30.11.2016, 08:55 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Wer wählt AfD oder UKIP? Angst vor Globalisierung Antreiber für EU-weiten Populismus

Delegierte auf einem Parteitag der AfD. Foto: Maja Hitij/SymbolbildDelegierte auf einem Parteitag der AfD. Foto: Maja Hitij/Symbolbild

dpa/epd Gütersloh. Wer wählt AfD, Front National oder UKIP? Und warum? Laut einer Studie sind es in der Mehrheit EU-Bürger, die Angst vor der Globalisierung haben. Der persönliche Wertekompass spielt dabei nicht die entscheidende Rolle.

Angst vor der Globalisierung spielt beim Erfolg von rechtspopulistischen Parteien in Europa die entscheidende Rolle. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung. Länderübergreifend sehen vor allem die Anhänger von AfD (78 Prozent), der französischen Front National (76) und der FPÖ in Österreich (69) die Globalisierung als Bedrohung. In allen untersuchten Ländern zählt sich mindestens die Hälfte der Anhänger der rechtsnationalen Parteien wie der italienischen Forza Italia oder der britischen UKIP zu den Globalisierungspessimisten, wie es in der Studie mit dem Titel „Globalisierungsangst oder Wertekonflikt?“ heißt.

„Wir dürfen das Werben um besorgte Bürger nicht den Populisten überlassen. Die etablierten Parteien müssen die Angst vor der Globalisierung in ihre Arbeit einbeziehen“, so Aart De Geus, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung zum Studien-Ergebnis.

Für die Forscher überraschend: Der persönliche Wertekompass, also ob sich die Befragten eher liberal, konservativ oder autoritär einschätzen, spielt für die Anziehungskraft der populistischen Parteien nur eine untergeordnete Rolle. In der Studie heißt es weiter: Je niedriger die Bildung und je höher das Alter, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass die Menschen Globalisierung als Gefahr empfinden.

Insgesamt spaltet das Thema Globalisierung die Europäer. Die Mehrheit von 55 Prozent sieht internationale Verflechtungen als Chance, fast jeder zweite (45 Prozent) aber als Gefahr. Der Blick auf die einzelnen EU-Länder zeigt allerdings auch große Unterschiede und Überraschungen. Nach dem Brexit-Votum, also der Entscheidung der britischen Wähler für ein Verlassen der EU, leben in Großbritannien mit 64 Prozent EU-weit die meisten Globalisierungsoptimisten. Deutschland liegt mit einer Mehrheit von 55 zu 45 Prozent im Trend. Die meisten Pessimisten leben mit 55 und 54 Prozent in Österreich und Frankreich. Italien und Spanien, deren Bürger massiv unter der Finanzkrise nach 2007 gelitten haben, sind mit jeweils 61 Prozent auch mehrheitlich Globalisierungs-Befürworter.

Isabell Hoffmann, Autorin der Studie, sieht im Faktor Angst etwas positives: „Das ist ein Hoffnungsschimmer für die Politik, denn Angst lässt sich leichter auflösen als fest zementierte Werte.“

Der Angstforscher Bandelow sagte dazu: „Früher war es ein Überlebensvorteil, Angst vor Fremden zu haben.“ Als die Menschen noch „in Stämmen organisiert waren, war es wichtig, den eigenen Stamm zu unterstützen und andere bis aufs Blut zu bekämpfen. Die Ängste, die daraus entstanden, sind bis heute in jedem Menschen präsent“, sagte der Professor für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universität Göttingen dem Evangelischen Pressedienst (epd).

„Wer die Menschen jahrzehntelang belügt und die Spaltung der Gesellschaft durch eine verfehlte Politik vorantreibt, der muss sich über den Erfolg des Rechtspopulismus und die grassierende Politikverdrossenheit nicht wundern“, kommentierte Bernd Riexinger das Ergebnis der Studie. Der Vorsitzende der Linken bezeichnet die Globalisierung „als fadenscheinige Begründung für den Abriss des Sozialstaats“.


Für die Studie wurden im August 2016 knapp 15.000 Bürger repräsentativ für die EU befragt. Eine Frage lautete: „Denken Sie, die Globalisierung ist eine Bedrohung oder eine Chance?“ Bei der Fragen nach den eigenen Werten haben die Forscher dabei einen Trick eingesetzt und nach der besten Kindererziehung gefragt: Beispiel: Was ist Ihrer Meinung nach für ein Kind wichtiger: Unabhängigkeit oder Respekt gegenüber den Älteren? Gehorsam oder Eigenständigkeit? Rücksichtsvoll oder wohlerzogen zu sein?

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