25.02.2016, 17:49 Uhr

Bayreuther Toleranz-Preis Eklat bei Ehrung für Code Pink: Israels Botschafter entsetzt

Die Bürgerbewegung Code Pink erhält den Toleranzpreis der Stadt Bayreuth. Unser Bild zeigt, wie Anhänger der Organisation 2015 die Türen des Convention Centers in Washington D.C während des amerikanisch-israelischen Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten. Foto: dpaDie Bürgerbewegung Code Pink erhält den Toleranzpreis der Stadt Bayreuth. Unser Bild zeigt, wie Anhänger der Organisation 2015 die Türen des Convention Centers in Washington D.C während des amerikanisch-israelischen Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten. Foto: dpa

lfü Osnabrück/Bayreuth. Die Preisverleihung des Toleranz-Preises in Bayreuth hat für einen Skandal gesorgt. Der Preis soll an die Gruppe Code Pink gehen, der jedoch eine israelfeindliche Haltung vorgeworfen wird. Israels Botschafter reagierte entsetzt.

„Ich bin entsetzt, dass ausgerechnet in Deutschland im Namen von Toleranz und Humanität die Organisation ‚Code Pink‘ ausgezeichnet werden soll“, schreibt der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, in einer öffentlichen Stellungnahme. Den Preisträgern der US-Bürgerrechtsorganisation Code Pink war zuvor in einem Medienbericht der Zeitung „Jerusalem Post“ eine israelfeindliche Haltung vorgeworfen worden. Außerdem habe sich Code Pink an einer Konferenz mit Holocaust-Leugnern im Iran beteiligt.

Der Bayreuther Stadtrat hatte sich am Mittwochabend für die Ehrung der US-Bürgerrechtsorganisation entschieden. Der Gruppe soll im April der Wilhelmine-von-Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt verliehen werden. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert.

Proteste und Diskussionen im Stadtrat

Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe hatte bereits in der vergangenen Woche wegen der Vorwürfe eine Aberkennung des Toleranzpreises gefordert. Sie erhielt jedoch keine Mehrheit im Stadtrat.

Den Vorwurf, eine israelfeindliche Haltung zu haben, stritt die US-Gruppierung ab. Code Pink beschreibt sich selbst auf ihrer Homepage als Gruppe, „die dort eingreift, wo es wirklich nötig ist“. Die Bürgerrechtsbewegung wurde 2002 gegründet und setzt sich nach eigenen Angaben vor allem dafür ein, Kriege zu beenden und neue militärische Auseinandersetzungen zu verhindern.

Israels Botschafter Hadas-Handelsmann zieht aus dem Eklat eigene Schlussfolgerungen: „Die Definition von Toleranz und Humanität in Bayreuth ist scheinbar: mit Holocaustleugnern in Iran zusammenzuarbeiten, Juden zu boykottieren und Israel das Existenzrecht abzusprechen.“


Der Wilhelmine-von Bayreuth-Preis für Toleranz und Humanität in kultureller Vielfalt wird jährlich verliehen. „Er geht an Persönlichkeiten oder Personengruppen, die sich auf kulturellem, sozialem, politischem oder wissenschaftlichem Gebiet international um die kritische Reflexion europäischer Wertvorstellungen und die interkulturelle Verständigung verdient gemacht haben“, das schreibt die Stadt Bayreuth auf ihrer Homepage. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Frühere Preisträger sind beispielsweise Professor Wole Soyinka, Träger des Literatur Nobelpreises oder Prinz Hassan ibn Talal von Jordanien.

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