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25.10.2016, 17:50 Uhr KOMMENTAR

Flüchtlinge in Italien: Nachbarn verschließen die Augen

Kommentar von Stefanie Witte

In dieser Woche bauten Bürger in Norditalien Barrikaden, um einen Bus mit Flüchtlingen fernzuhalten. Foto: dpaIn dieser Woche bauten Bürger in Norditalien Barrikaden, um einen Bus mit Flüchtlingen fernzuhalten. Foto: dpa

Osnabrück. Während die deutschen Flüchtlingshäuser mangels Auslastung nach und nach geschlossen werden, spitzt sich die Lage in Italien wieder zu. Die Gefahr ist groß, dass sich die Geschichte wiederholt. Ein Kommentar.

Offenbar steuert das Land am Mittelmeer auf einen neuen Rekord zu. In den ersten zehn Monaten dieses Jahres kamen dort schon mehr Flüchtlinge an, als im gesamten vergangenen Jahr. Gleichzeitig sterben Tausende auf offener See.

Die EU bemüht sich nun zwar aktiver um die Begrenzung der Migration aus Afrika. Wahrscheinlich werden Milliarden in innerafrikanische Grenzsicherung und Abschreckung investiert und Flüchtlinge, die es nach Europa geschafft haben, werden zurückgebracht. Trotzdem werden auch weiterhin mehr Menschen an den italienischen Küsten anlanden, als das krisengeplagte Land langfristig aufnehmen kann.

In dieser Woche bauten Bürger in Norditalien Barrikaden, um einen Bus mit Flüchtlingen fernzuhalten. Bürgermeister schreiben Brandbriefe. Der Tenor: Wir können nicht mehr. Die Drohung des italienischen Premiers, angesichts mangelnder europäischer Solidarität Mauern gegen Flüchtlinge zu bauen, wirkt da nur noch verzweifelt.

Nun wären einmal mehr die europäischen Nachbarstaaten gefragt. Die jedoch verschließen wie so häufig die Augen nach dem Sankt-Florian-Prinzip. Die Gefahr ist groß, dass sich die Geschichte wiederholt und am Ende Busse voller Flüchtlinge vor den Grenzen der Nachbarstaaten stehen und keiner weiß, wie es weitergehen soll.


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