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18.04.2017, 17:50 Uhr KOMMENTAR

Spitzensteuersatz: Durchschnittsverdiener zu stark belastet

Kommentar von Norbert Meyer

Der Fiskus will es wissen: Schon Durchschnittsverdiener müssen in Deutschland etwa die Hälfte ihres Einkommens an den Staat abführen. Foto: dpaDer Fiskus will es wissen: Schon Durchschnittsverdiener müssen in Deutschland etwa die Hälfte ihres Einkommens an den Staat abführen. Foto: dpa

Osnabrück. Fast zehn Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland zahlen den Spitzensteuersatz. Durchschnittsverdiener werden hierzulande zu stark belastet, findet der Kommentator.

42 Prozent Steuern: Wer will die schon zahlen? Und doch muss hierzulande etwa jede zehnte Erwerbsperson zumindest auf Teile ihres Einkommens diesen immensen Satz an Vater Staat abführen. Wer es als Alleinstehender nicht schafft, sein zu versteuerndes Einkommen unter die Marke von 54 058 Euro im Jahr zu drücken, gehört schon dazu. Bei 13 Gehältern sind das gerade einmal 4158 Euro im Monat, bis die 42 Prozent auf den nächsten fällig sind.

Damit zählt man in Deutschland beileibe nicht zu den Top-Verdienern, sondern zur Mittelschicht. Diese ist aber nicht nur durch Steuern, sondern auch durch sonstige Abgaben über die Maßen belastet. Kein anderer Industriestaat außer Belgien schröpft seine Durchschnittsverdiener wie der deutsche. Fast jeder zweite Euro landet so in den öffentlichen Kassen statt auf dem Gehaltskonto, wie die OECD gerade festgestellt hat.

Verantwortlich dafür ist auch Wolfgang Schäuble. Seit acht Jahren ist er Bundesfinanzminister – und ein Stützpfeiler im Kabinett Merkel. Jetzt will der CDU-Haudegen und Verfechter der „Schwarzen Null“ die Steuerzahler entlasten, wenn sie denn bei der Wahl im Herbst der Union vertrauen. Leider kann das Stimmvolk ein Lied davon singen, wie es mit solchen Versprechen oft endet. Wenn aber klassische Hochsteuer-Staaten wie die skandinavischen bei der Gesamtbelastung ihrer Bürger besser abschneiden als Deutschland, sollte allen Politikern klar sein, was zu tun ist.


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