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20.11.2016, 15:39 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR ZUR MERKEL-KANDIDATUR

Angela Merkel tritt 2017 an: Wer denn sonst?

Kommentar von Beate Tenfelde

Vorfreude auf vier weitere Jahre: Angela Merkel gestern in Berlin, nachdem sie ihrer Partei ihre Entscheidung mitgeteilt hatte. Foto: dpaVorfreude auf vier weitere Jahre: Angela Merkel gestern in Berlin, nachdem sie ihrer Partei ihre Entscheidung mitgeteilt hatte. Foto: dpa

Berlin. Angela Merkel will im kommenden Herbst zum vierten Mal als Kanzlerkandidatin in die Bundestagswahl gehen. Die CDU-Chefin gab ihre Kandidatur sowohl für den Parteivorsitz als auch für das Amt der Regierungschefin bei einer Klausur des CDU-Präsidiums bekannt, dem engsten Führungszirkel der Partei. Ein Kommentar.

Angela Merkel, wer sonst? Sie tritt 2017 noch einmal an – und das ist nicht wirklich eine Sensation. Soll sie nach langen und weitgehend erfolgreichen Amtsjahren in die Küche gehen und ihrem Mann Pflaumenkuchen backen? Amtsmüdigkeit ist bei dieser Regierungschefin nicht einmal in Ansätzen zu erkennen. Im Gegenteil: Die Rückschläge in der Europa- und Flüchtlingspolitik oder die gescheiterte Suche nach einem Präsidentschaftskandidaten der Union stacheln sie an, sich bei den Bundesbürgern noch einmal dieselbe Anerkennung zu erarbeiten, die sie im Ausland genießt.

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Manche Christdemokraten sorgten sich schon, dass die jüngsten Elogen von US-Präsident Barack Obama auf Merkel als letzter Verteidigerin der westlichen Werte der Kanzlerin zu Kopfe steigen und sie sich als Obamas Nachlassverwalterin verhebt. Das hat Merkel klar ausgeschlossen. Für ihren Alleingang in der Flüchtlingskrise hat sie mit herben Sympathieverlusten büßen müssen. Auch deshalb spiegeln die Unions-Papiere für den Vorwahlkampf Merkels Wende von der Willkommens- zur Abschottungspolitik wider. Die Aussage, die Grenzöffnung 2015 sei eine „Ausnahmesituation“, dürfte den heimatlos gewordenen rechten Parteiflügel wieder hinter der Kanzlerin versammeln.

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Wer sonst, wenn nicht sie? Das ist auch eine Frage akuten Fachkräftemangels in der CDU. Merkel hat Rivalen verdrängt – zum Beispiel Friedrich Merz, der jetzt als Transatlantiker fehlt. Und wegen Machterosion in den Ländern stehen keine respektablen Ministerpräsidenten für die Kanzlerschaft parat. Die Nachwuchspflege hat Merkel vernachlässigt, wohl auch um Konkurrenz auf Distanz zu halten.


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