20.03.2017, 22:20 Uhr

DFB ehrt „Rookie“ Nagelsmann – Schröder für Lebenswerk ausgezeichnet Trainer des Jahres im Eiltempo


Neu-Isenburg. Julian Nagelsmann ist Trainer des deutschen Fußballs 2016. Der Coach der TSG 1899 Hoffenheim hat als bislang achter Coach diese Auszeichnung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) erhalten. Sein 45 Jahre älterer Kollege Bernd Schröder freute sich über den „Ehrenpreis Lebenswerk“.

Der DFB ehrte Nagelsmann und Schröder in Gravenbruch auf dem Festakt am Ende des 63. Fußball-Lehrer-Lehrgangs. “Es ging schnell – aber das passt ja zu ihm. Julian Nagelsmann ist ein tolles Beispiel dafür, wie viele junge talentierte Trainer wir in Deutschland haben“, lobte Horst Hrubesch als DFB-Sportdirektor den Landsberger. Dieser hatte im Februar 2016 mit 28 Jahren als bislang jüngster Trainer einen Bundesliga-Job bekommen und Hoffenheim aus der Abstiegsangst befreit. 

„Der Preis fühlt sich sehr gut an. Er überrascht mich auch, wenn ich sehe, dass viele Trainer seit Jahren gute Arbeit leisten“, freute sich „Rookie“ Nagelsmann, der erst seit einem Jahr den Titel „Fußballlehrer“ trägt.

Mit seinem Verein ist er in dieser Saison mit attraktivem Fußball als Tabellenvierter überraschend auf dem Weg gen europäischen Wettbewerb. Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp lobte den Trainer: „Seine Empathie und seine Pfiffigkeit zeichnen ihn aus. Er hat die Gewinner-Mentalität.“ Von der Förderung durch Nagelsmann hat beispielsweise Niklas Süle profitiert. Der 21-Jährige reifte unter ihm zum Nationalspieler. Vorgänger von Nagelsmann als Trainer des Jahres sind Hrubesch, Thomas Tuchel, Hermann Gerland, Christian Streich, Norbert Elgert, Maren Meinert und Markus Kauczinski. Die Auszeichnung würdigt insbesondere herausragende Leistungen in der Nachwuchsarbeit.

Derweil gratulierte Jogi Löw seinem ehemaligen Kollegen Bernd Schröder, dem erfolgreichsten Vereinstrainer im deutschen Frauenfußball, per Videobotschaft. „Niemand hat den Ehrenpreis mehr verdient als du“, sagte der Bundestrainer. Mit dem 1. FFC Turbine Potsdam wurde Schröder, der durchaus als „harter Hund“ der Trainergilde bekannt war, jeweils sechsmal DDR-Meister und deutscher Meister. Dreimal gewann der 74-Jährige den DFB-Pokal, zweimal den Europapokal. Seit der Gründung von Turbine im Jahr 1971 war Schröder 40 Jahre lang Trainer und fünf Jahre Manager (1992 bis 1997): „Ich bin damit der älteste Trainer der Welt“, sagte er.

Das Ganze sei nur möglich geworden durch die deutsche Einheit, betonte Schröder: „Wir haben als kleiner Verein gezeigt, dass wir in der Bundesrepublik Deutschland angekommen sind. Als erster Ossi diesen Preis entgegenzunehmen macht mich sehr stolz.“ Vorherige Preisträger des „Ehrenpreises Lebenswerk“ sind Dettmar Cramer, Udo Lattek, Gero Bisanz, Otto Rehhagel, Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld.

Alle 25 Teilnehmer des 63. Fußballlehrer-Lehrgangs an der Hennes-Weisweiler-Akademie in Hennef haben die Ausbildung zum Fußballlehrer (gleichbedeutend mit der UEFA-Pro-Lizenz) bestanden – darunter ehemalige Bundesligaspieler wie Christoph Dabrowski, Heiko Gerber, Marco Kurth, Stefan Leitl und Timo Rost.

Lehrgangsbester wurde Damir Dugandzic, der seit einem Jahrzehnt DFB-Jugendtrainer ist.

„Ich wünsche Ihnen geduldige Arbeitgeber“, sagte Reinhard Grindel zu den neuen Fußballlehrern. Der DFB-Präsident zeigte sich diesbezüglich besorgt: „Es gibt eine Tendenz, die nicht in Ordnung ist.“

Nur ein Fußballlehrer konnte die Urkunde nicht persönlich in Gravenbruch in Empfang nehmen: Torsten Ziegner vom FSV Zwickau spielte am Abend mit dem Drittligisten im Ost-Duell gegen Hansa Rostock.


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