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21.04.2017, 17:54 Uhr PRÄSIDENTSCHAFTSWAHL

Die Franzosen müssen Flagge zeigen

Kommentar von Uwe Westdörp

Paris nach dem Anschlag: Schwer bewaffnete Polizisten patroullieren im Zentrum der Stadt. Foto: AFPParis nach dem Anschlag: Schwer bewaffnete Polizisten patroullieren im Zentrum der Stadt. Foto: AFP

Osnabrück. Schock vor der Präsidentenwahl: Unmittelbar vor der Abstimmung in Frankreich hat ein Anschlag auf Polizisten das Land erschüttert und das Wahlkampf-Finale überschattet. Nun müssen die Franzosen erst Recht Flagge zeigen. Ein Kommentar.

Auch das noch. Direkt vor der Präsidentschaftswahl verbreitet ein Attentäter im Herzen von Paris Angst und Schrecken. In die Trauer um die Opfer mischt sich die bange Frage: Wird es einen Terror-Effekt bei den Wahlen geben? Und wenn ja: Wer könnte am stärksten profitieren?

Fest steht: Die innere Sicherheit gehört zu den Kernthemen der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Sie fordert einen harten Kampf gegen Terroristen sowie die Abschiebung sogenannter Gefährder. Allerdings überzieht sie schamlos, wenn sie den Regierungen der Konservativen und Sozialisten vorwirft, sie hätten alles getan, damit Frankreich den Kampf gegen den Terrorismus verliert.

Ein Sieg Le Pens wäre ein Alptraum für Europa. Die Nationalistin will die Bürger über einen Austritt aus der EU entscheiden lassen. Und wie so etwas in einer aufgeheizten Atmosphäre enden kann, hat das Brexit-Votum gezeigt.

Folglich stimmen die Franzosen nicht nur über ihr Staatsoberhaupt ab, sondern auch über die Zukunft der EU. Es wäre eine böse Pointe der Geschichte, wenn ein Attentäter in dieser Frage den Ausschlag geben würde. Dann hätte die Angst gesiegt – und nicht der Mut zu einem Neuanfang, den die unter Wirtschaftskrise und sozialer Spaltung leidende Grande Nation so dringend benötigt.


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