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19.04.2017, 16:18 Uhr KOMMENTAR ZUR NEUEN PISA-SCHULSTUDIE

Warum die Lernfreude unter die Räder kommt

Kommentar von Beate Tenfelde

Jeder sechste 15-Jährige klagt darüber, bereits gemobbt worden zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung im Rahmen der Pisa-Schulstudie ergab. Symbolfoto: dpaJeder sechste 15-Jährige klagt darüber, bereits gemobbt worden zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung im Rahmen der Pisa-Schulstudie ergab. Symbolfoto: dpa

Berlin. Mobbing ist an Deutschlands Schulen offenbar stark verbreitet. Jeder sechste 15-Jährige klagt darüber, bereits gemobbt worden zu sein, wie eine aktuelle Untersuchung im Rahmen der Pisa-Schulstudie ergab. Die meisten Jugendlichen in Deutschland fühlen sich aber demnach wohl in der Schule und sind mit ihrem Leben zufrieden. Erstmals rückten die Bildungsforscher das Wohlbefinden der Jugendlichen in den Fokus. Ein Kommentar.

Glaubt man der aktuellen Pisa-Studie, die Leben und Lernen von 15-Jährigen vergleicht, haben es deutsche Schülerinnen und Schüler vergleichsweise bequem. 60-Stunden-Wochen haben danach nur vier Prozent der Befragten .Können sich nun alle entspannt zurücklehnen, weil Teenager meist nicht das Pensum eines Spitzenpolitikers oder Investmentbankers erreichen? Wohl kaum. Dafür sind die Mobbing-Probleme an Schulen viel zu ernst.

Jugendliche stressen zudem unausgegorene Reformen. Gymnasiasten litten zuletzt besonders darunter. G8 – also das Abitur nach acht Jahren – ist durchaus richtig, wenn auch der Unterrichtsstoff klug abgestimmt ist. Er war es nicht, und so machte die Experimentierfreude von Kultuspolitikern jungen Menschen das Leben schwer. Grund-, Haupt- oder Realschulen wiederum haben bei der Eingliederung von Flüchtlingen die Hauptlast zu schultern. Hier passiert Integration, hier wie in vielen Vereinen entscheidet sich die Zukunft, während die Politik noch diskutiert.

Auffälliges, ja alarmierendes Ergebnis der Schulstudie ist: 15-Jährige verwechseln Ehrgeiz mit Strebertum. Unter dem Druck ideologisch aufgeladener Debatten, wonach gute Bildung für alle Nivellierung bedeutet, ist Lernfreude offenbar unter die Räder gekommen. Falschen Ehrgeiz wie in Japan, wo schon Kleinkinder gedrillt werden, will keiner. Aber schlecht ist auch, wenn Gleichmacher Spaß am Denken, Wissen und Entdecken ersticken. Alles eine Soße? In der Schule bitte nicht.


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