17.11.2016, 20:32 Uhr

Abschied von Angela Merkel Obama schwärmt von seiner „wunderbaren Freundin“

US-Präsident Barack Obama zum Abschiedsbesuch bei Bundeskanzlerin  Angela Merkel Foto: imago/IPONUS-Präsident Barack Obama zum Abschiedsbesuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: imago/IPON

Berlin. Perfekte Bilder – das gehörte bei den insgesamt sieben Besuchen von US-Präsident Barack Obama in der Hauptstadt unbedingt dazu.„Hallo, Berlin“, rief er 2013 am geschichtsträchtigen Brandenburger Tor . Am stärksten toste der Beifall vor acht Jahren bei seiner Rede an der Siegessäule vor über 200 000 Menschen. Beim „Bye, bye Berlin“ dominierten Krisengespräche – und Emotionen.

Obama inszenierte sich stets als Ikone einer bildersüchtigen Welt. Gestern aber blieb der Präsident nahezu unsichtbar. Nur bei einem kleinen Spaziergang zeigte sich der US-Präsident kurz vor dem Berliner Wahrzeichen, als er mit einem Kaffeebecher in der Hand von der US-Botschaft über den Pariser Platz zum Hotel „Adlon“ lief. „Hallo Leute, wie geht’s?“, rief er gut gelaunt den Zaungästen hinter den Gittern zu .

Sonst signalisierten Verkehrsstaus, gesperrte U- und S-Bahnlinien sowie Absperrgitter rund um das Nobelhotel Adlon den Berlinern: „Er“ ist in der Stadt. Scharfschützen auf dem Dach, Panzerfahrzeuge und Polizei. Rund 2400 Polizisten sind gleichzeitig im Einsatz. Es gilt die Sicherheitsstufe „Eins Plus“ für Obama - wie zuvor auch für den Papst, die Queen den israelischen und den russischen Präsidenten.

Obama verbrachte den Tag mit Interviews und in Gesprächen der US- Botschaft, bevor er am Nachmittag im Kanzleramt mit Regierungschefin Angela Merkel (CDU) zusammenkam. Obama dankte in der anschließenden Pressekonferenz den Deutschen für ihre „tiefe Freundschaft und Partnerschaft“. Mit Blick auf Merkel erklärte er, er hätte sich „keine standfestere und zuverlässigere Partnerin vorstellen können“. Sie sei eine „wunderbare Freundin“. Die Kanzlerin, eher ein nüchterner Mensch, schaute etwas sparsam drein.

Würstchen und Bier

Auf die Frage, ob ihr der Abschied schwerfalle, bekannte sie: „Na klar. Wenn man mit jemandem gut zusammengearbeitet hat, dann fällt der Abschied auch schwer.“ Aber schließlich sei man ja auch Politiker - „und Demokratie lebt vom Wechsel“. In der US-Verfassung sei es sehr hart vorgegeben: „Acht Jahre, und dann kommt ein neuer Präsident“, erklärte sie trocken.

Nach einstündiger Pressekonferenz entschwanden die beiden zum Abendessen. Im Kanzleramt wurde Deftiges gereicht: Eisbein, gebratene Haxe und Nürnberger Bratwürstchen, dazu Bier und Wein. Zum Nachtisch gab es Apfelstrudel. Auf der Einladungsliste standen unter anderem Stardirigent Daniel Barenboim, der Gründungsdirektor des Jüdischen Museums Berlin, Michael Blumenthal, Ex-Fußball-Bundestrainer Jürgen Klinsmann - er trainiert derzeit die US-Fußballnationalmannschaft.

Auch die Astronauten Thomas Reiter und Alexander Gerst, der Biochemiker und Nobelpreisträger Thomas Südhof, Regisseur Tom Tykwer („Lola rennt“), der frühere Unionsfraktionsvize Friedrich Merz (CDU) und der außenpolitische Berater der Kanzlerin, Christoph Heusgen, waren gekommen .

Zwei Veteranen

Ob in dieser Runde auch die Frage angesprochen wurde, die derzeit vielen auf den Nägeln brennt? Soll Angela Merkel noch einmal als Kanzlerkandidatin antreten? In der Pressekonferenz wollte Obama darauf nicht direkt antworten. „Wenn ich Deutscher wäre, wäre ich ihr Anhänger“, sagte er. Es sei aber ihre Sache, ob sie noch einmal zu einer Bundestagswahl antreten wolle. Und es sei letztlich Sache des deutschen Volkes, die Führung seines Landes zu bestimmen.

Merkel ist die einzige Regierungschefin eines westlichen Landes, die bereits im Amt war, als Obama vor fast acht Jahren US-Präsident wurde und noch immer den Posten innehat. „Wir sind die Veteranen“, sagte der im Amt ergraute Obama.

Das war im Sommer 2013 noch etwas anders. Bei fast 40 Grad war auf dem Pariser Platz östlich des Brandenburger Tors ein großer Auftritt vorgesehen. Während die Zuhörer die Hitze verwünschten , federte Obama auf die Bühne wie ein Star, der um seine Wirkung weiß.

Lässig warf er das Jackett weg – „im Freundeskreis darf man das“. So freundschaftlich waren damals die Bindungen allerdings nicht: Die Abhöraktionen des US-Geheimdienstes in Deutschland hatten viel Empörung ausgelöst. Das hat Obama heute offenbar vergessen.


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