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20.04.2017, 17:52 Uhr TÜRKEI-REFERENDUM

Zustimmung zu Erdogan: Wählerbeschimpfung hilft nicht weiter

Kommentar von Uwe Westdörp

Ein Türke gibt in Dortmund in einem türkischen Wahllokal seine Stimme ab. Foto: dpaEin Türke gibt in Dortmund in einem türkischen Wahllokal seine Stimme ab. Foto: dpa

Osnabrück. Es ist ein Aufreger mit Potenzial für den Bundestagswahlkampf: 63 Prozent der Türken, die in Deutschland an der Abstimmung über die neue Verfassung der Türkei teilnahmen, haben sich dafür ausgesprochen, dem türkischen Staatspräsidenten mehr Macht zu geben. Was nun? Ein Kommentar.

Mehr als 400 000 haben Ja gesagt. Wie kann es sein, dass so viele türkische Wähler, die in Deutschland die Vorzüge von Freiheit und Demokratie genießen, beim Referendum über die Verfassung der Türkei für die Errichtung einer Autokratie votiert haben? Dies ist eine berechtigte Frage, die aber nicht zu Stimmungsmache missbraucht werden sollte.

Der Doppelpass, über dessen Berechtigung jetzt wieder aufgeregt diskutiert wird, ist in jedem Fall nur ein Randthema. Die Frage, wie gut Integration funktioniert, hängt von sehr viel mehr Faktoren ab: Dazu gehört auch das Gefühl, willkommen zu sein und ernstgenommen zu werden – und natürlich die Bereitschaft, sich einzugliedern. Niemand muss ständig das Grundgesetz mit sich herumtragen. Wer tut das schon? Doch die grundlegenden Werte der deutschen Verfassung sollten alle teilen, die hier leben.

Schuldzuweisungen an die eine oder andere Seite helfen nicht weiter. Das vermehrt die Probleme nur. Stattdessen sollte das Einwanderungsland Deutschland weiterhin eine konstruktive Haltung einnehmen. Eindeutig verstärkt werden müssen aber die politischen Bildungsangebote. Integration ist mehr als Spracherwerb und Suche nach Arbeit. Dazu gehört auch, die kulturellen, juristischen und gesellschaftlichen Regeln der Mehrheitsgesellschaft zu akzeptieren und sie wenn nötig zu verteidigen.


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