29.09.2016, 13:12 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Umsetzung noch in diesem Jahr? Drogenbeauftragte Mortler fordert schnelles Tabakwerbeverbot

Deutschland ist den Angaben zufolge derzeit der einzige EU-Mitgliedsstaat, in dem Plakataußenwerbung für Tabakprodukte noch erlaubt ist. Foto: Imago/SteinachDeutschland ist den Angaben zufolge derzeit der einzige EU-Mitgliedsstaat, in dem Plakataußenwerbung für Tabakprodukte noch erlaubt ist. Foto: Imago/Steinach

epd/swi/chl Essen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), fordert eine zügige Einführung eines Tabakwerbeverbots in Deutschland. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt diese Forderung.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), fordert eine zügige Einführung eines Tabakwerbeverbots in Deutschland. Sie „werbe sieben Tage die Woche dafür, dass der Gesetzentwurf der Bundesregierung im Bundestag auf die Tagesordnung kommt und noch in diesem Jahr beschlossen wird“, sagte Mortler den Zeitungen der Essener Funke-Mediengruppe.

„Rauchen tötet allein in Deutschland jährlich über 120000 Menschen, es belastet unsere Volkswirtschaft mit fast 80 Milliarden Euro im Jahr und kostet unsere Unternehmen wegen der krankheitsbedingten Ausfallzeiten Unsummen.“ Deshalb brauche es ein Verbot der Tabakwerbung auf Plakaten, Litfaßsäulen und in Kinospots. Mit ihrem Appell richtet sich die Drogenbeauftragte vor allem an die Mitglieder ihrer eigenen Partei.

Von der Tagesordnung genommen

Kritiker aus den Reihen der Unions-Fraktion hatten dem Bericht zufolge im Juli einen Gesetzentwurf der Bundesregierung von der Tagesordnung des Bundestages genommen, der im Kabinett bereits beschlossen war. Zu den Befürwortern des Verbots in der Union gehören demnach Bundesverbraucherschutzminister Christian Schmidt (CSU) und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), zu den Gegnern Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Böhmer (CDU). Die SPD unterstützt den Gesetzentwurf.

Deutschland ist den Angaben zufolge derzeit der einzige EU-Mitgliedsstaat, in dem Plakataußenwerbung für Tabakprodukte noch erlaubt ist. Einige Länder verpflichten die Industrie zu noch deutlich größeren Einschränkungen. So dürfen Zigarettenhersteller in Frankreich und Großbritannien nicht mehr ihre Markenlogos auf den Packungen abbilden, sondern lediglich den Namen vermerken, neben den verpflichtenden Schockbildern.

Deutsche Krebshilfe kritisiert Tabakwerbung

Die Deutsche Krebshilfe hat sich im Gespräch mit unserer Redaktion für ein zeitnahes Verbot ausgesprochen. Der Vorstandsvorsitzende Gerd Nettekoven sagte: „Der Standpunkt der Deutschen Krebshilfe ist eindeutig: Für krebserregende Tabakprodukte darf es keine Werbung geben.“ Die Stiftung sei davon überzeugt, dass das Verbot Menschen vom Rauchen abhalten werde. „Tabakwerbung ist präsent, wirkt und verführt – insbesondere Kinder und Jugendliche, die für Werbebotschaften besonders empfänglich sind“, sagte Nettekoven.

Allein im Jahr 2013 habe die Tabakindustrie nach eigenen Angaben bundesweit über 200 Millionen Euro für Marketingaktivitäten ausgegeben. „Dies würde sie nicht tun, wenn sie von der Wirkung auf die Konsumenten nicht überzeugt wäre.“ Der Deutsche Bundestag müsse sich nun mit dem Außenwerbeverbot beschäftigen, forderte Nettekoven.


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