21.10.2004, 22:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Mord in Quakenbrück: Taxifahrerin erstochen

Als Fachwerkidyll zieht Quakenbrück im nördlichen Landkreis Osnabrück Jahr für Jahr Touristen an. Und nicht weit von der Altstadt liegt in prächtiger Natur der Deichsee. Ein Paradies für Angler. Doch der Ort hat seit gestern Nacht seine Unschuld verloren: Eine 39 Jahre alte Taxifahrerin aus Quakenbrück wurde dort, durch mehrere Messerstiche ermordet, aufgefunden.

An gleicher Stelle ist außerdem ein kleiner Junge geborgen worden. Er hatte ebenfalls durch eine Stichwaffe schwerste Verletzungen erlitten. In einem Krankenhaus kämpfen derzeit die Ärzte um sein Leben. Wie genau der Zusammenhang zwischen diesen beiden Taten ist, kann die Polizei derzeit noch nicht sagen.

"Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Aber es gibt noch keinen Tatverdächtigen", sagt Manfred Manke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Osnabrück, während einer Pressekonferenz. Thomas Schnorfeil, Leiter der 20-köpfigen Mordkommission, ergänzt: "Wir gehen von einem Tötungsdelikt und einem versuchten Tötungsdelikt aus." Leichenspürhunde und acht Taucher haben gestern nach Beweisen gesucht. Auch ein Hubschrauber soll eingesetzt werden.

Sicher ist bislang so viel: Kurz vor Mitternacht ist am Mittwoch eine 42-Jährige mit anderen Bekannten auf der Straße "Am Deich" nahe beim Deichsee unterwegs, als sie ein abgestelltes Taxi mit laufendem Motor und eingeschaltetem Licht sieht. Sie stutzt, denkt zunächst an einen Verkehrsunfall. Aber entdeckt niemanden im Wagen. Sie macht sich durch Rufe bemerkbar. Dann hört sie den Hilfeschrei des schwerstverletzten 13-jährigen Jungen, verständigt sofort per Notruf die Polizei. Im Deichsee entdecken die Beamten dann die Leiche der Taxifahrerin.

Für zwei Details gibt es derzeit noch keine Erklärungen: Warum lag das Fahrrad des 13-Jährigen mitten auf der Straße? Und: Was hat er überhaupt um diese Zeit dort gemacht? "Erste Hinweise deuten darauf hin, dass er sich mit Freunden dort treffen wollte", sagt Schnorfeil. "Reine Spekulation" sei es, dass der Junge dort geangelt habe, "denn wir haben bislang keine Angel gefunden".

Während hektisch die TV-Leute Mikrofone richten und die schweren Kameras für gute Aufnahmen stemmen, blickt hinten, an der Wand angelehnt, eine ältere Frau ins Leere. Die Augen der 67-Jährigen sind mit Tränen gefüllt. Sie hat sich die Pressekonferenz angehört. Aber jetzt kann sie nicht mehr. Sie trauert um ihre Tochter.

Kurz zuvor hat sie in der Wohnung in Quakenbrück mit ihrem 43-jährigen Sohn und ihrer zweiten, 28 Jahre alten Tochter zusammengesessen, das Unfassbare zu verstehen versucht. "Sie war ein gutmütiger Mensch", sagt die Mutter. Und die Schwester der Ermordeten ergänzt: "Sie ist jede Nacht gefahren." Abends um 18 Uhr hat die Schicht jeweils begonnen, morgens um sechs endete sie. Wie die letzte Reise der 39-Jährigen abgelaufen ist, ist noch völlig unklar. Anrufe, die in der Taxizentrale einlaufen, werden direkt auf ein Handy weitergeleitet, das die Fahrer im Auto haben. Vielleicht ist das eine Spur für die Polizei, aber sicher ist das nicht.

Ihre Schwester habe viel gelesen, "vor allem Romane und Krimis", sagt die 28-Jährige. Seit dreieinhalb Jahren war die Taxifahrerin verheiratet. Auch ihr Mann arbeitet nachts, als Fleischzerleger. Als er Mittwochnacht nach Haus kommt, läuft der Fernseher noch. Für den 43-jährigen Bruder der Taxifahrerin deutet das auf eines hin: "Sie hat das Gerät angelassen, weil sie nur eine kurze Fahrt erwartet hat." Es wurde die letzte.


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