22.04.2017, 06:12 Uhr

Ökonomen kritisieren Polen „Zukunftsbranchen nicht staatlich festlegen“

Zu industrielastig ist  Polens Wachstumsplan  nach Ansicht des Vizepräsidenten des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Oliver Holtemöller.lFoto: IWHZu industrielastig ist Polens Wachstumsplan nach Ansicht des Vizepräsidenten des Leibnitz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle, Oliver Holtemöller.lFoto: IWH

Osnabrück. Kurz vor der Eröffnung der Hannover-Messe kritisieren deutsche Ökonomen den Plan der Warschauer Regierung zur Re-Industrialisierung des Partnerlandes Polen. .

Der Vizepräsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Oliver Holtemöller, erklärte unserer Redaktion, er halte „insbesondere den Versuch, ‚Zukunfts-Branchen‘ staatlich zu identifizieren“, für „wenig erfolgversprechend“. Zudem finde das Wirtschafts- und Beschäftigungswachstum in fortgeschrittenen Volkswirtschaften überwiegend im Dienstleistungsbereich statt. Nach Angaben des IWH-Forschers schneidet Polen „bei den Bedingungen für Unternehmensgründungen und bei der Deregulierung des Dienstleistungsssektors vergleichsweise schlecht“ ab.

Lob für Innovationsstrategie

Grundsätzlich begüßte Holtemöller die „innovationsorientierte Strategie“ von Vize-Regierungschef Mateusz Morawiecki zur Förderung der polnischen Wirtschaft. Ulrich Stolzenburg vom Kieler Institut für Weltwirtschaft sieht das ähnlich. Im Kern gehe es beim sogenannten Morawiecki-Plan darum, „polnische Industrieunternehmen innovativer und wettbewerbsfähiger zu machen, statt ausländische Unternehmen mit geringen Arbeitskosten und niedrigen Steuern ins Land zu locken“. Die Ziele des Plans seien aber „in erster Linie Absichtserklärungen, deren vollständige Umsetzbarkeit höchst unsicher ist“, kritisierte Stolzenburg.

Wirtschafts- und Finanzminister Morawiecki wird am Sonntag zusammen mit der Warschauer Regierungschefin Beata Szydlo und Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Eröffnung der Messe in Hannover erwartet.


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