25.02.2016, 16:28 Uhr

Trümmer reizen Meeresbewohner Neues Leben vor der Küste Fukushimas

Wie zu einem Turm haben sich die Trümmer vor der Küste in der japanischen Präfektur Miyagi aufgetürmt. Doch Meeresbewohner finden selbst hier einen Lebensraum. Foto: imago/Kyodo NewsWie zu einem Turm haben sich die Trümmer vor der Küste in der japanischen Präfektur Miyagi aufgetürmt. Doch Meeresbewohner finden selbst hier einen Lebensraum. Foto: imago/Kyodo News

Tokio. Der Tsunami vor der Küste von Fukushima 2011 hat Trümmer von Häusern oder Fischereianlagen ins Meer gerissen. Diese Teile dienen Tieren nun als Lebensraum und begünstigen neues Leben. Japanische Forscher hoffen, dass neue Fischgründe entstehen.

Das Leben breitet sich wieder aus. Eine Vielzahl von Meerestieren hat in den vor der ostjapanischen Küste versunkenen Trümmern des Bebens im März 2011 eine neue Heimat gefunden. Das Erdbeben hatte weite Teile Nordostjapans zerstört, einen Tsunami ausgelöst und so die Reaktorkatastrophe von Fukushima verursacht.

Mit einem Unterwasserroboter haben die Forscher der Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (Jamstec) die Sanrikuküste vor den nordostjapanischen Präfekturen Miyagi und Iwate untersucht. Dort hatte vor knapp fünf Jahren ein Megabeben der Stärke 9,0 und ein anschließender Tsunami ganze Küstenstreifen ausgelöscht.

5 Millionen Tonnen Trümmer

Laut Schätzungen des Umweltministeriums wurden durch den bis zu 40 Meter hohen Tsunami etwa 5 Millionen Tonnen Trümmer ins Meer gezogen . Etwa 3,3 Millionen Tonnen sammelten sich vor der Sanrikuküste. Bislang wurde nur ein geringer Teil der großen Unterwassertrümmer beseitigt, welcher die Schifffahrt beeinträchtigt hatten. Fischereiutensilien aus den Dutzenden Fischerhäfen entlang der Küste, Holzreste von zerstörten Häusern und Metalltrümmer aller Art türmen sich noch immer auf dem Meeresgrund.

Zwischen 2012 und 2015 untersuchten die Jamstec und ihre Universitätspartner einen Streifen zwischen 20 und 35 Kilometern vor der Küste. Das Wasser erreicht dort eine Tiefe zwischen 120 und 1000 Metern. Dort, wo Trümmer lagen, zählten die Forscher im Durchschnitt 114 Meereslebewesen pro Quadratmeter – 14-mal mehr als fünf Meter von den Trümmerteilen entfernt. Und 25-mal mehr als in zehn Metern Entfernung von einem Trümmerteil.

Basis für reichen Fischgründe?

Besonders häufig fanden sie Seeringelwürmer, die sich an die Trümmerteile geheftet hatten. Krebse nutzten die künstlichen Riffe als Versteck. Darüber hinaus fanden die Forscher einige Fischarten, die Jagd auf die Trümmerbewohner machten.

Den Meeresbewohnern war es offenbar egal, aus welchem Material die Trümmer bestanden. Die Jamstec-Forscher erklärten, sie hätten weder bei Plastikteilen noch bei Metall- oder Holztrümmern wesentliche Unterschiede in der Menge der Bewohner festgestellt. Gegenden mit großen Trümmeransammlungen hätten das Potenzial, in Zukunft zu reichen Fischgründen zu werden, fassten die Forscher ihre Ergebnisse zusammen.

Nun arbeitet die Jamstec an der Erstellung einer Karte, welche die Verteilung der Unterwassertrümmer vor der Sanrikuküste zeigt.


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