendal/Magdeburg. Seit gut einem Jahr ist die damals fünfjährige Inga aus Sachsen-Anhalt verschwunden. Zuletzt wurde sie beim Holzsammeln an einem Waldrand in Stendal gesehen. Die Polizei will die Hoffnung nicht aufgeben: „Wir glauben daran, dass Inga lebt!“

Das sagte Mike von Hoff, Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord, im Gespräch mit unserer Redaktion und fügt hinzu: „Solange bis nicht das Gegenteil bewiesen ist.“ (Weiterlesen: Polizei: Vermisste Inga aus Schönebeck lebt vermutlich noch)

Jetzt veröffentlichten die Ermittler nach Rücksprache mit der Familie Fotos von Inga, die bisher noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Die Polizei hofft, so vielleicht doch noch den entscheidenden Hinweis zu bekommen, der den Fall löst. „Egal wie klein der Hinweis erscheinen mag: Die Menschen sollen sich bei uns melden.“ Niemand müsse befürchten, Ärger zu bekommen, wenn der Hinweis sich als falsch oder nichtig herausstellt. (Weiterlesen: Vermisste Inga: Können Hunde Spuren über Autobahn verfolgen?)

Keine Anhaltspunkte, kein Lebenszeichen

1850 Hinweise seien seit dem Verschwinden von Inga bei der Polizei eingegangen , zuletzt nur noch sporadisch, so von Hoff. Sieben Mann ist die zu Spitzenzeiten aus 40 Beamten bestehende Ermittlergruppe „Wald“ noch stark. Der Sachstand: Keine Spur, keine Anhaltspunkte, kein Lebenszeichen.

Was am Abend des 2. Mai 2015 in der Nähe von Stendal in Sachsen-Anhalt mit der damals Fünfjährigen aus Schönebeck passiert ist, ist ein Rätsel.

Lars Bruhns ist der Vereinsvorsitzende der Initiative Vermisste Kinder aus Hamburg. Er tut sich erst ein bisschen schwer, das Schicksal des Mädchens einzuschätzen, findet dann aber doch Worte. „Inga berührt uns immer noch“, sagt er. „Sie sticht einfach aus den anderen Fällen heraus.“ Und das vor allem deshalb, weil es ein Verschwinden ohne Anhaltspunkte ist. Um welche zu finden, hat die Initiative mehrere Tausend Plakate gedruckt und geklebt sowie elektronische Werbetafeln bespielt.

Was geschah am Abend des 2. Mai?

Inga verschwand, als sie Holz für ein Lagerfeuer sammeln wollte. Sie war mit ihren Eltern im Diakoniewerk Wilhelmshof zu Besuch. Bei den Menschen dort wirkt das Geschehen bis heute nach, sagt ein Sprecher der Stadt Stendal, zu der der Ortsteil Wilhelmshof gehört. „Insbesondere für die Mitglieder unserer Feuerwehren, und der anderen freiwilligen Helfer bei der Suche nach dem Kind, ist dieser Tag noch gegenwärtig“, heißt es in einer Erklärung. Und: „Es ist zu begrüßen, dass die Ermittlungen der Kriminalpolizei unablässig weiter geführt werden.“

In den ersten fünf Wochen nach Ingas Verschwinden erreichen rund 1000 Hinweise aus der Bevölkerung die Ermittler. Eine heiße Spur ist nicht dabei. Polizisten durchkämmen in engen Ketten Waldstücke.

Hunde und Hubschrauber kommen zum Einsatz, sogar Hellseher schalten sich ein. Die Suche gipfelt in einer Plakataktion, TV-Aufrufen und einer Suchseite im Internet. „Die Seite bleibt online, bis der Fall geklärt ist“, sagt Bruhns. Die Seite www.woistinga.de wurde anfangs von Hunderttausenden Internetnutzern angeklickt. Jetzt, sagt Bruhns, sei man „im niedrigen Bereich“. Konkreter wird er nicht. „Ingas Schicksal wachzuhalten ist eine schwere Aufgabe.“

Laut BKA wurden von den 6297 im Jahresverlauf 2015 als vermisst gemeldeten Kindern 5554 bis zum Stichtag 6. April wiedergefunden. An diesem Tag waren in Deutschland, gerechnet ab 3. März 1951, insgesamt 1714 ungeklärte Fälle zu vermissten Kindern in der Statistik. In Sachsen-Anhalt werden laut Landeskriminalamt (LKA) mit Stichtag 21. April neun Kinder länger als ein Jahr vermisst. „Inga würde ab 3. Mai der zehnte Fall sein“, sagt LKA-Sprecher Andreas von Koß.

Mit Material der dpa


Inga ist ca. 120 cm groß, von schlanker Gestalt und zartem Körperbau. Sie hat blaue Augen und zarte, helle Augenbrauen sowie lange Wimpern. Ihr fehlen die oberen, vorderen Zähne. Sie hat blondes bis mittelblondes Haar, welches am Tag ihres Verschwindens zu zwei Zöpfen mit neongelben Haargummis geflochten war.

Sie trug links und rechts zwei Kronen-Haarspangen und auf beiden Seiten rosafarbene Haarspangen mit Blütenmuster. Das Mädchen trug ein mintfarbenes Langarmshirt mit aufgedrucktem Schmetterling - an den Schulten Rüschen. Weiterhin war sie mit Strumpfhose, Slip und Hemd bekleidet sowie einer blauen, ausgewaschenen Jeanshose. Ihr Schuhe waren von der Firma „Elefant“ in einem dunklen pink mit zwei Klettverschlüssen, Obermaterial Wildleder.

Wer hat Inga Gehricke nach ihrem Verschwinden am 02.05.2015 gesehen? Wer kann Angaben zum Aufenthalt der Vermissten machen? Hinweise werden im Polizeirevier Stendal unter Tel. 03931/685291 oder in jeder anderen Polizeidienststelle entgegen genommen. (Quelle: Polizei)

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