02.12.2016, 14:00 Uhr

Kampagne gegen Fremdenhass Caritas will fremdenfeindlichen Mitarbeitern kündigen

Die Caritas in Niedersachsen will ihre Mitarbeiter künftig für Fremdenhass sensibilisieren. Foto: David EbenerDie Caritas in Niedersachsen will ihre Mitarbeiter künftig für Fremdenhass sensibilisieren. Foto: David Ebener

Osnabrück. Die Caritas in Niedersachsen will künftig stärker gegen Fremdenhass vorgehen – im Umgang mit Mitarbeitern, aber auch in der Argumentation nach außen.

Als Beispiel nennt Thomas Uhlen einen Fall im Bistum Hildesheim. Der Landessekretär der Caritas in Niedersachsen berichtet von einer Kita-Mitarbeiterin, die ein Flüchtlingskind aus Afghanistan und ein Kind aus Frankreich betreut. Mehrfach habe die Frau die französische Kultur hervorgehoben, habe etwa ein französisches Frühstück angeregt. Das afghanische Kind sei von der Mitarbeiterin nicht im gleichen Maße geschätzt worden.

Im Zuge des US-Wahlkampfes sei die Unsicherheit beim Umgang mit Fremdenhass unter Angestellten und Führungspersonal gewachsen, sagt Uhlen. Außerdem deuteten Studien wie die Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung daraufhin, dass viele Menschen in Deutschland fremdenfeindliche Tendenzen zeigten. Demnach teilt knapp ein Drittel der Deutschen die Auffassungen der neuen Rechten. Dass das ausgerechnet für 45.000 Caritas-Mitarbeiter nicht gelte, sei naiv.

„Das fängt im Kleinen an mit Aussagen wie: „Das muss man doch sagen dürfen“ und reicht bis zu Vorwürfen von Klienten wie „Hier wird nur Ausländern geholfen“.“ Fremdenhass sei mit dem christlichen Menschenbild, zu dem sich die Caritas-Angestellten bekennen, nicht vereinbar. Deswegen hat die Caritas in Niedersachsen eine landesweite Kampagne gestartet. Der erste Schritt besteht in einer gemeinsamen Erklärung der drei Caritasverbände für die Bistümer Osnabrück, Hildesheim und Vechta. Darin steht: „Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Fremdenhass propagieren, ist in unseren Diensten und Einrichtungen kein Platz. Die Propagierung von Fremdenhass rechtfertigt eine Kündigung.“

Mehr zum Thema Caritas auf unserer Themenseite.

Landessekretär Thomas Uhlen schränkt ein: „Eine Kündigung ist ultima ratio.“ Vorher suche man das Gespräch mit dem Mitarbeiter, es gelte zunächst alle anderen Mittel, wie Ermahnungen oder Abmahnungen auszuschöpfen. „Es geht darum, Führungskräften den Rücken zu stärken“, sagt Uhlen. Diese hätten nun eine klare Aussage, auf die sie sich bei problematischen Fällen beziehen können.

Ein zweiter Teil der Kampagne besteht in Argumentationstrainings. In Zusammenarbeit mit dem Landes-Demokratiezentrum sollen Mitarbeiter befähigt werden, in entsprechenden Situationen verbal Stellung beziehen zu können. Außerdem sollen Plakate die Mitarbeiter in den Caritas-Einrichtungen sensibilisieren.

Die Hildesheimer Kita-Mitarbeiterin wurde übrigens nur zu einem Gespräch gebeten. Eine Kündigung sei nicht nötig gewesen, so Uhlen.

Die Diakonie in Niedersachsen plant keinen vergleichbaren Schritt. Fremdenfeindlichkeit stimme nicht mit dem Auftrag der Kirche überein, sagte Pressesprecher Sven Quittkat. Insofern sei dies durchaus ein Kündigungsgrund. Entsprechende Fälle seien ihm jedoch nicht bekannt. Wenn nötig werde im Dialog mit den Mitarbeitern eine Lösung gesucht.


0 Kommentare