27.11.2016, 13:18 Uhr

Gedenkstättenchef Knabe entsetzt Nach Castros Tod: Stasi-Experte kritisiert linke „Lobhudelei“

Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe kritisiert die linke „Lobhudelei“ auf Fidel Castro. Foto: dpaGedenkstättendirektor Hubertus Knabe kritisiert die linke „Lobhudelei“ auf Fidel Castro. Foto: dpa

Osnabrück. Die Linke trauert um Fidel Castro - zum Entsetzen des Stasiopfer-Gedenkstättenchefs Hubertus Knabe. Im Gespräch mit unserer Redaktion kritisiert er die „Lobhudelei“ für einen Diktator. 

Nach dem Tod des kubanischen Politikers Fidel Castro hat der Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, vor „Revolutionsromantik“ und einer Verherrlichung des früheren Staatschefs gewarnt. In einem Gespräch mit unserer Redaktion kritisierte der Historiker und DDR-Spezialist namentlich die Reaktion der Partei Die Linke. „Bei allem Respekt für einen Verstorbenen fehlt mir jedes Verständnis für diese Lobhudelei gegenüber einem Diktator, der Tausende in Lager und Gefängnisse werfen ließ und ein Fünftel seiner Bevölkerung in die Flucht trieb. Wenn Fidel Castro und sein Regime ein politisches Vorbild für die Linke sind, dann kann einem Angst und bange werden“, sagte der Spezialist für Unrechtsregime.

„Hasta siempre comandante!“

Knabe bezog sich unter anderem auf eine Twitter-Nachricht des Linken-Vorsitzenden Bernd Riexinger, in der dieser geschrieben hatte: „Mit Castro ist ein großer Revolutionär gestorben. Unsere Solidarität mit Cuba lebt weiter.“ Auch die Ko-Vorsitzende Katja Kipping hatte zu Castros Tod Stellung genommen und über ihn geschrieben: „Revolutionär, Sozialist & eine große Stimme der Unabhängigkeit des Südens gegen den reichen Norden“ und ein „Hasta siempre comandante!“ folgen lassen. Die Ko-Vorsitzende der Linken-Fraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, hatte erklärt: „Ein Kämpfer kann sterben – nicht aber seine Ideen. Adios, Fidel!“

„Revolutionsromantik in SED-Tradition“

Knabe erinnert daran, dass die Linke schon 2011 in einem Glückwunschschreiben zu Castros 85. Geburtstag erklärt hatte, dass dieser „voll Stolz auf ein kampferfülltes und erfolgreiches Wirken an der Spitze der kubanischen Revolution“ zurückblicken könne. In ähnlicher Weise hätten sich im August auch die Linken-Abgeordneten Wolfgang Gehrcke und Dieter Dehm in einer Erklärung zu Castros 90. Geburtstag geäußert. „Diese Revolutionsromantik in bester SED-Tradition ist angesichts der kubanischen Wirklichkeit völlig unangebracht. Mehr als unglaubwürdig wird dadurch auch die aktuelle Kritik von Linken-Fraktionschefin Wagenknecht am ,Diktator Erdogan‘“, bilanzierte Knabe.

(Alle besiegt und doch verloren: Einen NOZ-Kommentar über Castros Tod lesen Sie hier.)


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