21.04.2017, 10:10 Uhr

Spannung beim Turnen Der neue Leitwolf Nguyen fürchtet die Konkurrenz von Dauser

Marcel Nguyen am Barren. Foto: dpaMarcel Nguyen am Barren. Foto: dpa

Cluj-Napoca. Der Kampf um die neue Nummer eins im deutschen Turnen wird am Barren ausgetragen. In Marcel Nguyen und Lukas Dauser messen sich zwei Vereinskollegen aussichtsreich bei der EM in Rumänien. Entscheidet die höhere Schwierigkeit von Nguyen oder Dausers Perfektion?

Tipps möchte er Lukas Dauser vor dem großen Duell im Barren-Finale der EM am Sonntag nicht geben, sagt Marcel Nguyen. „Nein, das mache ich nicht. Lukas kann schon alles“, meint der Routinier mit einem Schmunzeln vor dem Final Countdown der beiden Unterhachinger Turner am Sonntag im rumänischen „Silicon Valley“ Cluj-Napoca.

Gemeinsame Zeit in Unterhaching

Seit dem Rücktritt von Fabian Hambüchen schauen alle zur neuen Führungsfigur Marcel Nguyen auf. Zweimal Silber hat er bei Olympia gewonnen - ein Traum für alle anderen in der neu formierten Riege. Indem Nguyen in der Qualifikation am Barren den Bestwert fixierte und sich nun anschickt, zum dritten Mal an seinem Spezialgerät Europameister zu werden, manifestierte er seine Rolle eindrucksvoll. „Dreimal Europameister - das würde schon super klingen“, sagt er souverän lächelnd.

Doch nicht nur Olympiasieger Oleg Wernjajew aus der Ukraine und Titelverteidiger David Beljawski aus Russland haben etwas dagegen. In seinem Sportkamerad Dauser meldet ein nahezu perfekt turnender Barren-Spezialist erstmals Ansprüche an. „Wir haben zehn Jahre bei Kurt Szilier in Unterhaching gemeinsam trainiert, kennen uns bestens. Daher weiß ich ganz genau, wo die Stärken von Lukas liegen“, bekräftigt der Halb-Vietnamese mit den riesigen Tattoos auf Brust und linkem Arm. „Was Lukas für Stützkehren auf den Oberarmen kann, würde ich auch gern beherrschen. Und er turnt sehr exakt.“

Goldener Turn-Jahrgang

Und Nguyen vergisst nicht zu erwähnen, dass es der frühere Rumäne Szilier war, der beiden bei der TSV in Haching die Affinität zum Barren eröffnete. „Ich freue mich, dass er hier ist und uns die Daumen drückt“, bekennt Nguyen. Auch Auswahl-Neuling Felix Remuta ging durch Sziliers Turn-Schule.

Nguyen ist mit 29 Jahren der letzte aus dem Goldenen Jahrgang des deutschen Turnens, nachdem Philipp Boy nach London die Segel strich und Fabian Hambüchen mit dem Olympia-Triumph in Rio die Turn-Bühnen verließ. Nguyens Pläne, wonach demnächst die Jahreszahlen seiner Olympia-Teilnahmen sein Tattoo-Körperkunstwerk vervollkommnen sollen, lässt Cheftrainer Andreas Hirsch auf sein Durchhaltevermögen bis 2020 in Tokio hoffen.

Herausforderung des Mehrkampfs

„Bei der WM 2019 in Stuttgart würde ich schon gern dabei sein, und dann ist es ja nicht mehr so weit bis Olympia“, spekuliert Nguyen. Doch mit nur zwei Geräten wie in Cluj - Barren und Ringe - kommt er dann nicht klar. „Die neuen Regularien fordern einen Mehrkampf, alles andere wäre zu riskant“, gibt Nguyen zu, dass seine Teilzeit-Pläne durchkreuzt wurden: Künftig gehören nur noch vier statt fünf Turner zu einer Olympia-Riege. „Ich trainiere jetzt auch wieder Boden, vielleicht kann ich zur WM in Montreal im Oktober schon eine passable Übung anbieten.“ Und ab nächstem Jahr könnten dann wieder alle sechs Geräte zu seinem Trainings-Repertoire gehören.

Sollte ihm im Finale so wie im Vorkampf erneut die hochwertigste Übung gelingen und die Ausführung stimmen, winkt Nguyen die insgesamt achte Medaille bei Europameisterschaften. Mit bislang drei Titeln - am Barren 2011 und 2012, im Team 2010 - hat er sich Platz zwei in der deutschen EM-Rangliste hinter Hambüchen gesichert. Und sollte neben ihm auch Lukas Dauser in Cluj auf dem Treppchen stehen, würde das Nguyen ganz bestimmt nicht ärgern.


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