19.04.2017, 05:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Vergleichstest „PISA“: Ergebnisse zum Wohlbefinden von Schülern

Der Report untersucht u.a. die Beziehungen von Schülern zu Mitschülern. Foto: Armin WeigelDer Report untersucht u.a. die Beziehungen von Schülern zu Mitschülern. Foto: Armin Weigel

Berlin. Die vier Großbuchstaben PISA haben ihren Schrecken für das deutsche Bildungssystem dank besserer Schülerleistungen verloren. In einer neuen Studie zu Lernumfeld und Lernverhalten von 15-Jährigen geht es nun darum, ob sich die Jugendlichen in der Schule auch wohlfühlen.

Nach den Kompetenztests für Naturwissenschaften, Mathematik und Leseverständnis im Dezember präsentiert die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung heute weitere Ergebnisse ihrer Schulstudie „PISA 2015“.

In einer OECD-Sonderauswertung werden erstmals umfangreiche PISA-Daten zu Lernumfeld und Lernverhalten von 15-Jährigen veröffentlicht. Der Report untersucht die Beziehungen von Schülern zu Mitschülern, Lehrern und Eltern, außerdem Freizeitgestaltung und Zukunftswünsche - kurz: das Wohlbefinden der Mädchen und Jungen.

Es geht also diesmal mehr um soziale und weiche Faktoren als um PISA-Ranglisten. „Es gibt einzelne Aspekte wie soziale Integration in der Schule, wo wir Daten aus der Vergangenheit haben und Trends sehen können“, sagte OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher der Deutschen Presse-Agentur. „Im Großen und Ganzen ist es aber ein neues Feld und das erste Mal, dass PISA das Blickfeld erweitert über kognitive Fähigkeiten hinaus.“

Bei der Präsentation von „PISA 2015“ im Dezember hatte das deutsche Bildungssystem einen leichten Rückschlag hinnehmen müssen. Die rund 10 000 hierzulande geprüften 15-Jährigen erzielten in Naturwissenschaften und Mathematik schwächere Ergebnisse als drei und sechs Jahre zuvor, blieben mit ihren Leistungen aber durchweg im oberen Drittel der Ranglisten. Im Testbereich Lesekompetenz ging es minimal aufwärts. Jeder Neunte aus Deutschland (11 Prozent) brachte bei „PISA 2015“ Spitzenleistungen - drei Prozentpunkte über dem Gesamtniveau der OECD.

PISA-Sieger war Singapur: In den Naturwissenschaften lag der südostasiatische Stadtstaat mit 556 Punkten vor Japan (538) und Estland (534). In Mathematik rangierte Singapur mit 564 Punkten vor den chinesischen Großregionen Hongkong (548) und Macao (544), in Lesekompetenz mit 535 Punkten vor Kanada und Hongkong (jeweils 527) sowie dem langjährigen europäischen PISA-Champion Finnland (526). Es wird nun interessant sein zu beobachten, welche Staaten mit ihren Bildungssystemen sowohl gute Schülerleistungen als auch eine hohe Zufriedenheit der 15-Jährigen mit ihrem Lernumfeld erreichen können.

Die vier Buchstaben PISA stehen für „Programme for International Student Assessment“. Es wird alle drei Jahre von der OECD organisiert - im Auftrag der Regierungen oder in Deutschland für die Kultusministerkonferenz. An „PISA 2015“ nahmen gut eine halbe Million 15-Jährige aus 72 Ländern und Regionen teil.

Das unerwartet schlechte Abschneiden bei der Test-Premiere vor 16 Jahren hatte in der Öffentlichkeit zum „PISA-Schock“ geführt und viele Schulreformdebatten ausgelöst. Für Deutschland wurde ein enger Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen festgestellt.

Nach OECD-Angaben wurden für „PISA 2015“ computergestützte Tests verwendet, wobei die Prüfungsdauer für alle Schüler insgesamt zwei Stunden betrug. Es handelte sich um Multiple-Choice-Aufgaben und Fragen, bei denen die Jugendlichen eigene Antworten formulieren mussten. Sie füllten außerdem einen Hintergrund-Bogen aus, mit Fragen über sie selbst, ihr Zuhause sowie Schul- und Lernerfahrungen. Für die Schulleitungen gab es einen Fragebogen zu Schulsystem und Lernumfeld. In manchen Ländern und Regionen wurden zudem Fragebögen an Eltern verteilt, die beispielsweise Auskunft über ihr Engagement für das eigene Kind in der Schule geben sollten.


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