10.02.2016, 07:42 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Wegen angeblich hoher Ticketpreise BVB-Fans protestieren in Stuttgart mit Tennisbällen

Sammelaktion: Spieler des VfB Stuttgart (in weiß) und von Borussa Dortmund heben während des DFB-Pokalspiels Tennisbälle auf, die die BVB-Fans aus Protest auf das Spielfeld geworfen hatten. Foto: dpaSammelaktion: Spieler des VfB Stuttgart (in weiß) und von Borussa Dortmund heben während des DFB-Pokalspiels Tennisbälle auf, die die BVB-Fans aus Protest auf das Spielfeld geworfen hatten. Foto: dpa

Osnabrück. Allen Grund zur Freude hatten die Anhänger von Fußball-Bundesligist Borussia Dortmund – eigentlich. Durch einen 3:1-Sieg beim VfB Stuttgart steht ihre Mannschaft im Halbfinale des DFB-Pokals. Doch im Mittelpunkt der Partie stand für viele Fans der Schwarz-Gelben etwas anderes. Die aus ihrer Sicht erhöhten Ticketpreise erzeugten Unmut, der in eine Protestaktion mündete, in der unter anderem Tennisbälle auf das Spielfeld flogen.

Zunächst einmal war der Gästeblock in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena weitgehend leer geblieben. Die hartgesottenen Dortmunder Fans hatten sich der Initiative „Kein Zwanni – Fußball muss bezahlbar sein“ angeschlossen, die schon seit langem gegen steigende Ticketpreise in den Stadien kämpft. „Wann sieht man’s auch in Stuttgart ein? Fußball muss bezahlbar sein“, hatten die BVB-Anhänger auf zwei Spruchbänder geschrieben. Die Tickets für das Viertelfinale im DFB-Pokal hatten 19,50 Euro für den Stehplatz – und damit ironischerweise eben keinen „Zwanni“ – und mindestens 38,50 Euro für den Sitzplatz gekostet. Stolze Preise also, die der VfB verteidigte. „Die Preise für das Pokalspiel entsprechen exakt den Preisen für das Bundesligaspiel gegen Borussia Dortmund. Diese Preise sind seit der Saison 2012/2013 unverändert und aus Sicht des VfB der Bedeutung des Spiels angemessen“, schrieb der Verein unter anderem auf seiner Facebook-Seite. Dennoch: Das Stadion war mit rund 46000 Besuchern nicht ausverkauft.

Erst nach 18 Minuten im Stadion

Die Dortmunder Fans jedenfalls boykottierten den Beginn des Spiels und verpassten so auch das 0:1 durch Marco Reus in der 5. Minute. Die Initiative hatte dazu aufgerufen, die ersten 20 Minuten des Spiels vor dem Stadion zu verbringen. „Sitzplatzpreise, die bei 38,50 € anfangen, sind schon an sich nicht gerade Schnapper – darüber hinaus gibt es nur eine überschaubare Anzahl dieser „günstigen“ Karten. Viele der Borussinnen und Borussen, die heute im Stadion sind um den BVB anzufeuern, mussten mehr als 70 € für ihre Karte zahlen. Derartige Preise können einfach nur als maßlos bezeichnet werden“, schreibt „Kein Zwanni“ auf seiner Homepage. Der Protest ging jedoch noch weiter und dürfte so dem Verein aus dem Ruhrgebiet ungewollte Kosten bescheren. Nach 18 Minuten kamen die Dortmunder Fans ins Stadion und fielen kurze Zeit später unangenehm und durchaus kurios auf. Begleitet von einem weiteren Spruchband („Großes Tennis“) flogen Tennisbälle auf das Spielfeld und sorgten für eine Unterbrechung der Partie. An der Räumung des Rasens beteiligten sich dann auch Spieler beider Teams, die allerdings wenig begeistert von der Aktion gewesen sein dürften. „Ich kann natürlich verstehen, dass es ab einer bestimmten Summe schwierig wird, seinen Verein zu unterstützen. Und momentan ist es ja so, dass das ganze Leben nicht gerade billiger wird. Wenn dann auch noch mit dem Fußball das Hobby teurer wird, ist das schwierig“, äußerte Dortmunds Abwehrchef Mats Hummels aber auch durchaus Verständnis für die Aktion.

Großkreutz: Haben kein schlechtes Spiel gemacht

Fast in den Hintergrund war durch die Proteste das Wiedersehen von VfB-Spieler Kevin Großkreutz mit seinem alten Verein gerückt. Nach sechs Jahren hatte er den Verein seiner Heimatstadt im Sommer verlassen und war nach einem äußerst glücklosen Gastspiel bei Galatasaray Istanbul in der Winterpause nach Stuttgart gewechselt. Bei der ersten Partie gegen seine „alte Liebe“ zeigte Großkreutz wie die gesamte Stuttgarter Mannschaft eine ordentliche Leistung, wobei die Dortmunder Gäste insgesamt cleverer agierten und das Spiel so durch Tore von Reus, Aubameyang und Mkhitaryan nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich von Rupp verdient gewannen. „Wir haben kein schlechtes Spiel gemacht“, kommentierte Großkreutz, der sich nach dem Spiel herzlich von seinen alten Kollegen verabschiedete.


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