21.04.2017, 15:28 Uhr

Präsidentenwahl in Frankreich Kandidaten im Porträt: Wer ist Jean-Luc Mélenchon?

Präsidentschaftskandidat und Linkspopulist: Jean-Luc Mélenchon kommt gerade bei der jungen Wählerschaft an. Foto: dpaPräsidentschaftskandidat und Linkspopulist: Jean-Luc Mélenchon kommt gerade bei der jungen Wählerschaft an. Foto: dpa

Paris. Im Endspurt legte der Linkspopulist Jean-Luc Mélenchon spektakulär zu, inzwischen erreicht er in Umfragen bereits den dritten Platz hinter Marine Le Pen und Emmanuel Macron. Der alte Bekannte der französischen Politik setzt dabei auf neue Methoden – und kommt gerade bei der jungen Wählerschaft an.

Jean-Luc Mélenchon gab es in diesem Wahlkampf mehrmals. Modernste Technik nutzte der linke Präsidentschaftskandidat, um sich bei Kundgebungen durch ein Hologramm, eine 3D-Projektion, an mehreren Orten gleichzeitig zu zeigen. Sein Stil, ohne Manuskript locker sprechend über die Bühne zu laufen, spricht vor allem jüngere Wähler an. Auch füttert der 65-Jährige ausgiebig die sozialen Netzwerke, seinen Blog und unterhält seinen eigenen YouTube-Kanal, der 270.000 Abonnenten zählt. Ausgerechnet das Urgestein unter den Kandidaten nutzt besonders innovative Wahlkampfmethoden.

Moderner Mélenchon kommt an

Das kommt an. Bei Auftritten versammelt Mélenchon hunderttausende enthusiastische Anhänger, nach TV-Debatten überzeugte der charismatische und humorvolle Redner die Zuschauer mehr als seine Rivalen. Zuletzt holte der linke Volkstribun mit seiner Bewegung „Das aufständische Frankreich“ („La France Insoumise“) kontinuierlich auf und könnte laut Umfragen dem Republikaner François Fillon den dritten Platz streitig machen.

Er habe „selten das französische Volk dermaßen orientierungslos gesehen“, sagt der Linkspolitiker über den Wahlkampf, bei dem die traditionellen Volksparteien nur mit Mühe mobilisieren. Es ist die Chance all derer, die das „System“ und die „Eliten-Kaste“ anklagen und einen echten Wandel, ja eine Revolution versprechen; zu ihnen gehört Mélenchon, der eine radikale Umverteilung von Wohlstand, eine Besteuerung bis zu 100 Prozent und eine Rückkehr zur Rente mit 60 auf Pump fordert. Außerdem will er einen Total-Umbau der Institutionen.

„Präsidenten-Monarchie“ abschaffen

„Ich werde der letzte Präsident der Fünften Republik sein“, verkündet der der geschiedene Vater einer Tochter, die ebenfalls Linkspolitikerin ist. Mit einer vom Volk abgesegneten neuen Verfassung verspricht Mélenchon die „Präsidenten-Monarchie“ abzuschaffen und das Parlament zu stärken. Dank einer „grünen Regel“ soll der Umweltschutz Vorrang bekommen, außerdem will Mélenchon die „Rolle Frankreichs für den Frieden“ in der Verfassung festschreiben. Der Kampf gegen Kriege sei zugleich einer gegen die Flüchtlingskrise.

Mehr als 30 Jahre lang war der im marokkanischen Tanger – damals französisches Protektorat – geborene Mélenchon Mitglied der Sozialisten. Der Sohn eines Angestellten im Fernmeldedienst und einer arbeitete während des Philosophiestudiums in Besançon unter anderem als Journalist, bevor er Generalrat, Senator und zeitweise Staatsminister für berufliche Bildung wurde. 2008 verließ er die Partei, die ihm zu weit in die Mitte rückte. Nach dem deutschen Modell Die Linke gründete er die Links-Front, deren Co-Vorsitzender er bis 2014 war. Bei der Präsidentschaftswahl 2012 erzielte er aber nur elf Prozent.

Direkte Konkurrenz zu Hamon

Nun kann er auf deutlich mehr hoffen, obwohl er in direkter Konkurrenz mit dem sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon steht. Eine Vereinigung der Linken scheiterte an beider Unnachgiebigkeit. Zwar sind sie sich bei den Forderungen nach einem Atomausstieg und einer 32-Stunden-Woche einig. Anders als Hamon ist der EU-Parlamentarier Mélenchon allerdings ein EU-Skeptiker, der aus den europäischen Verträgen wie auch aus der Nato aussteigen will. Vor allem das konservative Deutschland sieht er als Hauptgegner. In seinem Buch „Bismarcks Hering – Deutsches Gift“ kritisierte er 2015 scharf das in seinen Augen übermächtige, unsoziale Nachbarland. „Maul halten, Frau Merkel!“, twitterte Mélenchon nach einer Ermahnung aus Berlin um mehr Reformbemühungen. Für seinen rabiaten Umgang ist er auch bei Journalisten berühmt-berüchtigt, die er bisweilen als „faschistische Spione“ bezeichnet. Wenn möglich, umgeht er die klassischen Medien – und betreibt seine eigenen im Internet.


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