21.04.2016, 10:33 Uhr

Mehr deutsche Athleten als in London Medaillenchancen für Deutschland bei Olympia 2016 in Rio

Im August 2016  finden die  Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Foto: Marcelo Sayao/dpaIm August 2016 finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Foto: Marcelo Sayao/dpa

Rio de Janeiro. „Die Spiele sind eröffnet“ heißt es erneut am 5. August 2016. Dann finden die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro statt. Im Beisein von IOC-Präsident Thomas Bach ist am Donnerstag im griechischen Olympia das olympische Feuer entzündet worden. Die deutschen Sportler haben sich dieses Jahr mindestens 44 Medaillen zum Ziel gesetzt.

„Die Chance, diese ehrgeizige Zielstellung zu erreichen, sehen wir immer noch als realisierbar“, sagte Dirk Schimmelpfennig, Vorstand Leistungssport im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). In den vergangenen 24 Jahren hat sich die Zahl der errungenen olympischen Medaillen halbiert.

Nach der Wiedervereinigung kehrten die deutschen Sportler 1992 aus Barcelona mit 82 Medaillen zurück. 2004 in Athen holten sie 49 Medaillen und 2008 in Peking nur 41 Medaillen. Erst in London wurde die Talfahrt gestoppt und 44 Medaillen (11 Gold, 19 Silber, 14 Bronze) gewonnen.

Großmächte des Sports

„Wir wollen versuchen, den positiven Aufwärtstrend fortzusetzen“, sagte Schimmelpfennig. Eine Neuaufstellung des Spitzensports sei unabhängig davon jedoch notwendig. Wie weit die deutschen Spitzensportler, von den Großmächten des Sports entfernt sind, zeigt auch die Medaillenbilanz in London 2012: USA holte 103 Medaillen, China insgesamt 88, Großbritannien 65 und Russland 82. Bisher wurden bei 27 Olympischen Sommerspielen insgesamt 14.718 Medaillen in Sportwettbewerben vergeben. Dabei landet Deutschland auf Platz 3 im Ranking mit insgesamt 1305 gewonnen Medaillen. Auf Platz 1 sind die USA (2398 Medaillen) und auf Rang 2 Russland (1529).

Thema Doping

Welche Dimension der Doping-Betrug hat, wird selten so offenkundig wie vor den Rio-Spielen. Die schockierenden Doping-Enthüllungen in Russlands Leichtathletik scheinen nur die Spitze eines Eisberges zu sein. Vor allem das Mittel Meldonium wird häufig von den Athleten eingenommen. Zwei unabhängige Experten sollen nun zukünftig die Anti-Doping-Reformen von Russland vor Ort überwachen. Russland hatte zuletzt baldige Reformen angekündigt, damit der Bann noch vor den Olympischen Spielen in Rio aufgehoben wird.

Ein Drittel mehr Medaillen

Der Druck ist dieses Jahr besonders groß, denn auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière fordert von den deutschen Spitzensportlern mehr Erfolg. „Wir müssten eigentlich nach der Tradition in beiden deutschen Staaten und nach unserer Wirtschaftskraft, mit der wir den Spitzensport fördern, mindestens ein Drittel mehr Medaillen bekommen, vielleicht mehr“, sagte der für den Spitzensport zuständige CDU-Politiker. Dass die deutsche Mannschaft vom 5. bis 21. August unter dem Zuckerhut in den 306 Wettbewerben der 28 Sportarten die Forderung von Maizière - ein Drittel mehr Medaillen, also 15 mehr als in London - erfüllen kann, ist zu bezweifeln. OSB-Vorstandschef und Chef de Mission Michael Vesper erklärte dazu: „Das ist eine längerfristige Zielstellung, die der Minister einmal genannt, aber nicht auf die Spiele in Rio gemünzt hat.“

Mehr deutsche Sportler am Start

Der DOSB wird wohl nicht deutlich mehr Medaillen gewinnen, aber auf jeden Fall viel mehr Sportler als vor vier Jahren in London (391) nach Brasilien schicken. „In Rio werden wir voraussichtlich rund 440 Athleten am Start haben, weil sich bisher fünf Mannschaften qualifiziert haben, zwei mehr als 2012“, sagte Vesper. Zusätzlich kann sich das deutsche 7er-Rugby-Team der Männer das Olympia-Ticket noch sichern, muss aber das Turnier im Juni in Monaco gewinnen. Je zwei Fußball- und Hockey-Teams sowie die Handball-Europameister sind ebenfalls in Rio dabei.

Die deutschen Kanuten sollen wie in der Vergangenheit wieder für reichlich Podestplätze sorgen. Acht Medaillen werden in der Sparte anvisiert. Daneben wurden im Radsport fünf- bis neunmal Edelmetall veranschlagt, was nach dem starken Abschneiden bei der Bahnrad-WM durchaus realistisch ist. Außerdem sollen die Schwimmer (3-7), die Leichtathleten (4-6) und die Reiter (3-5) zu einer guten Bilanz beitragen.

Deutsche Hoffnung

In den bisherigen Olympia-Qualifikationen der Individualsportarten gab es positive und nicht so erfreuliche Nachrichten. So schlugen sich die Turner um Fabian Hambüchen und Pauline Schäfer ebenso stark wie die Slalom-Kanuten - mit einer Ausnahme: Hoffnungsträgerin Ricarda Funk verpasste im Kajak-Einer das Rio-Ticket.

Bei den Fechtern, einst die großen Medaillenlieferanten bei Olympia, lief es besonders schlecht: Erstmals seit 1956 qualifizierte sich kein Team, nur vier Einzelstarter überstanden die Ausscheidung für Brasilien.

Große Medaillen-Chancen haben auch die deutschen Tennis- sowie Tischtennisspieler. Auch die Reiter und Ruderer seien „immer noch gut besetzt“, sagte Schimmelpfennig. Nicht so zuversichtlich ist er, was die vor vier Jahren erfolglosen Schwimmer angeht. „Der Kreis der Kandidaten ist überschaubar“ - Chancen gebe es dennoch. Nominiert wird das Rio-Team auf drei DOSB-Sitzungen am 31. Mai, 28. Juni und 12. Juli.

Unvollendete Sportstätten in Rio

Bis zur Olympia-Eröffnungsfeier am 5. August im Maracanã-Stadion gibt es aber auch für das tief in der Krise steckende Brasilien viel zu tun und zu lösen: Unvollendete Sportstätten, Umweltprobleme und der Zika-Virus sorgen für Besorgnis beim deutschen Olympischen Sportbund.

(Mit dpa)


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