05.08.2014, 10:24 Uhr

Flächen-Gerechtigkeits-Reports Berliner Radfahrer haben nur drei Prozent der Straßenflächen

Fahrradfahrer haben in Berlin einer Untersuchung zufolge wenig Fläche zur Verfügung. Symbolfoto: dpaFahrradfahrer haben in Berlin einer Untersuchung zufolge wenig Fläche zur Verfügung. Symbolfoto: dpa

Berlin. Nur drei Prozent der Berliner Straßenflächen stehen Radfahrern zur Verfügung, 19 Mal mehr dagegen den Autofahrern. Tatsächlich wird aber nur noch jeder dritte Weg in Berlin mit dem Auto (33 Prozent) zurückgelegt, 15 Prozent bereits mit dem Rad. Soll das Fahrrad-Ziel des Berliner Senats erreicht werden, sind die Radverkehrsflächen um 600 Prozent auszubauen. Das sind die Ergebnisse des am Freitag veröffentlichten Flächen-Gerechtigkeits-Report, wie die Agentur für clevere Städte mitteilte.

Bundesweit sind kaum Zahlen bekannt, wie viel Verkehrsfläche für Fußgänger, Rad- und Autofahrer vorgesehen ist. Deshalb haben in einem Kooperationsprojekt Studierende der Berliner Best-Sabel-Hochschule fast 200 Berliner Straßen mit Zollstock, Excel und Google Maps vermessen. Die Ergebnisse liegen mit diesem Flächen-Gerechtigkeits-Report jetzt vor.

19 Mal mehr Fläche für Autofahrer

„Ungerecht ist, dass für Radfahrer nur drei Prozent der Straßenflächen vorgesehen sind, obwohl sie längst 15 Prozent aller Wege zurücklegen. Für Autofahrer sind dagegen 19 Mal mehr Flächen reserviert, obwohl die Bedeutung des Autos zunehmend schwindet“, sagt Heinrich Strößenreuther, Initiator des Flächen-Gerechtigkeits-Reports und Gründer der Agentur für clevere Städte.

Für Radfahrer gibt es kaum Platz. Um sicher zu fahren, weichen sie auf Straßen und Bürgersteige aus. In Folge kommt es zu immer mehr Konflikten für alle Beteiligten, die alleinig dem Verhalten der Radler zugeschrieben werden.

600 Prozent mehr Fläche notwendig

Soll es gerecht und rücksichtsvoll auf Berliner Straßen zu gehen, müsste die Stadt 600 Prozent mehr Radverkehrsflächen ausweisen. Das würde dem Ziel des Senats entsprechen, bis 2025 einen Radverkehrsanteil von 20 Prozent zu erreichen. 95 Prozent der Straßen sind breit genug für Radwege. „Es ist nicht einzusehen, warum Radfahrer wegen fehlender Radwege gefährdet werden, damit Autofahrer ihren Privatbesitz im öffentlichen Straßenraum 23,5 Stunden ungenutzt herumstehen lassen können“, sagt Strößenreuther.

Fakt ist, dass in Berlin Autos nur zu 30 min am Tag genutzt werden, die neue Sharing Economy den Autobesitz überflüssig macht und durch Tempo 20 der dynamische Flächenbedarf für Autos halbiert werden kann. „Die Stadt Berlin sollte eine Infrastrukturoffensive Radverkehr starten“, sagt Strößenreuther. „Damit kann sie auch ihre Klimaschutzzielen erreichen.“


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