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18.10.2016, 17:49 Uhr KOMMENTAR ZUR GAUCK-NACHFOLGE

Norbert Lammert: Noch nicht aus dem Rennen

Kommentar von Beate Tenfelde

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) will 2017 nicht wieder für den Bundestag kandidieren. Foto: imago/CommonLensBundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) will 2017 nicht wieder für den Bundestag kandidieren. Foto: imago/CommonLens

Berlin. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat offengelassen, ob sich mit seinem angekündigten Rückzug aus der aktiven Politik auch eine mögliche Kandidatur als Bundespräsident erledigt hat. Ein Kommentar.

„Das, was ich erklärt habe, habe ich erklärt, und dem ist nichts hinzuzufügen“, sagte Lammert in Berlin. Zuvor hatte er angekündigt, er werde bei der nächsten Bundestagswahl im Herbst 2017 nicht wieder kandidieren. In der Debatte über die Nachfolge von Bundespräsident Joachim Gauck war Lammert als potenzieller Kandidat gehandelt worden.

Hat sich Norbert Lammert als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten selbst aus dem Rennen genommen? Wer Lammerts für 2017 angekündigten Rückzug als Abgeordneter so deutet, der täuscht sich. Mag der Parlamentspräsident nach 36 Jahren Mitgliedschaft im Bundestag die Zeit für einen Wechsel in seinem Wahlkreis Bochum sehen, einem Neuanfang 2017 im Schloss Bellevue stünde nichts entgegen. Es liegt an der Kanzlerin. Doch Angela Merkel schweigt wie eine Sphinx. Noch jedenfalls. Klar ist: Ihrem Ruf könnte sich Lammert im Interesse der Union kaum entziehen.

Weithin geschätzt – über die eigene Partei hinaus – ist der wortgewaltige und humorvolle CDU-Politiker Lammert, Sohn eines Bäckermeisters aus Bochum. Für ihn gäbe es eine zweite Option, Gaucks Nachfolge anzutreten: Er müsste aber – wie aufseiten der SPD Außenminister Frank-Walter Steinmeier – Mut zur Kampfkandidatur zeigen, wenn er Präsident werden wollte. In einem dritten Wahlgang gilt: Wer die meisten Stimmen hat, gewinnt. Doch Bundestagspräsident Lammert, protokollarisch bekleidet er in Deutschland den zweithöchsten Rang, wird sich kaum solchem Vabanque-Spiel aussetzen. Es wäre unter seiner Würde.

Es liegt auch an Lammert und möglichen privaten Gründen. Bettina Wulff genoss als Präsidenten-Ehefrau das Scheinwerferlicht, anfangs jedenfalls. Gertrud Lammert hat dagegen erklärtermaßen wenig Neigung, ihrem Ehemann in präsidiale Pflichten zu folgen. Die zu erfüllen erfordert auch körperliche Höchstleistung. Mag sein, dass auch diese Überlegung Merkels wie auch Lammerts auffällige Zurückhaltung bestimmen.


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