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21.04.2017, 14:46 Uhr KOMMENTAR ZUR FESTNAHME

BVB-Anschlag: Ein perfides Verbrechen

Kommentar von Katharina Ritzer

In Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) haben Polizeieinsatzkräfte am Freitagvormittag ein Gebäude durchsucht. Ein 28-Jähriger steht in Verdacht, den Anschlag verübt zu haben, um mit Aktienoptionen einen hohen Gewinn einzustreichen. Foto: dpaIn Rottenburg am Neckar (Baden-Württemberg) haben Polizeieinsatzkräfte am Freitagvormittag ein Gebäude durchsucht. Ein 28-Jähriger steht in Verdacht, den Anschlag verübt zu haben, um mit Aktienoptionen einen hohen Gewinn einzustreichen. Foto: dpa

Osnabrück. Eineinhalb Wochen nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB haben die Ermittler einen Verdächtigen gefasst. In die Erleichterung über diesen Erfolg mischt sich Entsetzen: Motiv für die Tat ist wohl Habgier – eine neue, menschenverachtende Qualität von Kriminalität. Ein Kommentar.

Entführungen und Erpressungen hat es immer schon gegeben, meist wurden die Verbrecher bei der Geldübergabe geschnappt. Und das Geld wurde immer nur übergeben, um Schlimmeres zu verhindern. Der Anschlag auf den Bus des Fußballclubs Borussia Dortmund dreht diese bisherige Logik auf perfide Weise ins Gegenteil: Hier sollten Fußballprofis ermordet werden, um dann ganz ohne riskante Geldübergabe Kasse machen zu können. Dahinter steckt mehr zutiefst bösartige und menschenverachtende Energie, die nur schwer zu begreifen ist.

Drohen nun Attentate auf Firmenchefs, damit der Aktienkurs sinkt? Sprengstoffanschläge auf Fabriken, um an der Börse Geld zu machen? Und wie soll ein Schutz dagegen überhaupt noch möglich sein? Der Fehler liegt im System der Kapitalmärkte: Solange solche verrückten Aktien-Optionen erlaubt sind, solange befeuern diese Möglichkeiten die finstere Fantasie der Kriminellen. Also müssen diese Auswüchse des Kapitalmarkts gestutzt werden, auch wenn das zu einer eigentlich nicht wünschenswerten Regulierung der Märkte führt. Menschenleben gehen immer vor.

Einziger kleiner Lichtblick in diesem Drama bleibt immerhin, dass es sich bei dem Anschlag auf den BVB-Bus nicht um unberechenbaren Terror gehandelt hat. Sondern, so zynisch das auch klingt, um ein ganz gewöhnliches Verbrechen.


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