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19.04.2017, 17:28 Uhr KOMMENTAR ZUR AFD

Frauke Petrys Flucht nach vorn

Kommentar von Uwe Westdörp

Verzichtet auf Spitzenkandidatur: AfD-Chefin Frauke Petry. Foto: AFPVerzichtet auf Spitzenkandidatur: AfD-Chefin Frauke Petry. Foto: AFP

Osnabrück. Nach einem monatelangen Machtkampf in der AfD-Führung verzichtet Parteichefin Frauke Petry völlig überraschend auf die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl. Doch hat sie noch nicht die Segel gestrichen – ein Kommentar.

Wohin strebt die AfD? Wird sie jetzt noch radikaler? Nachdem Frauke Petry erklärt hat, nicht für eine Spitzenkandidatur zur Verfügung zu stehen, schießen die Spekulationen ins Kraut. Fest steht: Für Petry ist der Gegenwind zu stark geworden. Sie ist zwar das bekannteste Gesicht der AfD, hat sich aber innerparteilich an den Rand manövriert – daher ihr plötzlicher Verzicht. Er ist eine Flucht nach vorn.

Am liebsten wäre Petry wohl alleinige Spitzenkandidatin geworden. Doch dafür hätte sie die von Flügelkämpfen geschüttelte Partei einen müssen. Allein: Ihr Machthunger und ihre Streitlust ließen das nicht zu. Und so geriet sie immer wieder mit anderen AfD-Führern wie Alexander Gauland aneinander.

Petry geht nun geschwächt in den Bundesparteitag in Köln. Doch niemand täusche sich: Die Segel gestrichen hat die Vorsitzende noch nicht. So beharrt sie auf ihrem Grundsatzantrag, mit dem sie der AfD den Anstrich einer bürgerlichen Volkspartei geben will.

Damit ist neuer Streit programmiert. Denn bisher ist die AfD nicht durch Realpolitiker und Kompromissbereitschaft aufgefallen. Stattdessen duldet sie Rechtsradikale wie Björn Höcke in ihren Reihen. Und Höcke ist nicht allein. Die AfD steht damit vor einer neuen Zerreißprobe und Petry womöglich an einem Wendepunkt ihrer Karriere.


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