20.03.2017, 23:36 Uhr

Debatte zur Präsidentenwahl Hartes Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen

Die französische Rechtspopulistin Marine Le Pen (l.) lacht während der konservative Anwärter François Fillon (r) noch geschminkt wird. Die wichtigsten Kandidaten für die französische Präsidentschaftswahl kommen dabei erstmals zu einer TV-Debatte zusammen. Foto: Patrick Kovarik/AFP POOL/dpaDie französische Rechtspopulistin Marine Le Pen (l.) lacht während der konservative Anwärter François Fillon (r) noch geschminkt wird. Die wichtigsten Kandidaten für die französische Präsidentschaftswahl kommen dabei erstmals zu einer TV-Debatte zusammen. Foto: Patrick Kovarik/AFP POOL/dpa

Paris. Mit einem heftigen Schlagabtausch zwischen dem unabhängigen Bewerber Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen ist Frankreichs Präsidentschaftswahlkampf in die heiße Phase gestartet.

Bei der ersten TV-Debatte der fünf aussichtsreichsten Kandidaten beharkten sich Le Pen und Macron am Montagabend unter anderem zur Frage des Islam und der hitzigen französischen Debatte um religiöse Symbole im öffentlichen Raum.

Weiterlesen: So gefährlich sind Wilders und Le Pen für unser Europa >>

Burkini wieder Thema

Le Pen wärmte dabei den Streit um Ganzkörper-Schwimmanzüge für Musliminnen auf, der im vergangenen Sommer zu heftigen Diskussionen geführt hatte. „Vor einigen Jahren gab es keine Burkinis an den Stränden“, sagte sie. „Emmanuel Macron, Sie waren für den Burkini, oder?“ Macron warf Le Pen daraufhin Provokation vor. „Sie tappen in die Falle, die Franzosen zu spalten“, so der 39-Jährige. „Das hat nichts mit der Laizität (der Trennung von Kirche und Staat) zu tun.“

Gut einen Monat vor dem ersten Wahlgang am 23. April gelten Le Pen und Macron als klare Favoriten für den Einzug in die Stichwahl. Die Umfragen sagen Macron dafür derzeit einen klaren Sieg gegen Le Pen voraus, allerdings ist die Entscheidung vieler Wähler noch unsicher. Die Rechtspopulistin setzt auf Protektionismus und will ein Referendum über den EU-Austritt, Macron tritt dagegen für einen proeuropäischen, sozialliberalen Kurs an.

Nicht im Interesse der Franzosen?

Macron fuhr Le Pen auch in die Parade, als diese anderen Kandidaten vorwarf, „nicht das Interesse der Franzosen“ sondern großer Konzerne zu vertreten - und dabei auf Macrons Lebenslauf anspielte. Der frühere Wirtschaftsminister ist Absolvent der Polit-Kaderschmiede ENA und war nach einer Beamtenkarriere zeitweise bei einer Bank tätig, bevor er in die Politik ging. „Ich werde Sie keine Verleumdung verbreiten lassen“, hielt Macron ihr entgegen.

Der von Ermittlungen zum Verdacht einer Scheinbeschäftigung angeschlagene Konservative François Fillon stellte bei der Debatte seine staatsmännische Erfahrung als früherer Premierminister heraus. „Ich werde der Präsident der nationalen Sanierung sein“, versprach er. Fillon will weitgehende Wirtschaftsreformen und einen klaren Sparkurs. In Umfragen liegt er aber derzeit abgeschlagen auf dem dritten Platz.

Streitthema Immigration

Zur Einwanderung lagen die Positionen weit auseinander. Während Le Pen ankündigte, die Immigration stoppen zu wollen, hielt der sozialistische Bewerber Benoît Hamon entgegen: „Der Anteil der Ausländer in Frankreich ist seit den 1930er Jahren stabil.“ Der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon hielt eine Begrenzung für nicht umsetzbar. Fillon forderte ein Quoten-System bei der Einwanderung, das aber nicht für Asylbewerber gelten soll.

Le Pen versuchte, mit weitreichenden Forderungen zur Sicherheitspolitik zu punkten - nach der Serie von Terroranschlägen ein brisantes Thema. Im Kampf gegen die Kriminalität will sie in den kommenden fünf Jahren 40 000 neue Gefängnisplätze schaffen. Der konservative Anwärter Fillon verwies dagegen auf Frankreichs angespannte Haushaltslage und warnte vor Versprechungen, die entweder nicht gehalten werden könnten oder das Land in den Bankrott führten. 16 000 neue Gefängnisplätze reichten.


