25.01.2017, 05:05 Uhr

Zahl der Unfälle steigt stark Kommt die Helmpflicht für Elektrofahrräder?

Elektrofahrräder werden immer beliebter. Wegen höherer Unfallzahlen wird wieder über eine Helmpflicht debattiert. Foto: dpaElektrofahrräder werden immer beliebter. Wegen höherer Unfallzahlen wird wieder über eine Helmpflicht debattiert. Foto: dpa

Osnabrück. Fahrräder mit Elektromotor werden immer beliebter – vor allem bei Senioren. Doch der Boom hat seine Schattenseiten, denn die Zahl der Unfälle steigt. Das lässt die Debatte um die Helmpflicht wieder aufleben, die etwa der SPD-Verkehrsexperte Burkert fordert. Sind Pedelecs wirklich gefährlicher als normale Räder? Darüber berät der Deutsche Verkehrsgerichtstag.

Senioren haben ein neues Fortbewegungsmittel entdeckt: Das Fahrrad mit elektrischem Hilfsmotor . Mit 25 Stundenkilometern radeln auch die Älteren flott über jeden Hügel und gegen den Wind. Wenn der Radler in die Pedale tritt, unterstützt ihn der E-Motor beim Treten. Auch wenn die Preise für sogenannte Pedelecs erst bei rund 1000 Euro starten, legt der Absatz zu. Allerdings scheinen die Räder nicht ungefährlich zu sein: Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes kam es von Januar bis September 2016 zu 3214 Unfällen mit Pedelecs, 39 Prozent mehr als im Zeitraum des Vorjahres. Die Zahl der Toten stieg von 26 auf 46 Radler.

SPD-Politiker fordert Helmpflicht

Der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Bundestag, Martin Burkert (SPD) , fordert deshalb eine Helmpflicht für das Fahren von Elektrorädern. „Fahrradhelme sind Lebensretter“, sagte Burkert in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Nach Einschätzung von Experten könnten Helme rund 80 Prozent aller schweren Hirnverletzungen bei Radfahrern vermeiden. Burkert sagte: „Ich kann mir eine Helmpflicht für Fahrradfahrer, insbesondere für E-Bike und Pedelec, vorstellen, auch wenn ich weiß, dass das kein populärer Vorschlag ist.“

Nach Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen sind die Deutschen allerdings Helm-Muffel. Auch wenn der Anteil steigt, griffen 2015 erst 18 Prozent aller Radfahrer freiwillig zum Helm. Bei Kindern ist der Anteil deutlich höher, drei von vier Kindern zwischen sechs und zehn Jahren (76 Prozent) tragen demnach Helm.

Die aktuelle Debatte um die Helmpflicht dreht sich dabei nur um Elektro-Fahrräder mit Hilfsantrieb von maximal 250 Watt, die eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Stundenkilometern erreichen. Schnelle Flitzer (E-Bikes), die auch fahren, ohne dass man in die Pedale tritt und bis zu 45 Stundenkilometern erreichen, sind nach geltendem Recht Kleinkrafträder, benötigen ein Versicherungskennzeichen, und natürlich muss der Fahrer auch einen Helm tragen.

Die Sicherheit von Radfahrern im Straßenverkehr und verpflichtende Fahreignungsprüfungen für Senioren stehen im Mittelpunkt des diesjährigen Verkehrsgerichtstages in Goslar. Von diesem Mittwoch an werden etwa 2000 Verkehrsexperten darüber diskutieren. Es geht zudem um die Frage, ob ein Fahrverbot auch für Straftaten verhängt werden sollte, die nicht im Straßenverkehr begangen wurden.

Gründe für Anstieg der Unfälle umstritten

Allerdings sind die Ursachen für den sprunghaften Anstieg bei den Unfallzahlen umstritten. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) führt die Zunahme der Pedelec-Unfälle nicht auf die neue Technik zurück, sondern schlicht auf den Boom bei den Elektrofahrrädern. Die Zahlen zeigen: 2015 gab es 2,5 Millionen Pedelecs und E-Bikes in Deutschland, im vergangenen Jahr kamen noch einmal eine halbe Million dazu, das war ein Plus von 22 Prozent.

Ein Problem ist nach Expertenmeinung auch, dass oft Senioren im Sattel sitzen. Die Generation 60plus unterschätze leicht die Schwierigkeit in der Fahrpraxis, heißt es. So hätten Senioren etwa keine Erfahrung mit hydraulischen Bremsen oder vergessen, dass sie auf dem Pedelec einen größeren Kurvenradius haben.

Fahrradclub gegen Helmpflicht

Der Fahrradclub ADFC lehnt eine Helmpflicht für Radler und Elektrofahrrad-Fahrer ab. ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork sagte unserer Redaktion: „Durch ein Helmgesetz würde die Zahl der Fahrradnutzer sofort zurückgehen.“ Das Phänomen sei aus Australien bekannt, wo das Radfahren nach Einführung der Helmpflicht Anfang der 1990er Jahre schlagartig unpopulär geworden sei. Wichtiger sei, im Straßenverkehr mehr für die Sicherheit von Fahrradfahrern zu tun: „Man darf es der Politik nicht so leicht machen, sich mit der Helmpflicht vor einem Ausbau der Radinfrastruktur zu drücken.“ Stork fordert durchgängige Radverkehrsnetze, breite und geschützte Radfahrstreifen sowie geeignete Ampelschaltungen. Er sagte: „Wir fordern Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerorts.“

Jeden Tag stirbt nach Angaben des ADFC im Schnitt in Deutschland ein Radfahrer, alle sieben Minuten werde ein Radfahrer verletzt.

Auch die CDU-Senioren-Union ist gegen eine Helmpflicht bei Elektrofahrrädern – ebenso wie bei regulären Rädern. „Eine Tragepflicht sowie einen eigens einzuführenden Führerschein halten wir für unangemessen“, sagte der Bundesvorsitzende Prof. Otto Wulff unserer Redaktion.


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