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19.10.2016, 20:45 Uhr REICHSBÜRGER-BEWEGUNG

Reichsbürger: Extremismus führt immer in den Abgrund

Kommentar von Marion Trimborn

Reichsbürger haben Fantasiepässe und sehen ihre Grundstücke als Mini-Staaten mit eigener Flagge. Foto: dpaReichsbürger haben Fantasiepässe und sehen ihre Grundstücke als Mini-Staaten mit eigener Flagge. Foto: dpa

Osnabrück. Bislang kannten nur Insider die „Reichsbürger“-Bewegung. Nun hat ein Anhänger auf Polizisten geschossen. In Deutschland entstehen immer mehr Parallelgesellschaften - das ist eine Gefahr für die Demokratie. Ein Kommentar

Fantasiepässe und das eigene Haus als Mini-Staat - die Welt der Reichsbürger wirkt urkomisch. Da leben in Deutschland Leute, die die absurde Meinung haben, die Bundesrepublik als Staat existiere gar nicht, sondern nur das Deutsche Reich.

Beruhigend ist, dass es nur ein paar Tausend von ihnen gibt und die meisten Spinner und Verschwörungstheoretiker sind.

Die Reichsbürger sind aber nicht zu belächeln, denn sie sind eine rechtsextremistische Bewegung. Sie wenden Gewalt im Dienste der vermeintlich „guten Sache“ an. Das ideologisch motivierte Töten erinnert fatal an die Verbrechen der Nazi-Zeit oder das sinnlose Töten der Roten Armee Fraktion (RAF) in den 70er und 80er Jahren. Extremismus hat gerade in Deutschland schon immer in den Abgrund geführt.

Andererseits entstehen zur Zeit immer mehr Parallelgesellschaften, die mit dem Staat abgeschlossen haben und sich über dem Gesetz stehend sehen. Das ist eine für die Demokratie brandgefährliche Entwicklung. Die zunehmende Zahl von Wutbürgern - wie etwa bei Pegida - hat aber auch damit zu tun, dass die Große Koalition die Stimmung weiter Teile der Bevölkerung in der Flüchtlingskrise oder der Euro-Krise ignoriert und den Kontakt zu Bürgern verliert. Die Reintegration von Wutbürgern kann nur gelingen, wenn sich die Politik um mehr Glaubwürdigkeit und Bürgernähe bemüht.


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