21.04.2017, 13:26 Uhr

Kommt es zum Knall in Köln ? Beim AfD-Parteitag droht Spaltung Nummer zwei

Wer setzt sich durch bei der AfD? Die Vorsitzende Frauke Petry versucht die Machtprobe. Foto:AFPWer setzt sich durch bei der AfD? Die Vorsitzende Frauke Petry versucht die Machtprobe. Foto:AFP

Berlin /Köln. Spaltung oder Versöhnung bei der AfD? Erneut soll ein Parteitag die Macht- und Richtungsfrage klären. Falls sich an diesem Wochenende in Köln die zerstrittenen Lager trennen, wäre es die zweite Spaltung binnen zwei Jahren. Im Juli 2015 folgte ein AfD-Parteitag in Essen Frauke Petry, deren Anhänger Parteigründer Bernd Lucke als Vertreter des bürgerlich-liberalen Flügels regelrecht aus dem Saal trieben. Jetzt steht Petrys Schicksal auf der Kippe.

Telegen, intelligent, schlagfertig – so wurde die 41-Jährige zur Vorzeige-Politikerin der AfD. Sie inszeniert sich als die „Schöne“, alle anderen – und ganz besonders der Ultrarechte Björn Höcke – verkörpern das „Biest“. Klar, dass diese von Petry forcierte Aufteilung nicht funktioniert und Widersacher den Aufstieg der Naturwissenschaftlerin zur alleinigen Spitzenkandidatin hintertrieben. Mit dem überraschend angekündigten Verzicht auf den Platz 1 bei der Bundestagswahl kam Petry einer Niederlage zuvor. Zugleich erreichte sie mit diesem Coup das eigentliche Ziel: Aufmerksamkeit zu erheischen – und ihre Unverzichtbarkeit vor Augen zu führen.

Kommt es zum Knall in Köln? Kaum. Alexander Gauland, wichtigster Strippenzieher der Partei, warf Petry erneut vor, die Spaltung zu betreiben. Ihr „Zukunftsantrag“ sei der sinnlose Versuch, die AfD in einen realpolitischen und einen fundamentalistischen Teil auseinanderzudividieren. Petry wiederum ließ durch ihren Ehemann, den nordrhein-westfälischen AfD-Landesvorsitzenden Marcus Pretzell, ausrichten, sie bleibe bei ihrer Linie. Sie will die Partei auf den „realpolitischen Weg einer bürgerlichen Volkspartei“ zwingen und sie so koalitionsfähig machen, zum Beispiel mit der CDU.

Gauland dagegen lehnt dies ab und hält den Kontakt zum ganz rechten Milieu. Daher seine Fürsorge für den Neonazi Höcke, den Petry aus der Partei verbannen will. Aber Gauland weiß auch: Petry ist nützlich. Ohne die „Schöne“ kein Zuspruch für die AfD. Und ewiger Streit, das weiß der Ex-Christdemokrat Gauland auch, stößt Wähler ab. Laut aktuellem „Deutschlandtrend“ hat die AfD einen Punkt verloren und liegt derzeit bei zehn Prozent. Jeder zweite Befragte (50 Prozent) geht davon aus, dass die AfD durch den Verzicht von Petry auf die Spitzenkandidatur eher geschwächt wird. Wer am Ende des Kölner Bundesparteitages als Sieger (oder Siegerin) auf dem Podium stehen wird, ist mithin offen.

Petry wittert Macht

Wer Petry erlebt, spürt nahezu körperlich den Machtanspruch der bald fünffachen Mutter, promovierten Chemikerin und ordensdekorierten Start-up-Unternehmerin, die aber letztlich scheiterte. Die Nase hoch erhoben, als nehme sie Witterung auf, betrat die Orgel spielende Ex-Pfarrfrau den Bundestag, als der Bundespräsident gewählt wurde. Es sah nach „Probesitzen“ aus, als sich die Wahlfrau Petry auf einem der blauen Stühle unter dem Bundesadler niederließ. Denn das ist klar, das Bundestagsmandat und das Festhalten am AfD-Parteivorsitz ist Teil von Petrys Lebensplan.

Kühl und undurchschaubar

Kühl und undurchschaubar zeigt sich die gebürtige Leipzigerin, die im Ruhrgebiet aufwuchs, auf Pressekonferenzen. Vorab lässt sie mitteilen, welche Fragen zugelassen sind. Sie tritt auf wie die geborene Chefin. Aber sie ist auf taktische Spielchen fixiert und zeigt dazu Misstrauen und Härte. Hinterzimmerkungeleien, die der rechte AfD-Flügel gegenwärtig gegen sie ausheckt, sind Petry nicht fremd. Die einstige Musterschülerin hat selbst Allianzen geschmiedet, um Lucke abzusägen.

Die Rechten halfen ihr dabei, jetzt wurden sie zu Gegnern. Der rechtsnationale Flügel des Thüringer Fraktionschefs Höcke sieht offenbar den Zeitpunkt gekommen, sie loszuwerden. Angesichts offener Angriffe aus eigenen Reihen brach die hochschwangere Petry vor Kurzem sogar in Tränen aus. In Köln immerhin muss sie die direkte Konfrontation nicht fürchten. Höcke hat im Tagungshotel Hausverbot.


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