24.03.2016, 11:30 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Belgien gedenkt der Opfer Nach den Anschlägen von Brüssel: Was wir wissen und was nicht

Polizisten stehen an einem städtischen Gebäude in Brüssel. Foto: dpaPolizisten stehen an einem städtischen Gebäude in Brüssel. Foto: dpa

Brüssel. Brüssel steht seit den Terroranschlägen vom Dienstag unter Schock. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Was wissen wir? Was nicht?

WER STECKT HINTER DEN ANSCHLÄGEN?

Die Polizei hatte ein Bild von einer Video-Überwachungskamera am Flughafen veröffentlicht, das drei Männer zeigt. Einer von ihnen ist Ibrahim El Bakraoui (29), der sich in der Flughafenhalle in die Luft sprengte. Einer der beiden weiteren Männer ist Medienberichten zufolge der bislang als Terrorverdächtiger gesuchte Najim Laachraoui (24). Er soll sich demnach ebenfalls in die Luft gesprengt haben. Dies bestätigten die Behörden zunächst aber nicht. Unklar ist, wer der dritte Mann auf dem Fahndungsbild ist. Auf dem Bild trägt er eine weiße Jacke, einen schwarzen Hut und eine Brille.

Der Terrorist, der in der Metro-Station Maelbeek eine Bombe zündete, war Ibrahim El Bakraouis jüngerer Bruder Khalid (27). Beide Brüder waren belgische Staatsbürger und wegen verschiedener nicht terroristischer Taten vorbestraft. Medien berichten, dass ein zweiter Mann dabei gewesen sein soll - ob er bei der Explosion getötet wurde oder auf der Flucht ist, ist allerdings noch unklar. Auch seine Identität ist nicht bekannt.

GIBT ES EINEN ZUSAMMENHANG ZU DER TERRORSERIE IN PARIS?

Vieles deutet darauf hin: der Ablauf der Taten, der Sprengstoff, die Tatorte. Vor allem aber Verbindungen der mutmaßlichen Täter. Einer der beiden Brüder - Khalid El Bakraoui - soll unter falschem Namen eine Wohnung angemietet haben, die zur Vorbereitung der Anschläge mit 130 Toten im November in Paris genutzt wurde. Auch eine weitere Wohnung im Brüsseler Stadtteil Forest lief auf seinen Tarnnamen - dort soll sich auch der inzwischen festgenommene Top-Terrorverdächtige Salah Abdeslam aufgehalten haben. Laachraoui wurde am Montag öffentlich zur Fahndung ausgeschrieben. Er soll zusammen mit Abdeslam, der am Freitag in Brüssel festgenommen wurde, einer der Drahtzieher der Paris-Anschläge gewesen sein.

WIE VIELE TODESOPFER GIBT ES?

Die belgischen Behörden sprechen bislang von mindestens 31 Toten und rund 300 Verletzten. Die Opfer kamen nach Angaben des belgischen Außenministers Didier Reynders aus etwa 40 Nationen. Auch Deutsche wurden verletzt, mindestens einer schwer. Die Bundesregierung hat noch keine gesicherten Erkenntnisse über deutsche Todesopfer - allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass auch Bundesbürger ums Leben gekommen seien, heißt es aus dem Auswärtigen Amt. Eine Frau aus Aachen wird nach Polizeiangaben vermisst.

HAT SICH DIE LAGE IN BELGIEN BERUHIGT?

Zwei Tage nach den Anschlägen von Brüssel haben die belgischen Behörden am Donnerstag die Terrorwarnstufe gesenkt. Die Warnstufe wurde vom Maximallevel vier auf drei herabgesetzt, wie Innenminister Jan Jambon im Fernsehsender RTL sagte. Niveau vier bedeutet eine „ernste und unmittelbare“ Gefahr, Niveau drei eine „mögliche und wahrscheinliche“ Gefährdung.

Die Polizei fahndet weiter nach zwei flüchtigen Terrorverdächtigen. Demnach soll der Selbstmordattentäter Khalid El Bakraoui in der Brüsseler Metro in Begleitung eines Mannes mit einer großen Tasche gewesen sein. Wenig wahrscheinlich sei, dass dieser Mann bei der Explosion getötet wurde. Zudem fahndet die Polizei weiter nach einem Komplizen der Attentäter, der vom Flughafen Brüssel geflüchtet sein soll. Somit könnte das Terrorkommando aus mindestens fünf Tätern bestanden haben.

Die Metro-Station Maelbeek wird vermutlich noch mehrere Wochen geschlossen bleiben. Der Flughafen Brüssel bleibt auf jeden Fall noch bis einschließlich Freitag geschlossen. Die Lufthansa sagte Flüge von Deutschland nach Brüssel bis Ostermontag ab. Das öffentliche Leben funktioniert mittlerweile halbwegs wieder. Aber das ganze Land trauert: Bis Karfreitag ist noch offiziell Staatstrauer, die Flaggen wehen auf Halbmast.

WELCHE ROLLE SPIELT DIE TÜRKEI?

Belgien ist laut Justizminister Koen Geens im vergangenen Jahr sehr spät von der Türkei über die Ausweisung des Terrorverdächtigen Ibrahim El Bakraoui informiert worden. „Wir wurden erst gewarnt, nachdem das Flugzeug (mit El Bakraoui) in Schiphol gelandet war“, sagte Geens am Donnerstagabend mit Blick auf den niederländischen Flughafen in der Nähe von Amsterdam. El Bakraoui war einer der Selbstmordattentäter vom Brüsseler Flughafen. Er wurde am 14. Juli 2015 in die Niederlande ausgewiesen. Geens sprach am Rande eines Krisentreffens mit seinen EU-Amtskollegen in Brüssel.

El Bakraoui war 2010 in Belgien zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden und vorzeitig freigekommen - offenbar trotz negativer Beurteilung der Gefängnisdirektion. Hätte er seine Strafe vollständig absitzen müssen, wäre er heute noch in Haft. Stattdessen wurde er im Juni 2015 an der türkisch-syrischen Grenze aufgegriffen und danach ausgewiesen.


0 Kommentare