29.05.2015, 17:00 Uhr

Aussterben bekämpfen Oslo baut Autobahn für Hummeln

Hummeln sind für unser Ökosystem von großer Bedeutung. Mit Blumen möchte Oslo dem Aussterben der Tiere entgegenwirken. Foto:colourboxHummeln sind für unser Ökosystem von großer Bedeutung. Mit Blumen möchte Oslo dem Aussterben der Tiere entgegenwirken. Foto:colourbox

Stockholm. Oslo hat dem Aussterben von Hummeln den Kampf angesagt. Mit der ersten Hummel-Autobahn der Welt erhofft sich die Stadt, dass sich die für das Ökosystem wichtigen Tiere erholen werden. Auch die Bevölkerung wird eingebunden. Oslo könnte zum Vorbild werden.

Das bergige Norwegen ist bekannt für seine ambitionierten Verkehrsprojekte. So soll etwa ein unterirdischer Megatunnel für Hochseeschiffe unter der Halbinsel Stadlandet entstehen. Von ganz anderer, aber dafür wohlriechender Natur ist ein Verkehrsprojekt der Stadt Oslo. Die baut derzeit die erste Hummel-Autobahn der Welt.

Hummeln und andere bestäubende Insekten wie Bienen tragen im Ökosystem eine zentrale Verantwortung für die Befruchtung der Pflanzenwelt. Vor allem in Großstädten sind die nützlichen Insektenkolonien jedoch vom Aussterben bedroht. In den Betonwüsten fehlt es ihnen an Nahrung in Form von nektarreichen Blumen. In den USA etwa warnen Umweltschutzorganisationen seit Jahren vor dem Aussterben der kleinen Flieger. In Norwegen stehen sechs von insgesamt 35 heimischen Hummelarten vor dem Aus. Auch Bienen haben es immer schwerer.

Futterstationen schaffen

Oslo baut nun einen Korridor aus Fütterstationen vom Westen in den Osten der Hauptstadt. Alle 250 Meter kommt eine neue Station für Hummeln. „Die Idee ist, eine Route durch die ganze Stadt zu erschaffen, mit genügend Fütterstationen für die Hummeln“, sagt Tonje Waaktaar Gamst von der Osloer Gartengesellschaft der Lokalzeitung „Osloby“. „Genügend Nahrung wird den Hummeln auch dabei helfen, die zunehmenden vom Menschen verursachten Umweltbelastungen anderer Art zu bewältigen“, sagt sie.

Gamst und ihre Mitarbeiter haben auf der angepeilten West-Ost-Route für Hummeln auf Häuserdächern üppige Blumentöpfe angelegt. Die Stadt Oslo und private Unternehmen helfen ihr dabei. Auch die Bürger sollen in die Pflicht genommen werden. So wird dafür geworben, dass die Bewohner von Oslo hummelfreundliche Blumen auf Balkons und Dachterrassen anlegen sollen. Die seien schließlich auch schön anzusehen, wird geworben. Dazu hat die Tierschutzorganisation ByBi (Bienenstadt) eine Landkarten-Applikation geschaffen. In der können die Stadtbewohner anhand von grauen Flächen sehen, wo es auf der Hummelautobahn noch Schlaglöcher gibt, also Nahrungsstationen für die Insekten fehlen. Als Inspirationsquelle dient auch eine Fotoseite, auf der Bürger ihre hummelfreundlichen Blumenstationen veröffentlichen können.

Wissen verbreiten

Die Applikation soll „Bürger, Experten, Stadtteile, private Unternehmen und andere Organisationen“ für die Rettung der Hummeln und Bienen zusammenbringen, sagt Koordinatorin Agens Melvaer von ByBi gegenüber „Osloby“. Motivation und Wissen soll damit verbreitet werden. Besonders engagierten Bürgern wird erklärt, wie sie neben der Blumenbepflanzung auch Hummelkästen und Insektenhotels zimmern können.

Das Ganze ist nicht nur eine gut gemeinte Initiative einer wohlhabenden skandinavischen Stadt. Oslo könnte damit durchaus eine wichtige globale Vorbildrolle einnehmen, wie schon bei der großen Verbreitung von Elektroautos. Weltweit wird inzwischen davor gewarnt, dass das Aussterben von Hummeln und Bienen in großem Stil zu einer massiven Gefährdung der Nahrungsproduktion und großen Teilen des Ökosystems führen kann. Die Tiere ermöglichen laut Schätzungen durch die Bestäubung von Pflanzen ein Drittel der weltweiten Nahrungsmittelproduktion.

Hummeln gehören neben Honigbienen zu den wichtigsten Bestäuberinsekten. Ihre Temperaturunempfindlichkeit ermöglicht es ihnen, weitaus länger als Bienen auf Nahrungssuche zu sein. Eine Hummel kann täglich bis zu 18 Stunden herumfliegen und dabei rund 1000 Blüten anfliegen, um Nahrung zu suchen. Einige Pflanzenarten werden ausschließlich von langrüsseligen Hummeln während der Nektarentnahme bestäubt. Ohne sie würde es diese Pflanzen nicht mehr geben. Die Tiere bestäuben auch viele Obst- und Gemüsearten.


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