Engagierter Schlagabtausch - Frankreichs Wahlkampf kommt zur Sache

Seit Wochen ging es im französischen Präsidentschaftswahlkampf vor allem um Skandale. In der ersten TV-Debatte rücken die Inhalte in den Vordergrund - eine Weichenstellung mit Konsequenzen für ganz Europa.

Welche Bedeutung hatte die erste TV-Debatte am Montagabend?

Gut einen Monat vor dem ersten Wahlgang war sie der Startschuss in die heiße Phase der Kampagne. Und sie rückte wieder die Inhalte in den Mittelpunkt - denn von denen war in diesem Wahlkampf in den vergangenen Wochen kaum die Rede, stattdessen ging es vor allem um Skandale: Die Justiz-Verwicklungen des Konservativen François Fillon und der Rechtspopulistin Marine Le Pen bestimmten die Schlagzeilen. Eine wichtige Gelegenheit, um sich von den Konkurrenten abzugrenzen.

Wie ist Front-National-Chefin Marine Le Pen aufgetreten?

Le Pen setzte auf ihre bekannte Linie: Abschottung, Protektionismus und provokant-scharfzüngige Angriffe auf ihre Konkurrenten. Das französische Volk müsse „seine Souveränität zurückerlangen“, forderte sie - Le Pen will eine Rückkehr zu einer eigenen Währung und ein Referendum über den Ausstieg aus der Europäischen Union. Die 48-Jährige sagte der Einwanderung den Kampf an, beklagte eine „Explosion der Unsicherheit“ in Frankreich, und machte die Europäische Union verantwortlich für „Arbeitslosigkeit und Armut“.

Bei welchen Themen flogen die Fetzen - und zwischen wem?

Besonders heftig ging es zwischen Le Pen und Macron zur Sache. Mehrmals ging die redegewandte Rechte den 39 Jahre alten Politikjungstar scharf an, der sie derzeit laut Umfragen in einer Stichwahl klar schlagen würde. Und Macron gab Konter, ob beim Thema Europa oder als Le Pen die „Burkini“-Debatte um Ganzkörper-Schwimmanzüge für Musliminnen aufwärmte: „Sie tappen in die Falle, die Franzosen zu spalten.“

Beim Thema Einwanderung gab es einen heftigen Schlagabtausch zwischen Le Pen und dem Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon: „Die Leute gehen nicht aus Vergnügen in die Immigration. Das ist ein erzwungenes Exil“, so Mélenchon. Vor allem in der Wirtschaftspolitik knallten konträre Positionen aufeinander. Fillon kritisierte Le Pens Forderung nach einem Ausstieg aus dem Euro: Damit sei sie der „Serienkiller der Kaufkraft“.

Emmanuel Macron gilt als Favorit - wie hat er sich geschlagen?

Für Macron war der Auftritt besonders heikel: Für ihn ging es darum, seiner Rolle als Überraschungsfavorit der Umfragen gerecht zu werden - zugleich hat er als einziger in der Runde noch nie zuvor für ein politisches Mandat kandidiert. Er hielt den Angriffen von Rechts und Links stand, zeigte sich offen für Vorschläge aus verschiedenen Richtungen und stellte seinen „Pragmatismus“ als Leitlinie heraus. Laut einer Blitzumfrage des Senders BFMTV mit Erfolg: 29 Prozent der Befragten hielten ihn für den überzeugendsten der fünf Kandidaten.

Welche Rolle spielte Deutschland?

Deutschland zogen die Kandidaten vor allem als Negativ-Referenz heran. Fillon kritisierte, dass Macron die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gelobt hatte. Le Pen schlug erneut scharfe Töne gegen Berlin an: „Ich will nicht die Vizekanzlerin von Frau Merkel sein“, sagte sie - Le Pen erhebt immer wieder den Vorwurf, Deutschland gebe über die EU den Ton an. Macron warb dagegen für die Partnerschaft mit Deutschland.

Wie hat sich der skandalbelastete François Fillon geschlagen?

Der 63-jährige Ex-Premierminister ließ sich nicht auf das Minenfeld der Affäre um den Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau führen. Er wählte einen gesetzten, staatsmännischen Ton. „Ich habe einige Fehler, wer hat das nicht“, sagte Fillon. „Aber ich habe Erfahrung.“ Wichtiges Argument: Er sei der einzige, der bei der im Juni (nach der Präsidentschaftswahl) anstehenden Parlamentswahl eine klare Regierungsmehrheit erhalten könne. Allerdings müsste Fillon eine spektakuläre Aufholjagd hinlegen, um in die Stichwahl zu kommen - in einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Instituts Elabe lag er bei 17,5 Prozent und damit 7,5 bis 8 Punkte hinter Le Pen und Macron.

0 Kommentare