04.03.2016, 17:52 Uhr

„Habe mich wohl getäuscht“ Semino Rossi über Facebook, Fans und die Familie


Osnabrück. Ein Botschafter der Liebe und begnadeter Sänger: Semino Rossi ist aktuell wieder auf Tour, um insbesondere die Herzen der Damen dahinschmelzen zu lassen. Im Gespräch mit unserer Redaktion plaudert der 53-Jährige – natürlich – über die Liebe, seine Töchter, und seine noch frische Facebook-Präsenz.

Semino, wenn ich Ihre Aktivitäten auf Facebook verfolge, könnte man meinen, dass Sie dieses soziale Netzwerk in den vergangenen Monaten richtig entdeckt haben, oder?

Entdeckt kann man nicht sagen, aber ich bin seit einigen Monaten intensiver auf Facebook vertreten. Ich glaube, das gehört in dieser Zeit einfach dazu. Jeder Fan freut sich, wenn er regelmäßig Fotos von mir sieht und Nachrichten bekommt.

Tatsächlich? Ohne Facebook würde den Fans etwas fehlen?

Ich denke, dass es zurzeit einfach das richtige Medium ist. Ja, man muss dabei sein. Die Frage ist vielmehr, wie du dabei bist. Private Sachen halte ich da raus. Meine Frau und meine Kinder lasse ich aus dem Spiel. Ich informiere die Menschen nur über meine beruflichen Themen – und das dank Facebook in rasanter Geschwindigkeit. Facebook ist ein Teil des heutigen Lebens. Für einen Künstler ist dieses soziale Netzwerk heutzutage fast unverzichtbar.

Also mussten Sie nicht lange von der Sinnhaftigkeit überzeugt werden?

Das Thema haben wir schon lange diskutiert. Jetzt war der richtige Zeitpunkt gekommen.

Was hat Sie vorher noch daran gehindert?

Na ja, ich habe gedacht, dass mein Publikum nicht unbedingt auf Facebook vertreten ist. Aber da habe ich mich wohl getäuscht. Fast jeder ist über die verschiedensten Geräte regelmäßig im Internet unterwegs.

Und das Semino-Rossi-Publikum ist lange nicht so alt, wie manch einer annimmt, oder?

Richtig. 40 plus – das ist meine Zielgruppe. Allerdings gibt es da unterschiedliche Beobachtungen. In Österreich sind zum Beispiel häufig auch schon viel jüngere Menschen im Publikum.

Zurück zu Facebook: Wenn man in die Kommentare zu Ihrem neuen Album „Amor – die schönsten Liebeslieder aller Zeiten“ schaut, ist nicht unbedingt jeder Fan mit der Songauswahl einverstanden.

Jeder kann dort seine Meinung sagen. So ein neues Album ist immer Geschmackssache. Diesem Meinungsforum muss ich mich jetzt natürlich auch stellen, wenn ich auf Facebook bin. Das kannte ich vorher in dieser Form nicht.

Für dieses Album sind Sie neue Produktionswege gegangen…

Stimmt. Ich habe für dieses Album mit dem großartigen Produzenten Humberto Gatica zusammengearbeitet. 20 Tage lang in Los Angeles – zehn Stunden täglich im Studio. Von Los Angeles habe ich nicht viel gesehen. Ich war diesmal von Anfang an dabei, sozusagen in allen Phasen der Produktion. Ich hatte den Eindruck, dass das den Musikern sehr gut gefallen hat. Sie waren ganz anders motiviert.

Wie beurteilen Sie denn die Zukunft für den CD-Markt?

Schwer zu sagen. Manche Autos haben ja schon gar keinen CD-Player mehr. Aber: Ich glaube, dass gerade meine Fans die CD und ein gut gestaltetes Booklet noch sehr schätzen. Ich weiß nicht, wie lange das noch so anhalten wird. Die nachwachsenden Generationen laden ja meistens lieber die Musik herunter oder hören die Songs irgendwo im Internet. Das ist nicht aufzuhalten.

Aber solange Ihre Fans die CD noch schätzen, denken Sie auch nicht an das Karriereende?

