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25.11.2016, 15:20 Uhr KOMMENTAR ZUR RENTE

Der Generationenvertrag ist der Geburtsfehler der Rente

Kommentar von Katharina Ritzer

Trägt das deutsche Rentenkonzept auch noch in Zukunft? Daran darf man zweifeln. Foto: imago/IPONTrägt das deutsche Rentenkonzept auch noch in Zukunft? Daran darf man zweifeln. Foto: imago/IPON

Osnabrück. Der große Wurf ist mit dem am Donnerstagabend vorgestellten Koalitionsbeschluss zur Rente nicht gelungen. Das ist vielleicht nicht verwunderlich, aber schade – und nicht zukunftsweisend. Ein Kommentar.

Die Rente als Wahlkampfthema hat Geschichte. Schon 1957 hatte Kanzler Konrad Adenauer richtig erkannt, dass die Rente die Wahl entscheiden werde. Im System „Generationenvertrag“, das er entwerfen ließ, sollten die Beitragszahler nicht in einen Topf für ihre eigene spätere Rente einzahlen, sondern ihre Beiträge wurden sofort für die Renten der Alten verbraucht. Ergebnis: Adenauer holte zum ersten und einzigen Mal die absolute Mehrheit für die CDU. Und das deutsche Rentensystem hatte einen Geburtsfehler.

Das System Adenauers funktioniert nur, wenn genügend Kinder geboren werden. Damals waren es im Schnitt pro Frau 2,3, heute dagegen nur noch 1,5 Kinder. Und weil die Alten (zum Glück) immer älter werden, zerbröselt der Generationenvertrag. Mit der Folge, dass die Rentner immer weniger bekommen werden, obwohl die Jungen doch immer mehr zahlen. Die Anpassung der Ost-Renten verschärft dies noch.

Ein Wahlkampfschlager werden Rente und vor allem Mindestrente auch 2017 wieder werden. Vorher bedient die Große Koalition noch einmal die Alten zu Lasten der Jungen – die Alten entscheiden schließlich die Wahl. Dabei weiß keiner, wie das System in Zukunft überhaupt noch funktionieren soll. Doch zu einer echten Rentenreform reicht offenbar sogar in einer Großen Koalition die Zeit zwischen zwei Wahlen nicht aus.


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