26.01.2017, 05:02 Uhr

Weiterer radioaktiver Abfall in Frankreich Castoren mit deutschem Atommüll kommen nicht vor 2019 zurück

Ein Castor im Zwischenlager am Atomkraftwerk Brunsbüttel. Insgesamt 26 dieser Behälter müssen aus Frankreich und England zurückgeholt werden. Foto: dpaEin Castor im Zwischenlager am Atomkraftwerk Brunsbüttel. Insgesamt 26 dieser Behälter müssen aus Frankreich und England zurückgeholt werden. Foto: dpa

Osnabrück. Die Rückholung des deutschen Atommülls aus französischen und englischen Wiederaufarbeitungsanlagen beginnt nicht vor 2019. Das hat das Bundesumweltministerium auf Anfrage der Grünen mitgeteilt.

26 Castoren sollen nach ihrer Rückführung in den Zwischenlagern an den Atomkraftwerken Philippsburg, Brokdorf, Biblis und Isar aufbewahrt werden. Laut Ministerium haben die Lagerbetreiber bislang aber noch keine dafür notwendigen Änderungsanträge beim Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit gestellt. Dies solle voraussichtlich noch im ersten Halbjahr 2017 geschehen. Zudem seien technische Fragen zur Beladung der Castoren in Frankreich und England noch nicht geklärt. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte der unserer Redaktion, dass die Rückholung nach den Plänen der Energiekonzerne bis 2021 abgeschlossen sein soll.

Weiterer Atommüll lagert in Frankreich

Neben den Castoren muss Deutschland noch mehr als 100 Behälter mit mittelradioaktivem Abfall aus Frankreich zurücknehmen. „Diese können aus technischen Gründen voraussichtlich erst nach dem Jahr 2025 zurückgeführt werden“, teilte eine Sprecherin des Bundesministeriums auf Anfrage mit. Dieser Abfall, bei dem es sich laut Ministerium um Bauteile von Brennelementen handelt, soll im Transportbehälterlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen aufbewahrt werden.

Monatelanger Streit um Zwischenlagerung

Monatelang war um die Zwischenlagerung der 26 Castoren gestritten worden, bevor ein bundesländerübergreifender Kompromiss gefunden werden konnte. Bislang hatte es stets geheißen, die Rückholung beginne bereits im kommenden Jahr. Deutschland ist verpflichtet, den radioaktiven Abfall zurückzunehmen, der bei der Aufarbeitung von bestrahlten Brennelementen angefallen ist. 21 Castoren kommen aus den englischen Sellafield, weitere fünf aus der Anlage im französischen La Hague. Solange es kein Endlager für radioaktiven Abfall in Deutschland gibt, sollen die Castoren zwischengelagert werden. (Weiterlesen: Atommüll: Bayern lehnt Lagerung von Castoren ab)

Sylvia Kotting-Uhl, atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, kritisierte in diesem Zusammenhang das Zaudern bayrischer Kraftwerksbetreiber zur Übernahme von Castoren. „Das war eine unsolidarische und unnötige Belastung für alle Beteiligten“, so Kotting-Uhl. Sie sagte, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) müsse den Bayern jetzt endgültig und unmissverständlich klar machen, dass bei der Suche nach einem geeigneten Endlager für radioaktive Abfälle auch Bayern als Standort in Betracht komme. „Wir können das Atommüllproblem nur gemeinsam und solidarisch lösen“, so Kotting-Uhl.


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