(lacht) Es gibt keinen Plan. Ich hoffe doch, dass die Menschen mich noch lange hören wollen und zu meinen Konzerten kommen. An die Rente denke ich noch nicht.

Sprechen wir noch etwas über die Liebe. Schließlich singen Sie auf Ihrem neuen Album die für Sie schönsten Liebeslieder aller Zeiten. Ich habe gelesen, dass Sie oftmals zunächst auf die Augen Ihres Gegenübers achten, um denjenigen näher einschätzen zu können. Was sagen Ihnen meine Augen?

Ich denke, dass ich es mit einem ehrlichen Menschen zu tun habe. Das ist mein erster Eindruck. Sie sagen, was Sie denken. Die Augen sind die Seele eines Menschen.

Ende des Jahres feiern Sie Ihre Silberhochzeit. 25 Jahre Ehe – ist das heute eigentlich noch normal?

Leider nicht. Viele Beziehungen halten gar nicht mehr so lange.

Warum ist das so?

Ich weiß es auch nicht so genau. Vielleicht hat bei vielen die Liebe nicht mehr das richtige Fundament. Manche haben nicht mehr die Geduld und die Zeit, für die Liebe zu kämpfen und eine Beziehung zu retten. Wissen Sie, meine Eltern hatten zwischendurch auch mal Streit. Am Ende haben sie aber immer zusammengehalten – für die Kinder, für die Familie. Diese Werte habe ich so mitgenommen. Und genauso führe ich meine Ehe. Wir reden viel miteinander. Gerade das ist wichtig in unserer Beziehung, in der ich derjenige bin, der oft unterwegs ist.

Wie sieht es mit Ihren Töchtern aus? Die sind ja beide in einem Alter, in dem sie auch schon einen Freund haben könnten.

Sicher. Sie sind beide liiert.

Und? Mussten denn die beiden ihre Freunde auch beim Vater vorstellen?

(lacht) Ja, selbstverständlich. Natürlich wollte ich die beiden kennenlernen. Ich möchte schon wissen, mit wem meine Töchter unterwegs sind.

Also läuft es im Hause Rossi noch ziemlich traditionell ab?

Meistens schon.

Wenn Heiratspläne aufkommen, dann müsste auch erst mal der jeweilige Freund bei Ihnen um die Hand der Tochter anhalten?

Ja, das wäre wunderbar. Vielleicht klingt das altmodisch, aber wenn auf diese Weise das Glück mit den Eltern geteilt wird, dann ist das doch sehr schön.

Zu einem ganz anderen Thema: Belegen Sie eigentlich noch Deutschkurse?

Normalerweise sollte ich das.

Wer sagt das?

Ich, weil ich merke, dass ich hier und da schon noch besser sprechen könnte. Zu Hause reden wir meistens Spanisch, was das Ganze sicher nicht einfacher macht. Manchmal spüre ich aber auch, dass die Leute mich so nehmen, wie ich bin. Dieses gebrochene Deutsch war bislang durchaus vorteilhaft für mich. Aber trotzdem werde ich mich bemühen, an meinem Deutsch weiter zu arbeiten.

Sie sind sehr gläubig. Glauben Sie eigentlich an ein Leben nach dem Tod?

Ja. Ich glaube fest daran, dass die Seele in irgendeiner Form weiterleben wird. Und wenn ich irgendwann wieder auf diese Welt kommen sollte, dann möchte ich wieder ein Sänger sein. Das ist der schönste Beruf, den ich mir vorstellen kann.


Tour-Termine im Raum Nordwestdeutschland: Bremen, Halle 7, 4. April, 19.30 Uhr; Hamburg, CCH 1, 9. April, 19.30 Uhr; Dortmund, Westfalenhalle 1, 10. April, 18 Uhr; Oberhausen, König-Pilsener-Arena, 19. April, 19.30 Uhr; Bielefeld, Stadthalle, 26. April, 19.30 Uhr. Alle weiteren Termine finden Sie auch unter www.seminorossi.com . Am 1. April ist Semino Rossi übrigens auch Thema in der TV-Sendung „Hubsis Welt“ (Gute Laune TV, 17 Uhr).

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